Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Forscher gehen Niedrigwasser der Elbe auf den Grund
Region Mitteldeutschland Forscher gehen Niedrigwasser der Elbe auf den Grund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:27 10.09.2019
Das Forschungsschiff „Albis“ vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) untersucht, wie sich das extreme Niedrigwasser der Elbe auf die Wasserqualität auswirkt. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra
Magdeburg

„Das ist schon Grundberührung, wir liegen auf Grund“, sagt der Kapitän der Albis und legt in schneller Folge mehrere Schalter um. Das Schiff hat einen flachen Unterbau, aber mitten auf der Elbe bei Magdeburg ist da plötzlich kein Wasser mehr zwischen Boot und Flussbett. Damit zeigt die Albis paradoxerweise, dass die Umstände für die Mission der Forscher um Norbert Kamjunke optimal sind: Der Fluss führt extremes Niedrigwasser.

Normal wären für den Elb-Pegel in der sachsen-anhaltischen Hauptstadt knapp zwei Meter. Tatsächlich zeigt er etwa einen halben Meter an. Nur wenige Zentimeter fehlen zum Allzeitniedrigstand, der wegen der lang anhaltenden Trockenheit erst in diesem Jahr aufgestellt wurde.

Damit herrscht genau das Phänomen, das die Wissenschaftler des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, kurz UFZ, genauer beleuchten wollen. Doch ein bisschen Wasser braucht ihr Schiff. Nach einigem Knirschen und Ruckeln ist die Albis wieder frei.

Das anhaltende Niedrigwasser sorgt dafür, dass sich in der Elbe deutlich mehr Algen bilden.

Als sie in Magdeburg ankommt, hat die Albis schon Einiges an Strecke zurückgelegt: Im sächsischen Schmilka, kurz hinter der tschechischen Grenze, ist sie am 29. August gestartet. Nach 22 weiteren Stationen, darunter Magdeburg, kam sie 580 Kilometer später am 8. September an ihrem Ziel an – dem schleswig-holsteinischen Geesthacht.

>> Lesen Sie auch: Kein Regen: Viele Flüsse in Sachsen führen weiter Niedrigwasser

Der Weg dazwischen war so etwas wie eine Verfolgungsjagd: „Wir haben ein Wasserpaket, das wir verfolgen“, erklärt Professor Markus Weitere. Er leitet die Forschungen zum Thema Gewässerökologie beim UFZ. Die Frage dabei: Wie verändert sich die Wasserqualität und was lässt sich darauf für künftige Niedrigwasser ableiten? Dafür ist die Verfolgung des Wasserpakets wichtig - das UFZ hat sie noch nie bei extremem Niedrigwasser gemacht.

Um der Antwort näher zu kommen, nehmen die Forscher Proben - auch in Magdeburg. Forscher Kamjunke lässt einen Metallstab zu Wasser, eine sogenannte Multiparametersonde. Sie erfasst Wassertemperatur (20,14 Grad Celsius), Sauerstoffsättigung (97 Prozent), pH-Wert, Wassertrübung und Chlorophyllgehalt. Danach schöpfen die Wissenschaftler noch Wasser in Bottiche. Es wird später in Laboren genauer untersucht. Eins fällt sofort auf: „Eindeutig leicht grünliche Färbung“, sagt Kamjunke.

Algenkonzentration so hoch wie nie

So hoch wie hier sei die Algenkonzentration noch an keinem Messpunkt vorher. Nachdem die Albis am Wochenende ihr Ziel in Geesthacht erreicht hat, kann Kamjunke sagen: Auch im weiteren Verlauf stieg die Algenkonzentration an. Bis Geesthacht verdreifachte sie sich. Weitere Antworten stehen noch aus: Die detaillierte Auswertung der genommenen Proben dauert noch Wochen und Monate, kündigt Kamjunke am Montag an.

Doch einiges wissen die Forscher schon über die Folgen des Niedrigwasser - auch, weil sie zusätzlich feste Messstationen installiert haben, die Veränderungen der Wasserqualität in Magdeburg und Wittenberge protokollieren. Der geringe Wasserstand führt zu mehr Sonneneinstrahlung und einer höheren Wassertemperatur, sagt Kamjunke. Algen wachsen so besser und es gibt mehr von ihnen.

Ist das ein Problem? Normalerweise seien viele Kieselalgen nicht erwünscht, sagt der Gewässerexperte beim Stopp in Magdeburg. „Aber sie sind auch nicht bedenklich.“ Kieselalgen seien nicht toxisch. „Tiere sind nicht gefährdet. Alle Werte sind in einem Bereich, in dem sich alle wohlfühlen dürften.

Mehr zum Thema

Wenn die Erde Durst hat: Folgen der weltweiten Dürrekrise

Niedrigwasser in Spree und Schwarzer Elster bleibt ein Problem

Niedrigwasser bremst Binnenschifffahrt auf der Elbe aus

Von RND/dpa

Die Woche hat in Sachsen ungemütlich begonnen. Doch die Metereologen sagen für die kommenden Tage Besserung voraus. Ist das der Altweibersommer?

10.09.2019

Im Prozess nach dem gewaltsamen Tod der Leipziger Studentin Sophia stehen am Dienstag im Bayreuther Landgericht die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf dem Programm.

10.09.2019

Sollen SUV-Fahrzeuge in Innenstädten verboten werden? Der tödliche Unfall eines Geländewagens in Berlin hat eine aufgeregte Debatte entfacht. Doch Sachsens Kommunen winken ab – dafür wächst die Empörung über die Deutsche Umwelthilfe.

10.09.2019