Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Franzose zieht mit Europas größter Sammlung von Spielschiffen nach Sachsen
Region Mitteldeutschland Franzose zieht mit Europas größter Sammlung von Spielschiffen nach Sachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:05 18.07.2019
Ella (8) und Joleen (4) aus Ehrenfriedersdorf begutachten die aus Holz gefertigten Spielschiffe im Depot im erzgebirgischen Gelenau. Quelle: Andreas Dunte
Gelenau

Es gibt Einmaster, Zweimaster, Drei- und sogar Viermaster. Boote mit Ruder und Paddeln. Manche nicht größer als eine Daumenkuppe, andere bis zu 1,70 Meter hoch. Von den Großen tragen einige so stolze Namen wie Santa Maria, Kormoran oder Vaterland. Gemeinsam ist ihnen: Es sind Spielschiffe, keine Modellboote. Allesamt schwimmfähig. Auf letzteres legt Claude Bernard besonderen Wert. Seine gesammelten Objekte – ob Segelschiffe mit detailgetreuer Takelage, kleine Kähne, Flachboote, Kutter oder Indianerboote – sie alle wurden nicht für die Vitrine sondern für Kinder zum Spielen gefertigt. Mit Einsatzgebiet Flussufer, Weiher hinterm Haus oder Badewanne.

Schiffe neben Teddys und Tretautos

„Vor allem Segelschiffe haben mich schon als Kind verzückt“, sagt der 63-Jährige. In Lothringen – fernab der Meeresküste – aufgewachsen, waren es erst die selbst geschnitzten Rindenboote, später dann einfache hölzerne Segelschiffe, die in ihm die Sehnsucht nach dem großen Wasser weckten. Dass der Franzose heute selbst gern segelt, verwundert nicht. Mehr noch frönt er aber seiner Leidenschaft für Spielschiffe, die er europaweit aufgestöbert hat – auf Dachböden, Flohmärkten, Auktionen. Einige Raritäten sind bis zu 1000 Euro teuer.

1500 Spielschiffe umfasst seine Sammlung bereits, die größte europaweit, wie er nicht ohne Stolz sagt. 150 erlesene Objekte stellt Bernard jetzt in einer Sonderschau im Depot Pohl-Ströher im erzgebirgischen Gelenau aus. Die ehemalige Strumpffabrik lockt Kinder sowie deren Väter und auch Mütter wegen der einzigartigen Dauersammlung historischer Kinderautos, Pyramiden, Puppen und Teddybären an. Auf zwei Etagen gibt es in der Sommerschau bis Ende August nun zudem Spielschiffe zu sehen, von den Machern um Depotleiter Michael Schuster auf blauen Stoffbahnen arrangiert, auf Sockeln und in Regale gestellt.

Zudem breiteten sie Sand aus, um das Spiel mit den hölzernen Schönheiten am Meer nachzuempfinden. „Passend zur Sonderschau stehen Käthe-Kruse-Puppen in Seemanns-Kleidung neben den Spielschiffen“, erklärt Depotmitarbeiter Mario Franke. Alle aus dem Nachlass der Namensgeberin des Depot, der im Vogtland aufgewachsene Erika Pohl-Ströher, einstige Miteigentümerin des Kosmetikkonzerns Wella und leidenschaftliche Sammlerin handgemachter Kunstwerke wie Puppenstuben, Bauernhöfe, Bergwerke, Nussknacker, Pyramiden, Engel und, und, und.

Das erste Spielschiff hat man bei Ausgrabungen in Mesopotamien gefunden, datiert wird es auf 4000 vor Christi, weiß Bernard über die Historie der Spielschiffe zu berichten. Den Pharaonen wurden kleine Boote mit Rudern, Paddeln und Segeln mit ins Grab gegeben. „In Deutschland produzierte man im Sonneberger Raum bereits im 18 Jahrhundert Spielschiffe. Diese konnten auf Rollen bewegt werden“, so Bernards kurzer Geschichtsexkurs. Später wurden aus den Spänen der Schachtelmacher in Thüringen, aber auch im Berchtesgadener Land, im Schwarzwald, im Erzgebirge oder Niederschlesien die ersten schwimmfähigen Spielzeuge gefertigt. In Frankreich waren es die Holzschuhmacher, die erste Holzschuhboote fertigten. Deutschland stellte weltweit die meisten Spielschiffe her, viele bestimmt für den Export nach England, Skandinavien, Kanada, Russland und in die USA.

Zahlreiche Hersteller in Thüringen

Die größten Firmen waren Emil Bayer und J.M. Schneider aus Mengersgereuth-Hämmern sowie die Firmen Greiner und OGAS aus Steinach. In beiden Thüringer Orten gab es 1920 bereits 19 auf Spielschiffe spezialisierte Firmen sowie hunderte direkt oder indirekt beteiligte Schnitzer und Zulieferer. Das Aus für viele private Produzenten kam mit der Zwangsverstaatlichung um das Jahr 1972 und dem Einzug industriell gefertigter Kunststoffboote. Heute gibt es laut Bernard noch zwei Firmen – eine in Bayern und eine in Steinach –, die wieder hölzerne Spielschiffe bauen.

Obwohl der Lothringer zusammen mit Karl Greiner ein dreisprachiges Buch über deutsche Spielschiffe mit vielen Fotos und Dokumentationen verfasst hat, ist die Historie aus seiner Sicht noch nicht hinreichend erforscht. Ein Zustand, den er mit anderen Mitstreitern im Verein Freunde der Spielschiffe nach und nach beheben will. Seine Frau, die der Unternehmensberater bei einem Seminar in Frankreich kennengelernt hat, teile seine Leidenschaft heute mit ihm, was nicht ganz so leicht war, wie er verrät. So ging er mit ihr in Paris in den Jardin du Luxembourg, wo Kinder und auch Erwachsene ihre Spielschiffe zu hunderten zu Wasser lassen. „Davon war sie fasziniert.“

Seiner Liebe folgend zog der Franzose 2002 nach Sachsen, wo es zwar ebenfalls wie in Lothringen kein Meer, dafür aber eine Reihe großer Seen gebe. In Mutzschen bei Grimma baut das Paar gemeinsam mit dem Verein und dank europäischer Förderung ein leerstehendes Kloster zum Museum um. Geht alles glatt, könnten die gesammelten Raritäten des Spielschiffe-Liebhabers dort ab 2020 zu sehen sein.

Die Sonderschau „Puppenwelt mit Tretauto, Dreirad und Spielschiff“ ist noch bis zum 31. August im Depot Pohl-Ströher in Gelenau zu sehen. Geöffnet: dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr.

Von Andreas Dunte

Nach dem ersten offiziellen Rennen elektrisch betriebener Motorräder haben Fans und Fahrer Kritik geäußert. Die Maschinen klingen anders und sind gefährlicher. Die Ladung über einen Dieselgenerator erinnert an Etikettenschwindel. Der ADAC möchte dennoch an der Moto-E-Klasse festhalten.

19.07.2019

Im Fall der auf der griechischen Ferieninsel getöteten Wissenschaftlerin Suzanne Eaton (†59) gehen die Ermittler von möglichen weiteren Übergriffen das hauptverdächtigen Kreters aus.

18.07.2019

Sachsen hat seinen insgesamt 140. Lotto-Millionär gefunden: Ein Spieler aus dem Landkreis Zwickau hat bei der Mittwochsziehung 2,4 Millionen Euro gewonnen.

18.07.2019