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Mitteldeutschland Für zehn Minuten: Fliegen wie ein Erzgebirgsadler
Region Mitteldeutschland Für zehn Minuten: Fliegen wie ein Erzgebirgsadler
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21:20 22.10.2018
Frei wie ein Erzgebirgsadler: Blick aus der Fly-Line am Fichtelberg auf Oberwiesenthal. LVZ-Reporter André Böhmer (kl. Foto) flog zur Eröffnung mit.
Frei wie ein Erzgebirgsadler: Blick aus der Fly-Line am Fichtelberg auf Oberwiesenthal. LVZ-Reporter André Böhmer (kl. Foto) flog zur Eröffnung mit. Quelle: Fotos: André Böhmer
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Oberwiesenthal

Die Begrüßung am Sessellift fällt an diesem Sonnabend besonders freundlich aus. Oberwiesenthal im Premierenfieber – die sächsische Wintersportmetropole eröffnet nach monatelanger Bauzeit – und leicht verzögert – die längste Fly-Line der Welt. Es ist der nächste Schritt für den Urlauberort. Ziel: Mehr Ganzjahrestourismus. Wobei der Normal-Urlauber mit dem Begriff „Fly-Line“ erstmal wenig anfangen kann. Die örtliche Liftgesellschaft liefert als Betreiber die schöne Erklärung vom Mix aus Zip-Line, Sommerrodelbahn und Achterbahn. Aha, das klingt zumindest etwas erhellend.

Die Fly-Line ist bis 120 Kilogramm ausgelegt

Aber am besten die neue Anlage, die von der Talstation aus betrachtet sich an einem großen Rohr bergauf Richtung Gipfel schlängelt, gleich selbst testen. Und das noch in der ersten Stunde. Einmal über den Fichtelberg fliegen, diese Hoffnung lockt schon viele an. Die einheimische Skisprung-Legende Jens Weißflog hat als Promi-Tester vorgelegt und war begeistert. Da kann ja nichts mehr schiefgehen, obwohl der Floh vom Fichtelberg von der Gewichtsklasse noch immer ein Leichtgewicht ist. Aber die Fly-Line ist bis 120 Kilogramm ausgelegt – das beruhigt.

18 Euro kostet der Spaß, inklusive Liftfahrt zum Gipfel, für Kinder 15 Euro. Oben angekommen st die Luft kühl, die Sicht gut und die Helfer sind bestens gelaunt. „Wir haben auch Westen mit Notausstieg“, sagt einer grinsend. Subtiler Erzgebirgshumor und freundliche Einstiegshilfe zugleich – denn auf jedem Fall muss die Flug-Weste eng sitzen. Mit der fühlt man sich wie in einem großen Luftschlitten und wird in der Seilrolle eingehangen. Mit Helm und doppelt gesichert. „Hände weg von den Karabinerhaken“ lautet dann der letzte freundliche Hinweis des Service-Mannes, bevor die Ampel grün zeigt. Jetzt geht’s also los – im eher gemächlichen Tempo (bis 12 km/h) sanft gleitend Richtung Tal.

Noch bis zum 31. Oktober geöffnet

Die erste Nervosität ist schnell vorbei, und schon kommt der große Staun-Effekt oder auf neudeutsch der Adrenalin-Kick. Die Aussicht über den Fichtelberg, das Gefühl wie ein Erzgebirgsadler über den Wiesen und zwischen den Bäumen zu schweben, macht das Atmen frei. Gut auch zu wissen, dass für diesen Freizeitspaß keine Fichte sterben musste. Im Wald im mittleren Teil der 1550 Meter langen Strecke sind die Sicherungen an den Bäumen festgezogen – dazwischen schlängelt sich das Edelstahl-Tragrohr als Führung für den Luftschlitten. Mit dem grandiosen Blick auf Oberwiesenthal geht der Spaß nach knapp zehn Minuten in der Talstation zu Ende. Fazit: Eine Attraktion mit Suchtpotenzial, die aber nur noch bis 31. Oktober geöffnet hat. Im Mai 2019 geht’s dann wieder los.

Von André Böhmer