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Mitteldeutschland GDL-Chef Weselsky hat für Bahnstreik kein Verständnis
Region Mitteldeutschland GDL-Chef Weselsky hat für Bahnstreik kein Verständnis
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15:34 10.12.2018
GDL-Chef Claus Weselsky
GDL-Chef Claus Weselsky Quelle: Foto: Monika Löffler
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Leipzig

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, kritisiert den Streik der Eisenbahnergewerkschaft EVG. Die Bahn leide derzeit unter Personalnot und Sparzwängen. Die Situation müsse man nicht noch verschärfen, sagte Weselsky im Interview mit der LVZ.

Guten Tag Herr Weselsky. Die Telefonverbindung ist nicht perfekt, sitzen Sie im Zug?

Das wäre schön. Nein, ich sitze im Auto. Ein Kollege war so freundlich, mich nach Eisenach mitzunehmen. Ich wollte mit dem Zug fahren, aber der fiel wegen des Streiks aus.

Sie hören sich überrascht an – der Streik war doch angekündigt?

Überrascht – das trifft es. Sicher, der Warnstreik war angekündigt und jeder konnte sich darauf einstellen. Also habe ich heute Morgen 6.30 Uhr auf meine DB-App im Handy geschaut, und da fuhren bis auf ein oder zwei Ausnahmen alle Fernzüge noch. Also habe ich mich entschieden, nach 9 Uhr mit dem Fernzug nach Eisenach zu fahren. 7 Uhr kam dann die Meldung, dass die DB den Fernverkehr bundesweit komplett einstellt. Das hat mich – wie andere Zugreisenden sicher auch – überrascht. Verstehen kann ich das nicht. Die DB verstärkt mit diesem Schritt die Auswirkungen des Warnstreiks der EVG. Richtig wäre es gewesen, wenn sie alles unternommen hätte, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Bei Streik gibt es immer Notfallpläne, und die werden dann gefahren. Davon bin ich fest ausgegangen, sonst hätte ich gleich die Fahrt nach Eisenach mit dem Auto geplant. Und vielen, die auf den Bahnhöfen bundesweit stundenlang gewartet haben, wäre das alles auch erspart geblieben.

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Werden Sie darüber mit den Vertretern der Deutschen Bahn in Eisenach sprechen?

Eher nicht. In Eisenach geht es um unsere Tarifverhandlungen, die befinden sich in der entscheidenden Phase. Wir sitzen so lange zusammen, bis ein Ergebnis steht. Eine Einigung bei Kurzpausen und Pausen im Zug sowie bei der Anwendung der verbesserten Ruhezeit- und Ruhetagsregelungen für das gesamte Zugpersonal haben wir schon erzielt. Allerdings liegt noch kein Angebot der Bahn zur Entgelterhöhung und Laufzeit vor. Ich bin aber verhalten optimistisch, dass uns der Arbeitgeber hier ein überzeugendes Angebot macht.

Sollte es nicht dazu kommen – wird die GDL dann auch zum Mittel des Streiks greifen?

Das Wort nehme ich derzeit nicht in den Mund. Es gibt dafür auch wenig Grund, denn wir können mit dem Verlauf der Verhandlungen bis hierhin nicht unzufrieden sein. Und sollte es wirklich alles anders kommen, wovon ich nicht ausgehe, dann werden wir sicher nicht vor Weihnachten Aktivitäten planen. Wir würden dann auf kommendes Jahr hin orientieren. Das sind wir den Kunden der Bahn schuldig.

Sehr rücksichtsvoll. Wollen Sie zeigen, dass die GDL – in den Vorjahren für ihre harte Linie nicht selten in der Kritik – auch anders kann, weniger auf Arbeitskampf ausgerichtet als die EVG derzeit?

Wissen Sie, die EVG will vielleicht auch mal zeigen, dass sie richtig streiken kann. Wir hingegen müssen uns nichts beweisen. Außerdem muss man sehen, in welchem Zustand sich der Bahn-Konzern aktuell befindet. Gerade eben erst wurde auf Winterfahrplan umgestellt. Das ist eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten. Außerdem leidet die DB unter den Sparzwängen der letzten Monate und Jahre. Züge fehlen und sie hat große Personalprobleme. All das führt ohnehin schon bei den Reisenden zu Enttäuschung und Empörung. In einer solche Phase zu streiken, halte ich für schwierig. Aber das hat nicht die GDL zu bewerten und schon gar nicht zu verantworten.

Interview: Andreas Dunte

Von Andreas Dunte