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Mitteldeutschland Mehrheit der Sachsen favorisiert CDU als Regierungspartei – aber mit wem koalieren?
Region Mitteldeutschland Mehrheit der Sachsen favorisiert CDU als Regierungspartei – aber mit wem koalieren?
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13:32 18.06.2019
Blick in den Sächsischen Landtag. Wer sitzt hier nach der Wahl am 1. September auf der Regierungsbank? Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Leipzig

Die in Sachsen regierende Große Koalition hat laut der neuen Umfrage der Leipziger Volkszeitung nicht nur ihre Mehrheit verloren – sondern fällt auch als potenzielles Bündnis nach der Landtagswahl am 1. September 2019 aus. Demnach wünscht sich nicht einmal jeder zwölfte Befragte eine Fortsetzung der Koalition von CDU und SPD. Das ist ein neuer Tiefstwert. Die Union kann aber – in welcher Konstellation auch immer – darauf hoffen, weitere fünf Jahre zu regieren: Insgesamt 55 Prozent der Befragten sehen sie noch als Teil einer künftigen Regierung. Den meisten Einzelzuspruch hat aber die rot-rot-grüne Variante mit 22 Prozent (März 2019: 17 Prozent). Allerdings ist die größte Gruppe noch unentschlossen (23 Prozent), welche Regierung sie favorisieren soll.

Meinungsforscher: CDU bei den meisten Befragten dabei

Für den politischen Stimmungstest wurden vom 29. Mai bis zum 4. Juni 2019 genau 703 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte aus ganz Sachsen befragt. Die Interviews erfolgten durch die Leipziger IM Field GmbH in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforscher Dr. Andreas Czaplicki, der die Studie leitete. „In den Koalitionsüberlegungen der meisten Befragten ist die CDU immer mit dabei. Sachsen wird wahrscheinlich nicht unregierbar, aber es macht die Koalitionsbildung nicht leichter, wenn es mehr Machtoptionen gibt“, erklärt Czaplicki.

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Grüne liegen bei CDU-Anhängern vorn

Vor allem die Wählerschaft der CDU ist uneins, welche Koalition das Beste wäre: Den größten Bonus haben inzwischen die Grünen – dabei ist es nahezu gleich, ob mit der SPD oder der FDP gemeinsame Sache gemacht werden soll. Dagegen setzt die Unionsanhängerschaft ein alleiniges Bündnis mit der SPD nur auf den dritten Platz.

Rot-Rot-Grün verliert in der Gunst von SPD-Sympathisanten

Bei der Umfrage zeigt sich auch, dass unter den SPD-Sympathisanten ein Bündnis mit der Linken und den Grünen an Reiz verliert: Lag Rot-Rot-Grün im März bei ihnen noch vorn, wird aktuell eine Fortsetzung der Großen Koalition oder das neue „Kenia“ mit CDU und Grünen favorisiert. Dagegen gibt es nun bei den Grünen-Wählern die Tendenz, es lieber mit Rot-Rot-Grün zu versuchen, als sich auf ein Bündnis mit CDU und SPD einzulassen – auch das ist eine Richtungsänderung. Bei den Linken ist der klare Favorit natürlich auch eine linke Allianz. Eindeutige Präferenzen gibt es nur bei der AfD-Anhängerschaft, die sich allein ein Bündnis mit der CDU vorstellen kann, was bei deren Wählern aber auf kein Interesse stößt.

Jüngere favorisieren Rot-Rot-Grün, Ältere noch unentschieden

Auffällig ist, dass sich insbesondere Ältere und Befragte mit niedrigeren Schulabschlüssen mit einer Entscheidung schwer tun – und im Zweifel keine Koalition favorisieren. Dagegen scheinen sich Akademiker bereits relativ einig: Sie wünschen sich ein Bündnis von Grünen, SPD und Linken (29 Prozent), während jede CDU-Koalition bei ihnen deutlich schlechter abschneidet. Jüngere (36 Prozent) und viele Frauen (24 Prozent) bevorzugen ebenfalls ein linkes Bündnis. Dagegen können sich überdurchschnittlich viele Männer mittleren Alters eine Beteiligung der AfD vorstellen, die auf der weiblichen Seite klar durchfällt.

Sonntagsfrage sieht CDU und AfD momentan gleichauf

In der LVZ-Sonntagsfrage hatten die CDU und die AfD jeweils 24 Prozent erreicht. Dahinter folgen die Linke (15) und die Grünen (14) sowie die SPD (8). Für die FDP (6 Prozent) und die Freien Wähler (4 Prozent) wird es knapp, um in den Landtag einziehen zu können. Aufgrund der Umfragewerte würde momentan nur ein CDU/AfD-Bündnis oder mindestens eine Dreier-Allianz unter Unionsführung möglich sein. „Zum einen werden der Wahlkampf und die Abstimmung so spannend wie noch nie. Zum anderen liegt die eigentliche Herkulesaufgabe nach dem Wahltag: Es könnte schwierig werden, ein langfristig tragfähiges Regierungsbündnis bilden“, erklärt der Parteienforscher Hendrik Träger von der Universität Leipzig.

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