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Mitteldeutschland DGB Sachsen: „Der Küchentisch ist kein dauerhafter Arbeitsplatz“
Region Mitteldeutschland

Homeoffice-Gesetz: DGB Sachsen fordert "Leitplanken"

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08:42 08.10.2020
Eine Frau arbeitet mit Hörschutz im Homeoffice. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Dresden

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen hat ein festes Regelwerk für Homeoffice eingefordert. DGB-Chef Markus Schlimbach sprach am Mittwoch von „Leitplanken“. Während der Corona- Pandemie sei Homeoffice vielfach genutzt worden, es habe sich in weiten Teilen auch bewährt, sagte Schlimbach der Deutschen Presse- Agentur in Dresden: „Aber es wurde auch deutlich, dass es Regeln für die Nutzung von Homeoffice geben muss.“

Ordentliche Arbeitsbedingungen gehören nach Ansicht von Schlimbach genauso dazu wie die Einhaltung von Arbeitszeiten und Zeiten der Nichterreichbarkeit: „Der Küchentisch ist kein dauerhafter Arbeitsplatz. Homeoffice kann die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit erleichtern. Dafür sind aber klare Abgrenzungen nötig, damit beides nicht verschwimmt“, erklärte der DGB-Chef.

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Umfrage: Homeoffice positiv für Vereinbaerung von Beruf und Familie

Schlimbach verwies auf eine Befragung der Hans-Böckler-Stiftung, wonach 77 Prozent der Nutzer von Homeoffice Familie und Beruf besser in Einklang bringen können. Nach einer aktuellen Befragung innerhalb der Sächsischen Staatsregierung hätten in Zeiten von Corona rund zwei Drittel der Beschäftigten diese Möglichkeit genutzt, 80 Prozent der Befragten wären damit zufrieden gewesen.

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„Für uns ist wichtig, dass klare Regeln im Betrieb gefunden werden. Deshalb braucht es ein Mitbestimmungsrecht von Betriebs- und Personalräten, damit Homeoffice sowohl den betrieblichen Erfordernissen als auch den persönlichen Bedürfnissen entspricht. Das sollte in jedem Fall im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens geregelt werden“, sagte Schlimbach. Zudem brauche es Regeln zur Erfassung der Arbeitszeit, zur Ausstattung des Arbeitsplatzes und zur freiwilligen Nutzung der Möglichkeit: „Es darf nicht sein, dass dadurch Arbeitsplätze in Büros wegrationalisiert werden.“

Nur 24 Tage im Jahr Homeoffice? „Kann nur das Mindestmaß sein“

Schlimbach begrüßte die Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), zeigte sich aber an einer Stelle enttäuscht - dass es nur 24 Tage im Jahr einen Anspruch auf Homeoffice geben soll: „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass deutlich mehr möglich wäre. Alle zwei Wochen einen Tag - das kann nur das Mindestmaß sein.“

Zugleich warnte Schlimbach vor übertriebenen Erwartungen: „Viele Berufe und Tätigkeiten sind nicht von zu Hause aus zu erledigen. Industriearbeiter, Pflegerinnen, Erzieherinnen, Gebäudereiniger und viele andere haben nichts vom Homeoffice.“ In Deutschland hätten 2018 fünf Prozent der Beschäftigten von zu Hause aus gearbeitet, beim „Europameister“ in dieser Sparte, den Niederlanden seien es 14 Prozent gewesen: „Da ist zwar Potenzial nach oben, aber das gilt längst nicht für alle Tätigkeiten.“

Von RND/dpa