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Mitteldeutschland Essen oder Erzgebirge? Aufregung um das Steigerlied
Region Mitteldeutschland Essen oder Erzgebirge? Aufregung um das Steigerlied
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16:48 10.12.2019
Chorsänger bei einem Auftritt. Das Steigerlied soll zum Kulturerbe werden. Quelle: Gerd Melzer/ SLV
Erzgebirge/Essen

Wirbel um das Steigerlied: Der Vorstoß der RAG-Stiftung (ehemals Ruhrkohle-AG) in Essen, die Bergarbeiter-Hymne auf die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands zu setzen, sorgt in Sachsen für Aufregung. Nicht etwa, weil die Bergleute hierzulande den Vorschlag prinzipiell ablehnen. Wohl aber, weil sie „die originale Textfassung gewahrt wissen“ möchten. Und die stamme nun mal nicht aus dem Ruhrpott – sondern aus dem Erzgebirge.

„Wir möchten auf den Ursprung und die Entwicklung des Liedes in Sachsen hinweisen“, schreibt etwa Heino Neuber, zweiter Vorsitzender des sächsischen Landesverbands der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine (SLV) in einer Antwort an die LVZ. So sollen einige Strophen bereits 1531 im Zwickauer Liederbuch „Bergreihen I“ veröffentlicht worden sein. Als eigenständiges Werk sei das Steigerlied dann 1705 im „Berg-Lieder-Büchlein“ in Freiberg abgedruckt worden.

Quellen weisen auf Erzgebirge als Ursprungsort hin

Heute wird das Steigerlied in nahezu allen aktiven und ehemaligen Bergbauregionen gesungen – im Ruhrpott ebenso wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo es als inoffizielle Landeshymne gilt. Fußballfans geben es gleichermaßen bei Spielen des FC Erzgebirge Aue, des FC Schalke 04 und Rot-Weiss-Essens zum besten. Über die ersten Zeilen herrscht dabei noch Einigkeit: „Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt...“.

In der zweiten und dritten Strophe unterscheiden sich einzelne Wörter, in der vierten Strophe wandelt sich die Zeile „Aus Felsgestein graben sie das Gold“ (Erzgebirge) zu „Der eine gräbt das Silber, der andere gräbt das Gold“ (Ruhrgebiet). Zudem ist die nordrhein-westfälische Version eine Strophe länger. „Es ist anzunehmen, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt hinzu gedichtet wurde“, heißt es in einer Erklärung der sächsischen Bergleute.

Unstimmigkeiten sollen nicht zu Streit werden

Im Ruhrgebiet kann man den Trubel nicht ganz nachvollziehen: So gehe es nicht darum, eine bestimmte Version als Kulturgut eintragen zu lassen – sondern das Steigerlied an sich in seinen verschiedenen Ausprägungen. Dem Antrag sei deshalb, bis auf die erste Strophe, die in nahezu allen Versionen gleich sei, auch kein Liedtext hinzugefügt worden, so Sabine Manz von der RAG: „Wir sollten uns jetzt aufs Daumendrücken für unser aller Steigerlied konzentrieren.“

Auch Ray Lätzsch, Vorsitzender des SLV, sieht in den Unstimmigkeiten keinen Grund für einen handfesten Streit. Im Gegenteil: „Wir unterstützen den Antrag natürlich und sind stolz darauf, wenn unser Bergarbeiterlied zum Kulturerbe wird“, so Lätzsch. Er plädiere trotzdem für die ursprüngliche Fassung aus dem Erzgebirge. Im besten Falle zeige die RAG ein Einsehen und man könne den Vorstoß gemeinschaftlich unterstützen. „Wir werden uns auch noch mal mit Essen in Verbindung setzen“, so Lätzsch. „Wie heißt es so schön: Singen verbindet.“

Von Hanna Gerwig

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