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Mitteldeutschland IG Metall fordert 35-Stunden-Woche für Ostdeutschland
Region Mitteldeutschland IG Metall fordert 35-Stunden-Woche für Ostdeutschland
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08:40 23.03.2019
Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, kämpft für die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die IG Metall macht bei der 35-Stunden-Woche erneut ernst. Nachdem die Gewerkschaft 2003 den Kampf um die Arbeitszeitverkürzung verloren hatte, hebt sie das Vorhaben jetzt erneut auf die Agenda.

„Wir feiern im Herbst 30 Jahre Mauerfall. Die Unterschiede in den Tarifverträgen versteht heute niemand mehr, schon gar nicht die junge Generation“, erklärt der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, im Gespräch. „Gerade von jungen Menschen bekommen wir massiv Druck, dass wir uns für die Angleichung der Arbeitszeiten einsetzen. Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit“, so Hofmann weiter.

Bereits im Gespräch

Mit den Arbeitgebern in Ostdeutschland sei man bereits im Gespräch, sagt Bernd Kruppa, Chef der IG Metall Leipzig. Zwar könnten die manteltariflichen Bestimmungen erst 2020 gekündigt werden, aber die Gewerkschaft strebt noch für dieses Jahr konkrete Vereinbarungen über die Umsetzung ihrer Forderungen an.

„Grundlage kann ein Modell von unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bandbreiten sein“, sagt Kruppa. Er spricht von differenzierten Lösungen und neuen betrieblichen Gestaltungsspielräumen. Hintergrund sei ein enormer Wertewandel in den Betrieben.

Mehr Zeit für Familie und Beruf statt mehr Geld

Aus Befragungen wisse man, dass die Beschäftigten mehr freie Zeit für Familie und Beruf, Pflege oder Qualifizierung statt mehr Geld wollten. Allein bei BMW und Porsche haben 4400 Mitarbeiter diesen Wunsch geäußert. Insbesondere bei Beschäftigtengruppen mit besonderen Belastungen wie Schichtarbeiter wachse der Druck auf ihre Interessenvertreter.

Neben dem Modell der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, sind auch ergänzende Tarifvereinbarungen bei Konzernbetrieben denkbar, erklärt der Leipziger Gewerkschafter. Soll heißen, dass man bei Porsche, BMW, Volkswagen sowie großen Zulieferern wie ZF Friedrichshafen oder Mahle vorangeht und hier als erstes die Angleichung der Arbeitszeiten durchsetzen will. Gleichzeitig strebe man Lösungen in der Fläche an.

Keine Einbusen bei Aufträgen

Die Sorge, dass den Autokonzernen im Osten durch diesen Schritt Aufträge wegbrechen, teilt IG-Metall-Boss Hofmann nicht. „Die Werke im Osten sind hochmodern und wettbewerbsfähig. Und das bleiben sie auch bei einer 35-Stunden-Woche.“ Die Arbeitsbelastung in den Ost-Fabriken sei so hoch wie im Westen. Deshalb müsse die Arbeitszeit reduziert werden.

2003 war die IG Metall mit ihrem Vorstoß, auch im Osten die 35-Stunden-Woche einzuführen, kläglich gescheitert. Die Arbeitgeber sprachen von einem wirtschaftspolitischen Selbstmord. Bei einer Gleichstellung Ost-West verliere Ostdeutschland wichtige Kostenvorteile, hieß es damals.

Auch jetzt liefen insbesondere die mächtigen Arbeitgeberverbände in Bayern und Baden-Württemberg bereits Sturm. „Sie meinen, sie haben im Osten viel investiert, das muss sich dann auch rechnen. Das Geld haben sie aber längst wieder reingewirtschaftet“, so Hofmann.

Keinen Grund gegen Angleichung

Es gebe keinen Grund, gegen die Angleichung zu sein. „Im Gegenteil: Wenn sich die Arbeitgeber – und gerade die im Westen – gegen die Angleichung von Ost und West stemmen, ist das nur Wasser auf die Mühlen von Populisten.“

Stark genug fühlt sich die Gewerkschaft, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Zahl der Mitglieder wachse stetig. „Im Vorjahr gab es“, sagt Hofmann, „bundesweit über 133 000 Neuaufnahmen – der beste Wert seit der Jahrtausendwende. Abzüglich der durch die Demografie bedingten Abgänge verzeichnen wir immerhin ein Plus von 8000 zusätzlichen Mitgliedern. Wir liegen damit bei bundesweit knapp 2,3 Millionen Mitgliedern – davon mehr als 240 000 in Ostdeutschland.“

Von Andreas Dunte

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