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Mitteldeutschland „Ich vermisse Wald, klare Luft und einen See“
Region Mitteldeutschland „Ich vermisse Wald, klare Luft und einen See“
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18:45 23.05.2018
Major Kieron Kleinert aus dem nordsächsischen Taucha nimmt an der Bundeswehr-Mission Minusma in Mali teil. Neben seiner Familie vermisst er am meisten das saftige Grün seiner Heimat – und deutsches Schwarzbrot. Quelle: Minusma
Gao/Leipzig

 Kieron Kleinert kommt viel herum. Der 41-Jährige aus dem nordsächsischen Taucha war als Bundeswehroffizier schon auf dem Balkan und im Kongo im Einsatz. Im Rahmen der Internationalen Minusma-Mission ist er derzeit im Camp Kastor in Mali stationiert und spricht über die dortige Friedensmission.

Seit wann sind Sie in Mali im Einsatz – und was ist dort Ihre Aufgabe?

Seit 4. April bin ich im Einsatz und werde voraussichtlich bis Anfang August in Mali bleiben. Als Presseoffizier im Feldlager Camp Castor in Gao berate ich die Soldaten des deutschen Einsatzkontingents im Umgang mit Medienvertretern, verfassse Berichte über unseren Einsatz und begleite in- und ausländische Journalisten hier vor Ort, unterstütze und berate sie.

Wie stark kommt es dabei (wie im Kongo) auch auf den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung an?

Im Rahmen meiner eigenen Berichterstattung für die Bundeswehr begleitete ich unter anderem Patrouillen zu Fuß oder mit Fahrzeugen und habe dadurch Gelegenheit, einen Eindruck von Land und Leuten zu erhalten.

Es handelt sich nach hiesiger Darstellung um den größten und gefährlichsten Auslandseinsatz der Bundeswehr – wie erleben Sie das vor Ort?

Vor allem nehmen wir hier die internationalen Medienmeldungen intensiver wahr. Dabei gibt es fast täglich Berichte über Anschläge oder Auseinandersetzungen. Meist kommt das zu Hause gar nicht in die Zeitungen. Die Bedrohung ist jedem hier bewusst und sorgt für eine gewisse Grundanspannung. Denn die Situation kann sich täglich ändern. Von der latenten Gefahr des Beschusses mit Raketen oder Granaten abgesehen, ist es im Raum Gao selbst relativ ruhig im Moment, dafür sorgen auch die regelmäßigen Patrouillen unserer Schutzkompanie.

Was war bislang die brenzligste Situation, die Sie in Mali erlebt haben?

Brenzlige Situationen habe ich bislang noch nicht erlebt. Die Menschen, die ich traf waren freundlich bis zurückhaltend, keineswegs jedoch feindselig.

In der Heimat gibt es viel Kritik an der Ausrüstung der Truppe. Wie sehen Sie das: Fühlen Sie und Ihre Kameraden sich ausreichend für solche Einsätze wie in Kongo und Mali gerüstet?

Im Kongo lief nicht alles reibungsfrei, gerade bei der Ausrüstung gab es das ein oder andere zu bemängeln. Jetzt im Malieinsatz bin ich wirklich begeistert, wie sich beispielsweise die persönliche Ausstattung in den letzten Jahren verbessert hat. Von an Wüstenbedingungen angepassten Uniformen über neue Kampfstiefel bis zur Schutzweste – das Gesamtkonzept ist durchdacht und praktisch. Manchmal ist der ein oder andere Gegenstand, Rucksäcke oder Nässeschutzjacken zum Beispiel, nicht rechtzeitig lieferbar. Auf jeden Fall kann ich mich auf meine Waffen und Ausrüstung voll verlassen. Im Vergleich zu meinem ersten Auslandseinsatz auf dem Balkan Mitte der 1990er Jahre haben wir einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Verbessern kann man sich zwar immer, wir befinden uns auf einem hohen Niveau.

Woran mangelt es vor Ort, was würden Sie sich wünschen?

Meine Familie, Freunde und Kameraden zu Hause fragen dasselbe. Ich muss ehrlich sagen, mir fällt da wenig ein. Dafür dass wir am Rande der Sahara eingesetzt sind, wird recht gut für uns gesorgt. Nach einigen Monaten vermissen viele dann heimisches Schwarzbrot, weil es hier nur Weißbrot gibt. Ich denke, das ist aber zu ertragen.

Die UN-Mission soll die Lage in Mali stabilisieren – ist das aus Ihrer Sicht zu schaffen?

Diese Frage kann ich nicht beantworten, dazu fehlt mir der Einblick. Wie wir von zahlreichen anderen Krisen- und Konfliktgebieten wissen, benötigt ein tragfähiger Friedensprozess stets viel Geduld und Engagement. In Monaten zu denken, wird hierbei wohl fehlschlagen.

Was vermissen Sie in Afrika am meisten?

Wald. Grün. Klare Luft und klare Bäche, einen See. Im Norden Malis ist alles rot-braun und gelblich. Wo ich auch hinsehe, kommt es mir vor, als ob ein Gelbfilter vor den Augen ist. Die drückende Hitze und Eintönigkeit der Landschaft ist anstrengend, wenngleich es durchaus Interessantes zu sehen gibt.

Was denn zum Beispiel..?

Vom weiten sieht alles gleich aus. Aus der Nähe sieht man aber teilweise skurrile Landschaftsformen wie der spontaneWechsel zwischen Sandwüste und Lavafelsen. Es gibt in Flussnähe sogar Baumgruppen, die wie kleine Birkenwäldchen wirken. Ein Stück weiter stehen dann dichte Palmen, bevor sich marsähnliche rötliche Sandwüste anschließt. Auch wenn mitten in der Einöde schrill bunt gekleidete Mädchen und Frauen auftauchen, wirkt das seltsam. Vieles ist ungewohnt und beinah märchenhaft – wenn es nicht weiterhin bewaffnete Auseinandersetzungen gäbe.

Wie oft kommen Sie heim zu Ihrer Frau und den zwei Kindern?

Während des regulären Viermonatseinsatzes ist kein Urlaub vorgesehen.

Wie halten Sie den Kontakt nach Hause?

Wir erhalten von der Bundeswehr die Möglichkeit, täglich drei Stunden WLAN-Zugang zu nutzen, können auch telefonieren. Das ist wirklich sehr hilfreich, so kann ich regelmäßig E-Mails schicken oder gelegentlich anrufen. Natürlich gibt es auch den klassischen Feldpostweg. Diese Möglichkeiten schätze ich wirklich sehr und freue mich über diese Entwicklung.

Und wenn Sie wieder in Deutschland sind – müssen Sie weite Wege in Ihre nordsächsische Heimat abspulen?

Ja, ich bin noch immer Wochenendpendler. Das ist bei Soldaten keine Seltenheit. Allerdings schrumpfen die Entfernungen. Waren es früher von Koblenz noch gut fünf Stunden, sind es derzeit noch drei Stunden Fahrt, ab Herbst wird es die Hälfte sein. Heimatnähe, also Arbeiten vor der Haustür, ist leider nicht in jedem Falle möglich. Wo möglich, wird aber Rücksicht genommen.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie aus den Weiten Afrikas heimkehren ins beschauliche Taucha?

Taucha ist meine Heimatstadt. Egal von wo ich zurückkomme, zu Hause ist es immer am schönsten. Insbesondere vor dem Erfahrungshintergrund meiner Auslandseinsätze auf dem Balkan, im Kongo oder in Afghanistan und jetzt Mali freue ich mich jedes Mal besonders, nach Hause zu kommen. Den Wert der Heimat schätze ich sehr hoch, weil ich mir durch die Einsätze bewusst bin, dass unser Wohlstand, unser doch sehr gutes Leben in Deutschland eben nicht selbstverständlich ist.

Von Winfried Mahr

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