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Mitteldeutschland In Halle wird jetzt vollelektronisch rangiert
Region Mitteldeutschland In Halle wird jetzt vollelektronisch rangiert
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20:05 29.06.2018
Der neue Güterbahnhof in Halle wurde am Freitag feierlich in Betrieb genommenen. Viereinhalb Jahre wurde an der Anlage gebaut. Quelle: Foto: dpa
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Halle

Aus drei mach eins: Mit der Eröffnung von Europas modernster Zugbildungsanlage in Halle endet die Ära des Güterumschlags auf Schienen in Leipzig-Engelsdorf und Dresden-Friedrichstadt. Beide Bahnhöfe gehen zum Fahrplanwechsel im Dezember vom Netz.

Letzteres war bei der großen Party am Freitag weniger als eine Randnotiz. Im Mittelpunkt stand die Würdigung der 180-Millionen-Euro-Investition in unmittelbarer Nähe des halleschen Hauptbahnhofs. „Eine neue Zeit beginnt“, so Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, etwas pathetisch zu den über 200 geladenen Gästen. Und dies nicht nur für die Saalestadt, sondern auch für die Eisenbahn und den Güterverkehr. Halle erhalte – 178 Jahre nach dem Eintreffen der ersten Dampflok – nicht nur einen Rangierbahnhof wie schon zu Reichsbahn-Zeiten im Jahr 1889, sondern die modernste Anlage Europas.

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In viereinhalb Jahren entstand auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs auf etwa 250 000 Quadratmetern ein Umschlagplatz, auf der mittels 36 Gleisen bis zu 2400 Wagen pro Tag vollelektronisch abgefertigt werden können. Pünktlich, wie mehrfach unterstrichen wurde. Auf dem Areal wurden allein 42 Kilometer neue Schienen verlegt. Betriebsbeginn soll bereits am Montag sein. Die Anlage wird künftig von 100 Mitarbeitern im Fünf-Schicht-Betrieb betreut. Nach Darstellung des Vorsitzenden von DB Cargo, Roland Bosch, dürften die Stahl- und Chemiebranche besonders profitieren. Bundesweit könnte sich Halle damit unter die Top-5 der größten Güterbahnhöfe einreihen. „Die neue Zugbildungsanlage wird mit dem Anschluss an das mitteldeutsche Chemiedreieck sowie für Stahl-Verkehre von und nach Tschechien eine wichtige Drehscheibe im europäischen Schienengüterverkehr“, so Bosch.

"Halle rückt in den Mittelpunkt Deutschlands"

„In der Saalestadt können künftig Güterzüge für den gesamten Bereich Südost – also maßgeblich die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – zusammengestellt werden“, kündigte Fricke an. Zudem werde die neue Anlage eine Schlüsselrolle für den Bahnverkehr Richtung Südosteuropa einnehmen.

In viereinhalb Jahren entstand auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs auf etwa 250 000 Quadratmetern ein Umschlagplatz, auf der mittels 36 Gleisen bis zu 2400 Wagen pro Tag vollelektronisch abgefertigt werden können.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Thomas Webel (CDU) sprach von „einer leistungsfähigen Drehscheibe, die weit über die Grenzen des Landes wirken“ werde. Der Umschlagplatz werde nicht umsonst an der neuen Seidenstraße liegen. „Züge werden von hier bis nach Asien rollen“, so Webel. Bernd Wiegand (parteilos), Oberbürgermeister der Saalestadt, applaudierte der Bahn für ihre Standortentscheidung. „Damit rückt Halle in den Mittelpunkt Deutschlands“, erklärte er.

Etwas weiter in die Zukunft blickte Gerhard Schulz, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. „Ziel ist es, bis 2030 die Anzahl der Bahnkunden zu verdoppeln“, erklärte er. Dafür solle unter anderem ein neues Planungs- und Beschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht werden. Schon jetzt würden 42 Prozent der Mittel aus dem Bundesverkehrswegeplan für die Schiene ausgegeben. Zudem kündigte er einen „Deutschland-Takt für den Personenverkehr“ sowie bis 2025 eine 70-prozentige Elektrifizierung aller Strecken an. Die neue Anlage in Halle mit ihrem Einzugsgebiet von der Börde bis zum Thüringer Wald und von der Lausitz bis nach Fulda sei in den Planungen der Bahn dabei ein wichtiger Baustein.

Anlagen in Leipzig und Dresden gehen vom Netz

Und was wird nun aus Leipzig-Engelsdorf und Dresden-Friedrichstadt? „Die Bildung von Güterzügen wird vollelektronisch in Halle konzentriert“, erklärte Mitteldeutschlands Bahn-Chef Fricke. Er bestätigte, dass die beiden Anlagen in Leipzig und Dresden zum Fahrplanwechsel im Dezember endgültig vom Netz gehen. Ein Grund, sich für einen gemeinsamen Standort zu entscheiden, sei unter anderem der Fakt, dass für den körperlich schweren und gefährlichen Beruf eines Rangierers auf einem Güterbahnhof wie Engelsdorf oder Friedrichstadt kaum noch Personal zu finden sei. „Die Zeit des Handbetriebs ist in Mitteldeutschland Geschichte“, so der Bahn-Mitarbeiter.

Konkrete Details über künftige Pläne für die Anlagen in Leipzig und Dresden habe laut Fricke die DB-Tochter Netz. „Ich weiß aber, dass es beispielsweise Nachmieter für Engelsdorf gibt“, so der Bahn-Mitarbeiter. In Friedrichstadt gebe es ein großes Bestreben des dortigen Güterverkehrszentrums, Teile der Bahnanlage zu übernehmen, um sich erweitern zu können. „Zudem gibt es ein nicht gerade kleines Interesse von Logistikfirmen, die von uns nicht mehr gebrauchte Gleise als Abstellmöglichkeit nutzen wollen“, so Fricke. Dazu sei das Trassenpreismanagement derzeit in Gesprächen.

Von Martin Pelzl