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Mitteldeutschland In Sachsen gibt es immer weniger Bäckereien und Fleischereien
Region Mitteldeutschland In Sachsen gibt es immer weniger Bäckereien und Fleischereien
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22:00 13.08.2018
Bäckermeister Roland Ermer in seiner Bäckerei in Bernsdorf (Kreis Bautzen) mit den Mitarbei- terinnen Hanna Hanke (l.) und Kathrin Röhl. Der Präsident des sächsischen Handswerkstages sieht, dass immer mehr Bäckereien mit der Konkurrenz zu kämpfen haben. Quelle: Andreas Dunte
Leipzig

Krise im Traditionshandwerk: Jeden Monat macht mindestens eine Bäckerei und eine Fleischerei in Sachsen dicht. Die Anzahl der Handwerksbetriebe ist in den letzten 20 Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen. „Eine traurige Entwicklung für zwei Handwerke mit langer Geschichte“, sagt der sächsische Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn. Der Grünen-Politiker hat die Zahlen bei der Bundesregierung erfragt.

Gab es vor 20 Jahren noch 1600 Bäckereien in Sachsen, waren es Ende 2017 noch 1035. Die Zahl der Fleischereien ging im selben Zeitraum von 1075 auf 669 zurück. „Dabei spielen die klein- und mittelständischen Lebensmittelbetriebe vor allem in den ländlichen Regionen eine große Rolle“, sagt Kühn. Sie seien nicht nur Arbeitgeber oder Abnehmer von landwirtschaftlichen Produkten aus der Region, sondern versorgten auch die Kunden wohnortnah mit regionalen Produkten.

„Das Handwerk verschwindet aus den Ortskernen, Arbeitsplätze fallen weg, die Entfernungen auf dem Land zum nächsten Lebensmittelladen werden noch größer, Menschen mit Kaufkraft ziehen weg.“ Diese Spirale nach unten müsse aufgehalten werden, so der Grünen-Politiker.

Mehr Brötchen im Supermarkt

Die wachsende Konkurrenz durch Backautomaten in Supermärkten und Discounter mache den Firmen zu schaffen, sagt Roland Ermer, Präsident des Sächsischen Handwerkstags und selbst Bäckermeister. Hinzu komme die wachsende Bürokratie. Betriebsinhaber müssten heute bis zu 40 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden, um den Anforderungen von Finanzamt, Arbeitsamt oder der Hygiene gerecht zu werden. Damit ermutige man niemanden, unternehmerisch tätig zu sein.

Auch wenn die Zahl der Bäckereien und Fleischereien rückläufig sei – generell habe das Handwerk in Sachsen weiterhin goldenen Boden, sagt Frank Vollgold von der Landesarbeitsagentur. Sachsen ist das Handwerkerland Nummer eins bundesweit. Das hat eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ergeben. Mit einem Anteil des Handwerks an der Gesamtbeschäftigung von 14,3 Prozent liegt Sachsen vor Sachsen-Anhalt (14,1 Prozent), Brandenburg (13,8 Prozent) und Niedersachsen (13,6 Prozent).

Über 250.000 Menschen arbeiten in sächsischen Handwerksunternehmen

„Nirgendwo in Deutschland nimmt das Handwerk einen so großen Anteil an der Gesamtbeschäftigung ein“, so das IAB. Zum Vergleich: Den geringsten Anteil hat das Handwerk in Bremen (7,1 Prozent). Dort arbeitet nur jeder 14. im Handwerk. In Sachsen ist es jeder Siebte. Von den 1,53 Millionen Beschäftigten im Jahr 2015 in Sachsen haben laut Handwerkszählung 218 280 Frauen und Männer in den 39 019 Handwerksunternehmen gearbeitet.

Allerdings wächst die Beschäftigung im Handwerk (seit 2009 um 4,9 Prozent) wesentlich geringer als die Gesamtbeschäftigung (plus 8,9 Prozent) im Freistaat. Und: Es sind nicht mehr Betriebe entstanden. Vielmehr sind bestehende Betriebe gewachsen, so Vollgold.

Kühn fordert Regionalsiegel

Grünen-Politiker Kühn fordert ein einheitliches Regionalsiegel, um die Vermarktung heimischer Produkte zu stärken. Zudem müssten Wettbewerbsnachteile der kleinen Betriebe im Vergleich zu industriellen Brotfabriken und Fleischerei-Großbetrieben beseitigt werden. Als Beispiel nennt er das Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Während zahlreiche Großbetriebe von der Umlage nach dem EEG befreit sind, zahlen die handwerklichen Betriebe diese Umlage. Damit müsse Schluss sein, so Kühn.

Von Andreas Dunte

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