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Mitteldeutschland Kapitän der sächsischen Seenotretter auf Malta freigesprochen
Region Mitteldeutschland Kapitän der sächsischen Seenotretter auf Malta freigesprochen
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14:13 07.01.2020
Claus-Peter Reisch nach seinem Freispruch auf Malta.
Claus-Peter Reisch nach seinem Freispruch auf Malta. Quelle: Mission Lifeline
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Valletta/Malta

Claus-Peter Reisch, Kapitän der sächsischen Seenotretter von „Mission Lifeline“, ist gestern auf der Insel Malta freigesprochen worden. Reisch war in einem vorangegangenen Urteil aufgefordert worden, 10 000 Euro Strafe zu bezahlen, weil er im Juni 2018 mit 234 Geretteten in den Hafen von Valletta eingefahren war, dabei aber nur unzureichende Dokumente vorgewiesen und das Schiff nicht ausreichend registriert habe. Der 58-Jährige ging in Berufung und erhielt nun Recht.

Für die Seenotretter kam dieser Freispruch überraschend. Im Vorfeld hatten sie noch eine erneute Verurteilung befürchtet und die juristischen Strukturen auf der Mittelmeer-Insel kritisiert. „Wir sind sehr erleichtert und froh. Wir wissen jetzt, dass wir alles richtig gemacht haben“, sagte Axel Steier, Gründer der Initiative nach der Urteilsverkündung. Die Gruppe erhalte das seit Monaten auf Malta festgesetzte Rettungsschiff „Lifeline“ nun ebenfalls zurück.

Initiative kauft Bundeswehr-Torpedoboot

Dass der frühere Fisch-Trawler allerdings noch einmal zur Seenotrettung ausläuft, gilt als unwahrscheinlich. „Wir werden es nicht mehr einsetzen können, da uns kein Staat unter annehmbaren Bedingungen eine Flagge zur Verfügung stellt“, so Steier weiter. Deshalb haben die sächsischen Seenotretter inzwischen ein neues Schiff gekauft, „welches im Frühjahr in den Einsatz gehen soll. Die ’Rise Above’ – ein ehemaliges Torpedofangboot der Bundeswehr – wird gerade in Norddeutschland umgebaut", so der Lifeline-Sprecher.

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Reisch hatte mit seinem Schiff im Juni 2018 insgesamt 234 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Wasser gerettet und wollte dann in Italien einlaufen, um die Geretteten in medizinische Versorgung zu übergeben. Der damalige italienische Innenminister Matteo Salvini verbot den Seenotrettern allerdings die Einfahrt in italienische Gewässer und behauptete, die libysche Küstenwache sei für die Rettung verantwortlich.

Auch die maltesischen Behörden untersagten der unter niederländischer Flagge fahrenden „Lifeline“ anfänglich die Einfahrt. Allerdings erlaubte der maltesische Staatspräsident letztlich doch, die Geretteten in Valetta zu versorgen – nachdem sich mehrere EU-Staaten bereit erklärt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen. Nach Ankunft in Valetta setzten die maltesischen Behörden das Rettungsschiff allerdings fest und leiteten ein Ermittlungsverfahren ein.

Einsätze im Mittelmeer seit 2016

Seit April 2016 plant der in Dresden beheimatete Verein „Mission Lifeline“ Rettungsmissionen für in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer. Mit Spendengeldern wurde ein früheres Fischereiforschungsschiff gekauft und umgebaut. Ab September 2017 war der Trawler unter dem Namen „Lifeline“ mit Kapitän Claus-Peter Reisch im Einsatz im Mittelmeer.

Mit Hilfe eines Spenders konnte im Mai 2018 ein zweites Schiff, das Sportboot „Eleonore“, ebenfalls im Auftrag von „Mission Lifeline“ in See stechen. Nach Festsetzung der „Lifeline“ auf Malta wurde die „Eleonore“ Anfang September 2018 nach einem Rettungseinsatz mit 100 Flüchtlingen an Bord im sizilianischen Hafen Pozzallo beschlagnahmt. Ein Entscheidung des Gerichts in diesem Fall steht noch aus.

Kapitän Claus-Peter Reisch und die Initiative „Mission Lifeline“ wurden in den vergangenen Monaten mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter im April 2019 mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.

Von Matthias Puppe