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Mitteldeutschland Stillstand im Kraftwerk Lippendorf macht Mibrag zu schaffen
Region Mitteldeutschland Stillstand im Kraftwerk Lippendorf macht Mibrag zu schaffen
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17:23 28.06.2019
Bei Volllast benötigt das Kraftwerk Lippendorf bis zu 34.000 Tonnen Braunkohle täglich. Derzeit ist nur ein Block in Betrieb. Quelle: Jens Paul Taubert
Neukieritzsch/Lippendorf

Die Abschaltung eines Blockes des Kraftwerks in Lippendorf hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Der Landtagsabgeordnete Gerd Lippold von den Grünen glaubt, dass damit „ein rasches Ende der Braunkohlenutzung im mitteldeutschen Revier seinen Anfang genommen hat“.

Dagegen geht die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag), die der Brennstofflieferant des Leag-Kraftwerkes in Lippendorf ist, nicht davon aus, dass die Abschaltung ein Dauerzustand ist. Mibrag-Sprecher Maik Simon gibt sich auf LVZ-Anfrage überzeugt: „Eine Wiederinbetriebnahme des Kraftwerksblocks der EnBW wird bei sich verändernden Strommarktbedingungen zeitnah erfolgen.“

Anlagen werden nur zur Hälfte ausgelastet

Simon räumt ein, dass die Situation dem Unternehmen zu schaffen macht. „Der aktuelle Stillstand des Kraftwerksblocks der EnBW im Kraftwerk Lippendorf stellt eine Herausforderung für Mibrag dar.“ Zahlen nennt der Sprecher nicht. Die dürften allerdings gewaltig sein. Auf den Internetseiten des Kraftwerksbetreibers Leag ist zu lesen, dass in Lippendorf bei Volllast täglich 34.000 Tonnen Kohle verstromt werden. Heißt im Umkehrschluss, dass das Werk im Moment bis zu 17.000 Tonnen täglich weniger abnimmt, dass Förder- und Transportanlagen nur zur Hälfte ausgelastet werden.

Multimedia-Reportage

So funktioniert das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig.

Die „kontinuierliche Versorgung des benachbarten Kraftwerksblockes“ sei weiter gewährleistet, versichert Simon. Die Beschäftigten würde diese Phase zum Abbau von Überstunden nutzen oder andere Tätigkeiten übernehmen. Auf eine kurzfristige Wiederinbetriebnahme könnte die Mibrag jederzeit reagieren, sagt Simon.

Das Kraftwerk Lippendorf läuft nur noch auf halber Kraft. Quelle: André Neumann

Der energie- und wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im sächsischen Landtag, Lippold, sieht dagegen die tschechische Gruppe EPH, Gesellschafter von Mibrag und Leag, vor einem „Balanceakt“, weil der verbliebene Block R, der der Leag gehört, „die gesamten Fixkosten des Tagebaus mit erwirtschaften“ müsse.

Grünen-Politiker: Keine 20 Jahre mehr Zeit für Braunkohle

„In der Energiewirtschaft entscheidet die Ökonomie, nicht das Politbüro!“, sagt Lippold in Richtung der sächsischen Regierung und mahnt indirekt größere Anstrengungen für die Reviere an. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) müsse wahrnehmen: „Wir haben keine 20 Jahre Zeit für den Strukturwandel in den Kohle-Regionen“. Zum Ausstieg aus der Kohle und zum Einstieg in die erneuerbaren Energien gebe es keine Alternative.

Landtagsabgeordneter Gerd Lippold Quelle: André Kempner

Seitens der Leag will man angesichts der Abschaltung von Block S nicht von Anzeichen für einen vorzeitigen Braunkohleausstieg sprechen. „Für unser Unternehmen kann ich das definitiv verneinen“, sagt Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Und auch EnBW habe seine Entscheidung mit wirtschaftlichen Erwägungen begründet. „Von klimapolitischen Gründen war nicht die Rede“, so Schirmer.

Tatsächlich bezeichnet EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth die aktuelle Situation als „ein Ergebnis der Marktmechanismen“, und spricht von einer „Momentaufnahme“. Zugleich weist er darauf hin, dass der Ausstieg aus der Braunkohle nach den Empfehlungen der Kohlekommission „als Ergebnis der Verhandlungen zwischen Bundesregierung und Betreibern“ gestaltet werden solle. In dem Zusammenhang würde auch das baden-württembergische Energieunternehmen für eine stärkere Steuerwirkung über den CO2-Preis plädieren.

Von André Neumann

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