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Mitteldeutschland Kretschmer soll zur Marke werden
Region Mitteldeutschland Kretschmer soll zur Marke werden
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21:00 17.01.2019
Ministerpräsident Michael Kretschmer (43, CDU) scheint mit seinen Gesprächsrunden omnipräsent – auch die neue Wahlkampagne wird ganz auf ihn zugeschnitten. Quelle: Foto: Jan Woitas/dpa
Dresden

Für die Sachsen-Union wird es bei der Landtagswahl am 1. September ums Ganze gehen – um die Frage, ob sie sich gegen die AfD als stärkste Partei im Freistaat behaupten kann. Für dieses Ziel setzt die CDU alles auf eine Karte, wie jetzt aus der Parteizentrale in Dresden verlautet: Ministerpräsident und Landesparteichef Michael Kretschmer soll zu einer eigenen Marke werden.

Dafür wird auf dem bevorstehenden Landesparteitag, der am Sonnabend über die Wahlliste entscheidet, das „Team Kretschmer“ initiiert. Der Wahlkampf soll nicht zu sehr auf die CDU, sondern auf Kretschmer zugeschnitten werden – noch nie zuvor hat jemand eine derart herausgehobene Rolle gespielt. Dabei soll das „Team Kretschmer“ auf möglichst breite Füße gestellt werden und im besten Fall eine „Bewegung für Sachsen“ erzeugen. So wirken beispielsweise die druckfrischen Shirts wie Merchandise-Artikel einer Rockband, auf den ersten Blick ist sogar der Parteischriftzug zu übersehen. „Michael Kretschmer hat sich in 13 Monaten als Ministerpräsident bei den Sachsen bereits großes Vertrauen und Zustimmung erworben. Als Spitzenkandidat wird er selbstverständlich im Mittelpunkt unserer Kampagne stehen“, erklärt CDU-Generalsekretär Alexander Dierks.

Die Anleihen liegen auf der Hand: Denn Bewegungen stehen hoch im Kurs. So hat der im Mai 2017 gewählte französische Präsident Emmanuel Macron mit „En Marche“ eine erfolgreiche Wahlschlacht geschlagen, auch wenn er gegenwärtig von den Gelbwesten Druck bekommt. Macron bezeichnete „En Marche“ bei der Gründung als eine „progressive soziale Bewegung“, um die seiner Ansicht nach „als steril empfundenen Spaltungen zwischen den Parteien“ zu überwinden. Dass neue Bewegungen die Politiklandschaft durcheinanderwirbeln können, zeigte sich aber nicht nur in Frankreich – und das auch quer durch das politische Spektrum. In Italien macht die Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo schon seit Jahren den traditionellen Parteien Konkurrenz und in Spanien veränderte das aus einer Protestbewegung hervorgegangene Linksbündnis Podemos das Parteienspektrum nachhaltig. In Österreich startete ÖVP-Chef Sebastian Kurz dank seiner „Liste Kurz“ mit einer Bewegung statt der klassischen Partei durch und wurde 2017 zum Bundeskanzler gewählt. Angesichts schlechter Imagewerte traditioneller Parteien sei der Paradigmenwechsel ein logischer Schritt, meinen Politikbeobachter.

In Deutschland hat diese neue Form bislang noch nicht entscheidend fruchten können. Als Beispiel lässt sich unter anderem „Aufstehen“ von Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht nennen. In Sachsen versucht Ex-AfD-Chefin Frauke Petry seit geraumer Zeit, mit ihrem Bürgerforum Blaue Wende einen ähnlichen Effekt wie Macron oder Kurz zu erzielen, allerdings noch mit eher mäßigem Erfolg. Und auch die Freien Wähler hoffen auf so etwas wie eine Bewegung.

Sachsens CDU-Generalsekretär Dierks zeigt sich dennoch optimistisch: „Viele Sachsen treten an uns mit dem Wunsch heran, Michael Kretschmer auf dem Weg zur Landtagswahl und darüber hinaus zu unterstützen, wollen aber nicht unbedingt Parteimitglied werden. Mit dem ‚Team Kretschmer‘ wollen wir ihnen dazu die Möglichkeit geben. Jeder, der dazu beitragen möchte, dass Michael Kretschmer seine erfolgreiche Arbeit für unsere Heimat Sachsen fortsetzen kann, kann im Team mitmachen.“ Es geht also um Identifikation, auch um den neuen Stil und die politischen Marken, die der Regierungschef in seiner bisherigen Amtszeit als Nachfolger von Stanislaw Tillich gesetzt hat.

Um die Bewegung auch über die sozialen Netzwerke in Gang zu bringen, überlässt die sächsische Union nichts dem Zufall: Mit dem PR-Strategen Philipp Maderthaner ist genau jener Mann verpflichtet worden, der Sebastian Kurz zum Kanzler gemacht hat. Philipp Maderthaner hat vor sieben Jahren das Campaigning Bureau gegründet, ein Technologie- und Kampagnenunternehmen mit Sitz in Wien und Berlin. 2013 hatte seine Firma eine Partnerschaft mit Barack Obamas Kampagnenagentur geschlossen, im vergangenen Jahr wurde Maderthaner zum österreichischen Unternehmer des Jahres gekürt.

Seine Kundschaft reicht von Coca Cola und Austrian Airlines über das Rote Kreuz, für das beispielsweise unter dem Titel „Wiener Blut“ eine Spendenaktion konzipiert wurde, bis zu niederösterreichischen Bauern. So wurde aus einer kleinen Gruppe von Landwirten eine Bewegung mit über 100 000 Menschen. Mit anderen Worten: Maderthaner weiß, wie Erfolg geht. Und der Social-Media-Experte weiß auch, wie sich eine Community organisieren lässt und wie sie lebendig werden kann. Ein ähnlicher Coup scheint der CDU mit der Verpflichtung von Werner Patzelt bereits gelungen: Der Dresdner Politikprofessor wird – trotz oder aufgrund seiner AfD-Erfahrungen – wesentlich am Wahlprogramm mitschreiben und dafür in ganz Sachsen sogenannte Ideenwerkstätten anbieten, zu denen nicht nur Parteimitglieder kommen sollen. Darin lässt sich die Union auch trotz der jüngsten Kritik nicht beirren, sondern sieht sich eher bestätigt.

Ob das Experiment gelingt, bleibt abzuwarten. Viel Zeit hat Kretschmer nicht: Die im Herbst stattfindende Landtagswahl wird zum Gradmesser werden.

Von Andreas Debski

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