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Mitteldeutschland Krostitzer Brauerei ehrt Hobbyhistoriker aus Mitteldeutschland
Region Mitteldeutschland Krostitzer Brauerei ehrt Hobbyhistoriker aus Mitteldeutschland
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00:19 23.12.2017
Haben beim  14. mitteldeutschen Historikerpreis triumphiert (v. l.): Enya Vogel, Jakob Eißner und Ingo Schulz. Letztgenannter präsentiert als Hauptpreisträger den Ur-Krostitzer-Jahresring mit dem Konterfei des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf.
Haben beim 14. mitteldeutschen Historikerpreis triumphiert (v. l.): Enya Vogel, Jakob Eißner und Ingo Schulz. Letztgenannter präsentiert als Hauptpreisträger den Ur-Krostitzer-Jahresring mit dem Konterfei des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf. Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

Geschichte von unten schreiben – das hat sich Ingo Schulz aus Magdeburg zum Ziel gesetzt. Zehn Jahre lang beschäftigte sich der 48-jährige Jurist intensiv mit dem bäuerlichen Leben in der Vormoderne, betrieb Forschungen am Beispiel der Familie Freytag, mit der er selbst verwandt ist. Herauskam ein 700-seitiger Wälzer, für den der Sachsen-Anhalter am Mittwoch beim 14. mitteldeutschen Historikerpreis „Ur-Krostitzer Jahresring“ in der Alten Nikolaischule in Leipzig den mit 1500 Euro dotierten Hauptpreis erhalten hat.

Sein Buch „Bauern in der Magdeburger Börde“ entspreche „höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen“ und sei ein „äußerst wichtiger Teil nicht nur regional- und familiengeschichtlicher Forschung, sondern auch für die Landesgeschichte von Sachsen-Anhalt“, hieß es unter anderem in der Begründung der Jury, die zum ersten Mal ohne ihren krankheitsbedingt fehlenden Vorsitzenden Manfred Straube anwesend war.

„Familiengeschichte wird oft in eine verstaubte Ecke gestellt“

Schon während seiner Schulzeit setzte sich Schulz mit Familienforschung auseinander. Eine Leidenschaft, die seitdem nicht mehr erlosch. „Familiengeschichte wird oft in eine verstaubte Ecke gestellt“, sagte der ambitionierte Freizeithistoriker, „obwohl das mehr ist, als reine Stammfolgen wiederzugeben.“ Vielmehr ließen sich gesamtgesellschaftliche Entwicklungen sehr gut anhand konkreter Familien nachzeichnen. Das Preisgeld wolle der gebürtige Braunschweiger nutzen, um seine Forschungen perspektivisch fortzusetzen. „Als nächstes wende ich mich dem Bürgertum zu, nachdem ich mich so lange mit den Bauern befasst habe.“

Ebenfalls in der klassizistischen Aula des ehemaligen Schulgebäudes ausgezeichnet wurde Jakob Eißner vom Grimmaer Gymnasium St. Augustin. Seine Projektarbeit zur Ausgestaltung des Lutherjahres 1983 in der Region Grimma würdigten die Juroren mit dem Sonderpreis zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ sowie weiteren 1500 Euro. Der 18-jährige Schüler saß einen Monat lang von früh bis spät an dem Werk, durchstöberte Akten, führte Zeitzeugengespräche. „Für diese Mühen Anerkennung zu bekommen, ist toll.“ Nächstes Jahr legt er sein Abitur ab, danach soll es zum Geschichts- und Germanistikstudium nach Leipzig gehen. Ein Vorhaben, für das er das Preisgeld nach eigener Aussage „sicherlich gut gebrauchen“ kann.

Gewinner aus Döbeln und dem Altenburger Land

Genau 70 Exemplare neu interpretierter Historie mit breitem Themenspektrum bewertete die vierköpfige Jury in diesem Jahr. Geehrt hat sie neun Einsendungen, darunter ein Werk von Stephan Conrad, Judith Sophie Schilling und Sophie Spitzner von der AG Geschichte des Vereins Treibhaus aus Döbeln sowie eine Arbeit von Dorit Bieber aus Löbichau (Kreis Altenburger Land). Über den Jugendsonderpreis freute sich die 17-jährige Schülerin Enya Vogel aus Döbeln. Sie hatte den Einfluss der Reformation auf ausgewählte Zisterzienserklöster untersucht. Die weiteren Gewinner kommen aus Gera, Jena, Zeitz und dem Landkreis Gotha.

Wolfgang Welter, Geschäftsführer der Krostitzer Brauerei, sagte: „Die Freizeithistoriker arbeiten meist unbeachtet von der Öffentlichkeit und ohne finanzielle Unterstützung akribisch die Geschichte Mitteldeutschlands auf.“ Ihnen eine würdige Bühne zu bieten und die verdiente Anerkennung zu verschaffen, sei das Anliegen des Wettstreits, den die Brauerei 2004 initiiert hatte. Beim Ur-Krostitzer Jahresring handelt es sich um die goldene Nachbildung des Rings, den Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594–1632) einst dem Krostitzer Braumeister als Dank für wohlschmeckendes Bier überlassen haben soll.

Von Matthias Klöppel