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Mitteldeutschland Gedämpfter Jubel bei den Grünen
Region Mitteldeutschland Gedämpfter Jubel bei den Grünen
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22:33 01.09.2019
Wolfram Günther und Katja Meier von Bündnis 90/Die Grünen verfolgen auf der Wahlparty die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen. Quelle: Martin Martin Schutt/dpa
Dresden

Die Stimmung zwischen Billardtischen, Zapfhähnen und urigem Freisitz war am Wahlabend der Grünen ausgelassen – siegessicher und optimistisch schaute man den ersten Hochrechnungen in der Groove Station in der Dresdner Neustadt entgegen. Spitzenkandidatin Katja Meier wurde beklatscht und bejubelt, ehe sie sich in einer Reihe mit Spitzenmann Wolfram Günther und der Fraktionsvorsitzenden Kathrin Göring-Eckardt, die zur Unterstützung gekommen war, vor den Bildschirmen positionierte.

Zweistelliges Ergebnis verfehlt

In den Reihen der Basis, wie auch beim Führungsduo, herrschte die feste Überzeugung, die zweistellige Prozentmarke zu knacken. Entsprechend gedämpft der Jubel, als die ersten Prognosen auf die Leinwand flimmerten. Nach aktuellen Hochrechnungen liegen die Grünen bei 8,6 Prozent – deutlich unter den selbst gesteckten Erwartungen. Dennoch bekräftigte Meier, dass ihre Partei in diesen Landtagswahlen ein historisches Ergebnis eingefahren habe. Immerhin mehr als drei Prozent Zuwachs gegenüber dem letzten Ergebnis der Landtagswahlen von 2014.

Damit ginge auch ein klarer Auftrag einher, schloss sie energisch mit an. „Was aber auch ganz klar ist“, so Meier, „es kann kein weiter so geben von CDU und SPD, und wir Grünen dann als Anhängsel, die ein bisschen Umweltpolitik machen. Es muss sich ganz klar etwas ändern.

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Mit vor Ort war am Wahlabend auch Anna Cavazzini, frischgebackene Europaabgeordnete der Grünen. Sie ist mit dem Ergebnis ihrer Partei zufrieden. „Jetzt kommt es darauf an, wie sich mögliche Partner schlagen“, sagt sie. Ihrer Ansicht nach werden Koalitionsgespräche mit der CDU zäh. „Wir unterscheiden uns vehement in wichtigen Themen wie Bildung oder Kohle.“ Gesprächsbereitschaft sei natürlich da und notwendig. „Denn wir wollen künftig mitgestalten.“

Partei der Städte

Torsten Schulze, Grünen-Stadtrat in Dresden, sieht das Abschneiden seiner Partei als Sieg unter Vorbehalt. „Wir sind immer noch eine Partei der Städte. Und die Landtagswahlen werden eben nicht in Leipzig, Dresden oder Chemnitz gewonnen.“ Dass so viele Leute tatsächlich den Schritt zur Wahlurne getan haben, das, so der Stadtrat, sei die eigentliche frohe Kunde. „Wir Grünen haben auf alle Fälle einen engagierten Wahlkampf geleistet und hatten Glück, dass wir große Unterstützung auf Bundesebene bekommen haben.“ Sein Wunsch für Sachsen wäre ein rot-rot-grünes Bündnis, „um nach 30 Jahren CDU endlich mal eine richtige Wende zu erzeugen.“ Dass das angesichts der Ergebnisse nicht realistisch ist, weiß er auch. „Es scheitert an der Schwäche der SPD“.

Lydia Engelmann, Grünen-Stadträtin in Freital, ist ähnlicher Meinung. Sie ist an diesem Abend vor allem gekommen, um der Direktkandidatin ihres Wahlkreises die Daumen zu drücken. Bei all dem Kopfschütteln über die Ergebnisse der AfD und das Stimmentief der SPD findet sie, dass die Grünen als Gewinner aus den Landtagswahlen hervorgehen. „Jetzt wird es Zeit für einen Umbruch.“ Genug hätten die schlechte Politik und der aufkeimende Rechtsextremismus in den letzten Jahren angerichtet. „Unser Land ist unattraktiv geworden. Das müssen wir ändern.“

Von Lisa Schliep

SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig hat sich trotz des schlechten Abschneidens seiner Partei bei der Landtagswahl kämpferisch gezeigt. Die gute Botschaft des Tages sei, dass es eine gute Regierung geben werde, sagte er mit Blick auf das Ergebnis der CDU. Als wahrscheinlichste Variante gelten Gespräche mit den Christdemokraten und den Grünen.

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