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Mitteldeutschland Wie ticken die Direktkandidaten aus Ihrem Wahlkreis?
Region Mitteldeutschland Wie ticken die Direktkandidaten aus Ihrem Wahlkreis?
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12:24 19.07.2019
Die Online-Plattform abgeordnetenwatch.de bietet ein Frageportal, um die über 400 Direktkandidierenden in Sachsen auf Herz und Nieren zu testen. Quelle: Abgeordnetenwatch
Dresden

Wer zur Landtagswahl in Sachsen am 1. September sein Votum abgeben möchte, aber noch gar nicht so recht weiß, wen er wählen soll - für den gibt es eine Orientierungshilfe. Die Dialogplattform abgeordnetenwatch.de bietet ein Frageportal, um die über 400 Direktkandidierenden in den 60 sächsischen Wahlkreisen auf Herz und Nieren zu testen.

Die Postleitzahl reicht schon

Wer will, kann den einzelnen Bewerbern direkt Fragen stellen. Geben Sie dafür einfach Ihre Postleitzahl ein und Sie kommen sofort zu den Direktkandidaten in Ihrem Wahlkreis

Das Projekt sitzt eigentlich in Hamburg, bietet aber für Bundestags-, Europa- und Landtagswahlen in allen Bundesländern entsprechende Angebote. „Im Schnitt werden etwa 80 Prozent aller Anfragen auch beantwortet“, erklärt Sprecherin Léa Briand. „Ziel ist, dass es mehr Dialog zwischen Politikern und Wählern gibt und damit auch mehr Demokratie.“

„Wir geben jedem der über 400 Kandidierenden ein Profil auf unserer Seite“, erklärt Christina Lüdtke, Leiterin Wahlen und Parlamente bei Abgeordnetenwatch. Mithilfe des Online-Tools könne man sich auch anschauen, wer im eigenen Wahlkreis antritt. Hat man die Politiker gefunden, erhält man sofort Basisinformationen und kann lesen, was andere gefragt und welche Antworten sie bekommen haben. Umgekehrt können die Kandidierenden ihre Auffassungen und Ziele vor einem öffentlichen Podium verbreiten.

Lüdtke hebt hervor, dass es nach 2009 und 2014 nun bereits das dritte Mal sei, dass abgeordnetenwatch.de die Landtagswahlen in Sachsen begleite. „Dieses Mal wird es besonders spannend“, glaubt sie unter Hinweis auf die aktuellen Umfragezahlen.

Nur Privates ist verpönt

Die Fragen dürfen sowohl landespolitische Inhalte als auch kommunale Probleme um die Ecke betreffen. Maximal eine Nachfrage ist möglich. Lediglich Privates wird nicht beantwortet. Auch Informationen über Wahlprogramme der Parteien und das Wahlrecht sind vorhanden. Gefragt werden kann bis zum 31. August, 18 Uhr.

Alle Beiträge werden zunächst von Abgeordnetenwatch gegengelesen. Denn Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass man mit vollem Namen eine wirkliche Frage stellt und nicht nur Kommentare ablässt. Auch sexistische oder rassistische Beiträge sind verpönt. Gerade beleidigende Äußerungen allerdings hätten in den vergangenen Jahren stark zugenommen, registriert Lüdtke. Der Ton sei rauer geworden, die Zahl der Leute, die sich im Ton vergriffen, höher. „Was wir uns aber wünschen, ist ein Dialog auf Augenhöhe.“

Kandidatencheck folgt 

Ab Anfang August soll eine weitere Funktion freigeschaltet werden - der Kandidatencheck. Dort werden sich die Politiker zu 18 sachsenrelevanten Problemen positionieren. Beispielsweise, ob ihnen in der Lausitz die Arbeitsplätze oder der Umweltschutz wichtiger sind oder ob sie für eine Landarztquote stimmen würden.

Der Sächsische Landtag ergänzt dieses Online-Angebot noch mit einer eigenen Internetseite www.sachsenwahl.de, wo die wichtigsten Basisinformationen zum anstehenden Votum und zum Wahlsystem aufgeführt sind. Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler verweist darauf, dass diese Seite zu strengster Neutralität verpflichtet sei. „Wir wollen aber motivieren, dass man sich wirklich informiert.“ Er spricht von „einer Art Symbiose“ mit abgeordnetenwatch.de. Auch die Landeszentrale für politische Bildung wird mit ihrem Wahl-O-Mat bei der Qual der anstehenden Wahl helfen.

Hohe Wahlbeteiligung erwartet

Um die Wahlbeteiligung sei ihm nicht bange, sagt Rößler. Er habe bei der Europawahl in seinem Wahlkreis zum ersten Mal seit 1990 erlebt, dass Menschen in einer Schlange bis zu 30 Minuten angestanden hätten. Auch die Verantwortlichen von abgeordnetenwatch.de rechnen im Vergleich zu 2009 (wo es etwa 300 waren) mit einer deutlichen Steigerung der Anfragen.

Was Politikern droht, die keine Lust haben mitzumachen, durften bereits die Bundestagsabgeordneten erfahren. Das Portal veröffentlichte zeitgleich ein Ranking. Und während sich Frank Heinrich (CDU, 13 Anfragen), Stephan Kühn (Grüne, 12 Anfragen), Daniela Kolbe (SPD, 10 Anfragen), Caren Lay (Linke, 7 Anfragen) oder auch Frank-Müller Rosentritt (FDP, 7 Anfragen) über die Note 1 freuen konnten, weil sie alle Fragen beantworteten, reichte es beispielsweise für Thomas de Maiziére (CDU, 30 Anfragen) nur zu einer 6, weil er gar nicht reagierte.

Abgeordnetenwatch wurde 2004 von zwei Studenten gegründet, mit dem Ziel einen Direktkontakt zwischen Bürgerinnen und Bürgern auf der einen Seite und den Kandidierenden auf der anderen herzustellen. Mittlerweile hat das Portal zwei Geschäftsführer, 15 Angestellte und 20 freie Mitarbeiter. Es finanziert sich über Spenden und darf keine Gewinne machen. Fallen doch welche an, so müssen Sie gespendet werden.

Von Roland Herold

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