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Mitteldeutschland Lehrermangel: Sachsen wirbt in Bayern um abgelehnte Interessenten
Region Mitteldeutschland Lehrermangel: Sachsen wirbt in Bayern um abgelehnte Interessenten
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06:50 19.06.2017
Hochgestellte Stühle in einer Schulklasse
Der Lehrermangel ist in Sachsen noch immer ein großes Problem. Jetzt sollen abgelehnte Bewerber aus Bayern in den Freistaat gelockt werden. (Symbolbild) Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ab dem kommenden Schuljahr sollen verstärkt Lehrer aus Bayern in Sachsen unterrichten. Darauf haben sich jetzt die beiden Freistaaten geeinigt. „Dort abgelehnte Interessenten dürfen in bayerischen Lehrer-Seminaren von uns angeworben werden. Deshalb wird es in den nächsten Wochen eine große Werbeaktion geben“, sagte Sachsens Kultusministerium Brunhild Kurth (CDU) der Leipziger Volkszeitung. Sie hoffe, dass „sich möglichst viele bayerische Absolventen für uns interessieren. Je mehr, desto besser“.

Hintergrund ist der Lehrermangel: Noch nie zuvor gab es in Sachsen größere Probleme, Stellen zu besetzen. Zwei Monate vor dem neuen Schuljahr sind erst 865 von 1400 Stellen vergeben. Dabei stammten nur 1062 der 2869 Bewerbungen von ausgebildeten Lehrern. Die Mehrheit der Interessenten wollte als Seiteneinsteiger unterrichten. Es werde „schwerer als in all den Jahren zuvor“, für jede Klasse einen Lehrer zu finden, erklärte die Ministerin.

Sachsen-Zulage für Bayern

Lehrer sollen nun aus Bayern mit einer Sachsen-Zulage angelockt werden: 595 Euro brutto gibt es extra zum Gehalt. „Dennoch wird es einen Unterschied beim Netto im Vergleich zu Bayern geben“, wo Lehrer verbeamtet werden, weiß Kurth. Der Aufschlag sei kein reiner Sachsen-Bonus, stellte die Ministerin klar: „Mit dem Maßnahmenpaket vom Oktober 2016 sind zwei Erfahrungsstufen zusätzlich möglich, wenn Lehrer sich entschließen, in eine bestimmte Schulart und eine bestimmte Region zu gehen.“ Bislang würden in Sachsen schon 270 dieser „Gewinnungszulagen“ gezahlt – Tendenz steigend.

Doch nicht nur in Bayern wird es eine groß angelegte Werbekampagne geben. Auch im heimischen Freistaat will das Kultusministerium stärker in die Offensive gehen und künftig Bachelor-Absolventen als Lehrer verpflichten. Damit wird die bisherige Zugangsvoraussetzung – ein Hochschulstudium – aufgeweicht. Es ist avisiert, zum neuen Schuljahr bis zu 60 dieser Absolventen von Fachhochschulen zu anzuwerben. Darauf haben sich das Kultusministerium und der Lehrer-Hauptpersonalrat, der den Kurth-Vorschlag zunächst abgelehnt hatte, jetzt in einem Einigungsverfahren verständigt.

Nach einer dreimonatigen pädagogischen Fortbildung dürfen Seiteneinsteiger im allgemeinen unterrichten. Aktuell stehen laut Kultusministerium aber noch nicht genügend Plätze für die Fortbildungen zur Verfügung.

Andreas Debski