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Mitteldeutschland Leipziger Uni-Studie: Die Hälfte aller Geflüchteten ist psychisch belastet
Region Mitteldeutschland Leipziger Uni-Studie: Die Hälfte aller Geflüchteten ist psychisch belastet
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21:14 17.09.2019
Eine Mitarbeiterin eines Psychosozialen Zentrums für Migranten in Niedersachsen hält ein Papierschiff in den Händen, das ein aus Afghanistan geflohener Klient während einer Therapiestunde gefaltet hatte. Quelle: dpa
Leipzig

Geflüchtete leiden häufiger an psychischen Erkrankungen als die Durchschnittsbevölkerung in Deutschland. Wie eine Studie der Universität Leipzig aber jetzt ergeben hat, ist sogar jeder zweite Asylsuchende psychisch belastet. „Flucht vor Krieg und Gewalt hinterlassen zumeist tiefe Spuren“, sagt die Leiterin der Studie Prof. Dr. Heide Glaesmer. „Die von uns Befragten leiden entweder an einer posttraumatischen Belastungsstörung oder sie berichten von psychosomatischen Symptomen wie Herzrasen und Angstzuständen. Viele Betroffene weisen außerdem Symptome einer Depression auf und leiden unter mehr als einer psychischen Störung.“

569 Geflüchtete aus mehr als 30 Ländern befragt

Für die Studie haben die Wissenschaftler der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie zwischen Mai 2017 und Juni 2018 Asylsuchende in einer Leipziger Erstaufnahmeeinrichtung befragt. „Insgesamt nahmen 569 erwachsene Geflüchtete aus über 30 verschiedenen Ländern teil“, sagt die Professorin. Etwa die Hälfte wurde innerhalb der ersten Woche nach der Ankunft befragt.

Viele sind allein geflüchtet, getrennt von der Familie

Rund 68,5 Millionen Menschen waren 2017 laut dem UNHCR-Bericht weltweit auf der Flucht – 970 400 fanden den Weg nach Deutschland. Die größte Gruppe der von den Leipziger Wissenschaftlern befragten Asylsuchenden kam aus Kamerun, gefolgt von Flüchtlingen aus Syrien und Venezuela. Viele seien vor Krieg, politischer Verfolgung oder Zwangsrekrutierung geflohen. 40 Prozent der Befragten waren allein auf der Flucht, getrennt von ihren Familien und Angehörigen.

Vergewaltigungen werden als Foltermethode eingesetzt

In ihren Herkunftsländern oder auf ihrem Weg nach Deutschland haben sie zum Teil Schreckliches erlebt, so Co-Studienautor Dr. Yuriy Nesterko. Rund 30 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer seien Opfer erfolgter oder versuchter Vergewaltigung geworden. Insbesondere bei Männern werde Vergewaltigung auch als Foltermethode eingesetzt, erklärt der Wissenschaftler.

Wissenschaftler plädieren für professionelle Hilfe

Die Studienergebnisse wiesen auf die Dringlichkeit einer professionellen Behandlung der Betroffenen hin. Unterbleibe das, würde das die Integration gefährden. Durch die traumatischen Erfahrungen und die psychischen Störungen sei die Leistungsfähigkeit der Betroffenen oft in wichtigen Lebensbereichen eingeschränkt. Das Risiko für die Entwicklung weiterer psychischer Erkrankungen beziehungsweise deren Chronifizierung steige stark an. Psychisch belastete Geflüchtete hätten ungleich größere Schwierigkeiten beim Erlernen von Sprache, der Erziehung ihrer Kinder oder der Aufnahme einer Beschäftigung.

Forscher sehen die Gefahr einer Verschlechterung

Die Wissenschaftler stufen die Gefahr einer stetigen Verschlechterung der psychischen Gesundheit als sehr hoch ein. Nötig seien Hilfsangebote, angefangen von psychosozialen Entlastungs- und Beratungsangeboten vor Ort, Behandlungen in Selbsthilfegruppen bis hin zur mehrjährigen ärztlichen und psychotherapeutischen Betreuung. Dies, so die Leipziger Wissenschaftler, setze Investitionen in ärztliches Personal und Dolmetscher voraus. Sie warnen davor, das Problem zu ignorieren. Dies würde die Gesellschaft ungleich teurer kommen als eine zeitnahe und bedarfsorientierte psychotherapeutische Versorgung.

Von Andreas Dunte

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