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Mitteldeutschland IS-Anhängerin aus Sachsen-Anhalt ist wieder in Deutschland – Festnahme in Frankfurt
Region Mitteldeutschland

Leonora M.: IS-Anhängerin aus Sachsen-Anhalt ist wieder in Deutschland

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15:00 20.12.2020
Leonora M. lebte zweitweise im umkämpften Al-Rakka.
Leonora M. lebte zweitweise im umkämpften Al-Rakka. Quelle: dpa
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Karlsruhe

Eine sogenannte IS-Rückkehrerin aus Syrien ist am Sonnabend bei ihrer Ankunft am Flughafen Frankfurt/Main wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Der Generalbundesanwalt (GBA) wirft der jungen Deutschen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland sowie Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor, wie die Behörde am Sonntag mitteilte. Im März 2015 soll die damals 15-jährige Leonora M. aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt nach Syrien gereist sein, sich dort dem IS angeschlossen und einen Angehörigen des Geheimdienstes der Terrormiliz geheiratet haben. Sie sei seine Drittfrau gewesen. Bei ihm soll es sich um einen Mann aus Zeitz handeln. In Leipzig soll er die Al-Rahman-Moschee in Roscherstraße besucht haben.

Frau als Sklavin gehalten

Gemeinsam mit ihrem Mann soll sie zeitweise eine jesidische Frau als Sklavin gehalten und diese weiterverkauft haben. Leonora M. selbst habe in einem Krankenhaus des IS gearbeitet und dort neben 50 US-Dollar im Monat auch eine halbautomatische Selbstladepistole der Marke Glock, so die GBA.

Flucht aus Nordsyrien

Zusammen mit ihrem Ehemann und den zwei gemeinsamen Kindern flüchtete sie den Angaben zufolge im Sommer 2017 wegen der dort anhaltenden Kämpfe aus der nordsyrischen Stadt Al-Rakka. Nach weiteren Umzügen sei sie schließlich Anfang Januar 2019 zusammen mit den Kindern in einem Flüchtlingslager aufgenommen worden, in dem sie bis zu ihrer Ausreise gelebt habe. Leonora M. gab später in Interviews an, vom IS getäuscht worden zu sein. Bei ihrem Beitritt habe es sich um eine Kurzschlussreaktion gehandelt.

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Sie sollte noch am Sonntag einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Der gegen sie verhängte Haftbefehl stammt den Angaben zufolge aus dem Mai dieses Jahres.

Leonora M. aus Sangerhausen

Die Frau wurde laut Mitteilung am Flughafen von Beamten des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt festgenommen. Die Tatvorwürfe lauten: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Bundesaußenminister Maas ist erleichtert

Bundesaußenminister Heiko Maas reagierte erleichtert über die Rückkehr der Frauen. „Es handelt sich dabei um humanitäre Fälle, vor allem um Waisen und Kinder mit Erkrankungen – Fälle, in denen die Ausreise besonders dringend erforderlich war. Diese frohe Nachricht kurz vor Weihnachten stimmt zuversichtlich, dass wir auch in weiteren Fällen eine Rückkehr ermöglichen können. Dafür werden wir uns in den kommenden Wochen und Monaten einsetzen“, so der SPD-Politiker.

Zur Wahrheit gehöre jedoch auch: die Rückholaktion sei ein Kraftakt gewesen, dem Monate intensiver Vorbereitungen und Abstimmungen vorausgegangen seien. Die ohnehin schwierige Lage in Nordostsyrien sei durch die Kampfhandlungen des vergangenen Winters und die Corona-Pandemie in diesem Jahr noch prekärer geworden, viele der Ansprechpartner vor Ort hätten derzeit auch sonst genug Probleme.

Von mro/mpu