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Mitteldeutschland Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch setzt auf eine Kultur-Öffnung im Januar
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Lockdown: Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch setzt auf eine Kultur-Öffnung im Januar

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18:01 02.01.2022
Protest vor der Semperoper in Dresden: Banner einer gemeinsamen Demonstration von Künstlern, Veranstaltern und Unternehmen der Veranstaltungsbranche im Juni 2020.
Protest vor der Semperoper in Dresden: Banner einer gemeinsamen Demonstration von Künstlern, Veranstaltern und Unternehmen der Veranstaltungsbranche im Juni 2020. Quelle: Robert Michael/dpa
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Dresden/Leipzig/Chemnitz

Die zehn Vermeers in der Dresdner Gemäldegalerie sind verwaist, die Installation des Leipziger Künstlers Stefan Vogel in den Kunstsammlungen Chemnitz unsichtbar und in Bautzen spielen sie vor leeren Reihen. Seit Wochen sind Theater, Museen und Konzertsäle in Sachsen wieder geschlossen.

Verschiebungen und Absagen zermürbten Mitarbeiter wie Besucher, sagt die Vorsitzende des Sächsischen Museumsbundes, Sabine Wolfram. Die Auswirkungen des Lockdowns seien ohne finanzielle Kompensationen nicht zu stemmen. Die vielfach entwickelten digitalen Formate könnten nur Ergänzung sein – auch für die Bühnen.

Für viele geht es um alles, sagt Barbara Klepsch

„Es ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine enorme psychische Belastung“, sagt Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), deren Agieren in der Pandemie auch für Kritik sorgt. Für viele freie Künstler spitze sich die existenzielle Bedrohung noch mehr zu. „Wie die Unternehmen dürfen wir auch sie nicht aus den Augen verlieren, für sie geht es auch um alles.“ Klepsch hat im Kabinett vergebens dafür gekämpft, dass Kultureinrichtungen diesmal soweit wie möglich und zumindest mit 2G oder 2G+ offen bleiben können, „weil ich auch weiß, dass es sichere Orte sind“ und es umfangreiche Hygienekonzepte gebe.

Mit finanzieller Hilfe von Bund und Land sowie „viel eigenem Engagement und Reserven“ hätten viele Einrichtungen bisher überlebt, sagt die Ministerin. Nun schwinde die Hoffnung und „Resignation macht sich breit“. Es brauche unbedingt eine Perspektive für die Zeit nach der Krise, sagt Klepsch, und setzt zudem „ganz klar“ auf eine Wiederöffnung im Januar.

Leipziger Bildermuseum vom Lockdown kalt erwischt

Der Museumsbund berichtet von teils gewaltigen Einbußen 2021 und schätzt den Rückgang der Besuchszahlen auf etwa 50 bis 70 Prozent, was auch nicht aufgefangen werden konnte. Strenge Hygienekonzepte hielten Publikum generell ab, sagt Wolfram. „Die Museen sind nachweislich sichere Orte“, mit Kontrolle der 2G-Regelung plus Maskenpflicht und Kontaktverfolgung. Umso unverständlicher sei, dass sie nicht geöffnet bleiben, Handel und Gastronomie bei 2G und selbstverantwortlicher Kontrolle aber schon.

Das Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) hatte 2021 bei fünf Monaten Schließzeit mit rund 70.000 Gästen nur die Hälfte der Besuchszahl eines normalen Jahres Der jüngste Lockdown hatte das MdbK kalt erwischt. Dennoch: „Im Gegensatz zu 2020 sind wir besser vorbereitet, was den Umgang mit Lockdowns angeht“, sagt Direktor Stefan Weppelmann. Die technische Ausstattung seien besser, Homeoffice eingespielter sowie Kommunikation und Arbeitsabläufe eingeübt. Man schaue mit Zuversicht auf das neue Jahr, auch weil die Stadt die Defizite bisher nicht in Einsparungen umgelegt hat.

Frédéric Bußmann sieht zunehmende Entfremdung von Publikum und Kunst

Die Kunstsammlungen Chemnitz mussten ganze Ausstellungen auf- und ungesehen wieder abbauen, Besucherzahl und Einnahmen gingen massiv zurück. Generaldirektor Frédéric Bußmann sieht zudem ideellen Schaden durch „eine zunehmende Entfremdung von Publikum, Kunst und Museum“. Die häufig wechselnden Regeln hätten zur Verunsicherung beim Publikum beigetragen. Er geht davon aus, dass die Besuchszahl bei etwa einem Drittel aus Vor-Corona-Zeiten liegt - und rechnet nicht damit, dass ein Teil der Einbußen wie 2020 erstattet wird.

Bußmann fordert „mehr denn je“ eine Öffnungsperspektive von der Politik, „die den Museumsbesuch als geistige, emotionale und psychologische Grundversorgung einer Gesellschaft anerkennt“. Es gehe um effiziente, vermittelbare und verhältnismäßige Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie.

Mitarbeiter sind ermüdet und erschöpft

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) verloren mit Ausstellungen viel Geld, auch von privaten Förderern aus dem Ausland, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann. Dabei lagen auf 2021 alle Hoffnungen, angesichts erfolgreicher Schauen herrschte Optimismus, der sich „in immerhin 30 Prozent der früher üblichen Besucherzahlen“ zeigte. „Hätten wir bis zum Jahresende öffnen können, wären wir in einer guten Balance gewesen und hätten wieder eigene Einnahmen gehabt, die uns die Spielräume für das Kommende gesichert hätten.“

Die Stimmung sei gedrückt, die Mitarbeiter durch andauernde Unsicherheit und permanente Umplanungen ermüdet und erschöpft, sagte Ackermann. Die „extreme Ungewissheit“ koste Reserven und bremse. 2022 haben die SKD ihre Highlights bewusst auf den Sommer gelegt – mit einer Ausnahme. Die Schau zum 90. Geburtstag von Gerhard Richter ist aufgrund des Termins Anfang Februar fix. „Wir hoffen alle sehr, dass wir spätestens zu diesem Datum wieder öffnen können.“

„Das Zauberwort heißt Kurzarbeit“

Auch Theater und Orchester haben sich „zähneknirschend“ dem neuen Lockdown gebeugt, sagt Lutz Hillmann, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bühnenverein. „Klar ist, dass wir nicht die ersten sind, die zumachen und dann die letzten, die wieder aufmachen dürfen.“ Sie seien nicht die Pandemietreiber und dürften nicht zur Symbolpolitik benutzt werden. Die großzügig geförderten Lüftungsanlagen etwa spielten überhaupt keine Rolle bei praktischen Entscheidungen in der Pandemie, kritisiert er.

Am Staatsschauspiel Dresden „proben wir weiter, sorgen uns um die freischaffenden Kollegen, machen Werbung für das Impfen und öffnen unsere Häuser dafür“, sagt Intendant Joachim Klement. Im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen wird ohne Publikum gespielt. Die Städtischen Theater Chemnitz hatten 2021 halb so viele Gäste normaler Jahre, dank des Sommerprogramms und wie schon 2020. Ein finanzielles Defizit gebe es nicht, „das Zauberwort heißt Kurzarbeit“, sagt Generalintendant Christoph Dittrich. Man schaue aber mit Sorge auf 2022. „Wir sind von einer Stabilisierung ausgegangen, nun wissen wir nicht, wann wir wieder spielen können.“

Von Simona Block, dpa