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Mitteldeutschland Lützen und Krostitz freuen sich auf Liebeshochzeit im schwedischen Königshaus
Region Mitteldeutschland Lützen und Krostitz freuen sich auf Liebeshochzeit im schwedischen Königshaus
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09:52 10.06.2010
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Lützen/Krostitz

Denn als Kind war sie leibhaftig da, König Carl Gustaf und Königin Silvia sahen die Lützener hier auch schon live.

„Da hat sie mit ihrer Mutter gestanden, da war sie zwölf Jahre alt, und hat Blumen niedergelegt, und nun heiratet sie schon“, sagt Dietmar Hennicke. „Mein Lebtag hätte ich mir das nicht träumen lassen, dass ich das wirklich miterleben durfte, das war eine Sensation“, schwärmt der 63-Jährige vom ersten Besuch aus dem schwedischen Königshaus im Jahr 1991 in Lützen. Wenig entfernt von Halle und Leipzig liegt ein „kleines Stückchen Schweden“ in Deutschland.

Der Gästeführer der Gedenkstätte für den schwedischen König Gustav II. Adolf (1594-1632) zeigt dabei auf die Stelle, wo der berühmte Monarch und Kämpfer für den Protestantismus am 6. November 1632 in Lützen in der blutigsten Schlacht des Dreißigjährigen Krieges im Alter von 37 Jahren starb. Ein Stein mit einem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Baldachin erinnert seit 1837 daran.

Den jährlich rund 10 000 Besuchern aus der ganzen Welt erklärt Hennicke, der seit mehr als 30 Jahren mit Leib und Seele mit der Gustav-Adolf-Gedenkstätte verbunden ist, die Geschichte und nebenbei auch seine Erlebnisse mit dem heutigen Königshaus. „Die Leute wollen alles wissen“, sagt der humorvolle Mann, der auch etwas schwedisch spricht. „Wenn eine Königin leibhaftig vor einem steht, dann bleibt einem die Luft weg, und die Silvia, das ist doch eine ganz tolle Frau“, schwärmt der verheiratete Pensionär.

Wenn Tochter Victoria nun, 20 Jahre nach ihrer Visite in Lützen, im Alter von 32 Jahren heiratet, dann ist sich Hennicke sicher. „Das ist eine Liebeshochzeit“. Und: „Ich wünsche ihr und ihrem Daniel, dass sie wirklich glücklich werden, denn das ist das Wichtigste.“ Um dem Paar den Tag zu versüßen, hat in Halle, nicht weit von Lützen entfernt, Deutschlands älteste Schokoladenfabrik mit „Wedding Chocolates“ auf Wunsch des schwedischen Königshauses feine Pralinen hergestellt.

Auch in Krostitz bei Leipzig laufen Vorbereitungen für die Traum- Hochzeit. Dort braut eine Brauerei ein „Schwedenquell“, ein Bildnis von Gustav Adolf ziert das Etikett. Einer Legende nach zog der König 1631 hungrig und durstig durch die Lande. Das Krostitzer Bier mundete ihm außergewöhnlich gut, zum Dank schenkte er dem Brauherrn einen Goldring. Nun habe die schwedische Botschaft in Berlin angefragt, ob die Brauerei für einen Empfang am Tag der Hochzeit Bier liefern könne, berichtet Sprecherin Ines Zekert. Die Krostitzer können: 200 Leute müssen versorgt werden. Die Brauerei habe auch Kontakte zum Königshaus. „Das ist ein leises, ständiges Dauerthema“, sagt Zekert.

Der Auftrag für die Schokoladenfabrik in Halle war indes weit größer: Mit dem Bild von Victoria und Daniel auf der Verpackung war es eine „so große Menge, dass wir deshalb von Februar bis Anfang Mai dreischichtig ausgelastet waren“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Halloren Schokoladenfabrik AG (Halle), Klaus Lellé. Ansonsten hält er sich an das mit Schweden vereinbarte Stillschweigen zu den Hochzeitspralinen.

Hingegen ist der Gästeführer in Lützen in seinem faktenreichen Redeschwall kaum zu bremsen, wenn es um die Geschichte und die Monarchie in Schweden geht - denn dafür hat sich der gelernte Dekorationsmaler schon als Kind interessiert. Schade nur, dass er, wie auch der Unternehmenschef, die Traumhochzeit im Dom in Stockholm nicht live erleben können. „Ich habe auch Dienst, aber mein Schwager nimmt das aus dem Fernsehen für mich auf, dann kann ich mir das immer wieder ansehen“, sagt Hennicke voller Vorfreude auf das Ereignis. Zu den Attraktionen der Gedenkstätte in Lützen jedenfalls gehören neben dem modern gestalteten Gedenkraum für den gefallenen Schwedenkönig die nach Plänen eines schwedischen Baumeisters errichtete und 1907 übergebene Kapelle.

Hennickes Wunsch ist, dass sich Victoria und Daniel irgendwann gemeinsam die Kapelle in Lützen ansehen - deren Besonderheit im Innern ist eine an ein kielobenstehendes Wikingerschiff erinnernde Holzkonstruktion. Viele der 3500 Einwohner, die einst der kleinen Victoria in Lützen zujubelten, werden ihr jetzt bestimmt symbolisch via TV zuwinken, ist sich der Chef der Verwaltungsgemeinschaft Lützen-Wiesengrund, Ronny Mank (parteilos), sicher. „Wir freuen uns, dass sich die zwei gefunden haben.“ Und obwohl es nur eine Legende sei, dass die Gedenkstätte auf schwedischem Boden stehe und damit ein Stück Schweden sei, legt Gästeführer Hennicke Wert auf Rituale: „Zur Hochzeit zünden wir in der Kapelle Kerzen an und draußen hissen wir die schwedische Fahne.“

Petra Buch und Birgit Zimmermann, dpa