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Mitteldeutschland Mehr tödliche Badeunfälle in Sachsen - Experten der DLRG: Warmes Wetter Schuld
Region Mitteldeutschland Mehr tödliche Badeunfälle in Sachsen - Experten der DLRG: Warmes Wetter Schuld
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09:00 18.09.2012
Die Zahl der Badetoten in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist in diesem Jahr angestiegen.
Die Zahl der Badetoten in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist in diesem Jahr angestiegen. Quelle: dpa
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Unter den Opfern sind vier Kinder und Jugendliche.

„Ursache für die Zunahme könnte sein, dass der Sommer in diesem Jahr etwas wärmer war als im vergangenen", erklärt DLRG-Sprecher Martin Janssen auf LVZ-Anfrage. Er verweist auf mehrere Schönwetterperioden im Juli und auf das Hoch Achim, das Mitte August heiße Luft aus Afrika brachte. Die Zahl der Badetoten habe gerade in den Sommermonaten deutlich zugenommen. Besonders viele Fälle gab es im Juli: Bundesweit beklagte die DLRG 71 Tote und damit mehr als doppelt so viele im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres. In Sachsen ertranken im Juli sieben Menschen, in Sachsen-Anhalt drei und in Thüringen einer.

Die meisten Menschen in Mitteldeutschland kamen in fließenden Gewässern ums Leben (20), gefolgt von Seen (11). So beispielsweise auch ein 16-jähriger Junge, der vor vier Wochen in Bad Düben in einer Kiesgrube ertrunken ist. Immer wieder wird vor dem Baden in Baggerseen gewarnt. Neben Unterkühlung würden laut Janssen die häufigsten Unfälle durch Abbruchkanten hervorgerufen: „Der Einstieg ist meist flach, dann bricht der Boden weg und es geht zehn, 20 Meter bergab. Das ist besonders für Menschen gefährlich, die nicht sicher schwimmen können."

Überraschend ist für Janssen, dass in Sachsen in diesem Jahr verhältnismäßig viele Frauen starben. „Eigentlich ertrinken mehr Männer", wundert er sich. Während in den vergangenen Jahren im Schnitt jedes fünfte Opfer eine Frau gewesen sei, war in diesem Jahr im Freistaat fast jedes zweite Opfer eine Frau.

Die Zahlen in Mitteldeutschland stehen im Gegensatz zum Bundestrend. Deutschlandweit verzeichnete die DLRG mit 268 Ertrunkenen 38 weniger als im Jahr zuvor. „Das ist der niedrigste Wert seit Erstellung der Sommerbilanz", so Janssen. Zwar stieg die Zahl der Badetoten in den Sommermonaten an, in der kalten Jahreszeit gab es aber wesentlich weniger als 2011.

Auch in Thüringen starben weniger Menschen in Gewässern. 2011 waren es sieben Menschen, in diesem Jahr vier weniger. Damit steht der Freistaat zwar im Ruf, zu den sichersten Bundesländern zu gehören, was Badeseen anbelangt. Allerdings ist es auch ein Bundesland mit relativ wenig Wasserfläche, erklärt der DLRG-Sprecher und verweist auf den Nachbarn Brandenburg.

Frauke Sievers