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Mitteldeutschland Mehrheiten im Mikrokosmos: Das sind Sachsens Parteien-Hochburgen
Region Mitteldeutschland Mehrheiten im Mikrokosmos: Das sind Sachsens Parteien-Hochburgen
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18:48 02.09.2019
Im Leipziger Westen erreichten Sachsens Grüne am Sonntag 24 Prozent. In 300 anderen sächsischen Gemeinden reichte es nicht zum Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde. (Archivfoto) Quelle: Armin Kühne
Dresden

Sachsen hat gewählt – und das regional zum Teil sehr unterschiedlich. In manchen Kommunen war sogar für spätere Wahlgewinner praktisch nichts zu holen, während klare Wahlverlierer zumindest in ihren Hochburgen noch punkten konnten. Das zeigt unser Blick auf die Tops und Flops im Zweitstimmen-Ergebnis.

Wählen gehen? Das ist in Demokratien quasi Bürgerpflicht – die allerdings unterschiedlich interpretiert wird. Im sorbischen Panschwitz-Kuckau ließen am Sonntag 95.8 % Wahlbeteiligung aufhorchen, auch in Waldhufen bei Görlitz, im vogtländischen Tirpersdorf und in Göda bei Bautzen nahmen mehr als 90 Prozent ihre demokratische Aufgabe sehr ernst. Dagegen hatte in Rathen (Sächsische Schweiz), Ellefeld (Vogtland) und in Arzberg (Nordsachsen) nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten Lust zur Stimmabgabe.

Absolute Mehrheiten für die CDU

Trotzdem erstmal Durchatmen hieß es am Sonntagabend für Sachsens CDU – angesichts von landesweit 32,1 Prozent Wählergunst. Von den Fabelwerten der 1990er Jahre ist die Union aber weit entfernt. Überall? Nein, in einigen Gemeinden sind immer noch absolute CDU-Mehrheiten konserviert, allen voran im sorbischen Crostwitz (Landkreis Bautzen). Dort gaben am Sonntag 60,7 Prozent #TeamKretschmer ihre Stimme. Ähnliches galt um die Ecke auch im wahlaktiven Panschwitz-Kuckau (56.4 Prozent), in Ralbitz-Rosenthal (54,3 Prozent) und in drei weiteren Gemeinden, in denen mehr als die Hälfte Kreuze bei der CDU machte.

Volksfest in der CDU-Hochburg Crostwitz. Hier wählten am Sonntag mehr als 60 Prozent das #TeamKretschmer. (Archivfoto) Quelle: dpa-Zentralbild

Eine untergeordnete Rolle spielt die Partei dagegen weiterhin in Teilen von Leipzig: Im Westen der Messestadt fuhren die Christdemokraten mit 21,4 Prozent ihr schlechtestes Zweitstimmen-Ergebnis ein, gefolgt von den Wahlkreisen im Süden (22,6 Prozent) und im Zentrum (22,9 Prozent). Letztlich gab es 50 Gemeinden und Ortsteile in Sachsen, in denen die Union die erhoffte 30-Prozentmarke verfehlte.

Viele Gemeinden mit mehr als 30 Prozent AfD

Die sächsische AfD-Hochburg heißt wieder einmal Neißeaue und liegt im Landkreis Görlitz. In der kleinen Gemeinde an der polnischen Grenze gaben 48,4 Prozent der Wähler den Rechtsnationalen ihre Zweitstimme. In Lampertswalde (Landkreis Meißen) waren es 48,3 Prozent und in Dürrhennersdorf (Landkreis Görlitz) noch 46 Prozent. Von Einzelfällen kann man nicht sprechen: In 282 der mehr als 400 sächsischen Gemeinden und Städten konnte die AfD am Sonntag mindestens 30 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinen, darunter waren 44 Orte mit mehr als 40 Prozent Zustimmung für die Rechten.

Die große Ausnahme bildet auch in diesem Fall vor allem wieder Leipzig: Im Zentrum der Messestadt war für Jörg Urban und Co. bei nur 10,2 Prozent eher nichts zu holen, auch nicht im alternativen Süden (13 Prozent) und im tendenziell eher grünen Westen von Leipzig (13,9 Prozent).

Die Gemeinde Neißeaue im Landkreis Görlitz ist eine der AfD-Hochburgen in Sachsen. Quelle: dpa

Linke bleibt stark im Leipziger Süden

Zur Wahrheit gehört auch: Die verbliebenen drei Parteien hätten sich über solche Negativrekorde wohl gefreut. Die Linke verlor am Sonntag fast die Hälfte ihrer Wählerstimmen, kam letztlich landesweist nur noch auf 10,4 Prozent – vor allem Dank ihrer Hochburgen in Leipzig. Im Süden der Messestadt, im Wahlkreis der einzigen Linken-Direktabgeordneten Juliane Nagel, wählten 20 Prozent auch die Partei, im Westen der Stadt 17,7 Prozent und im Nordosten 17,3 Prozent.

Richtig mies lief es für Spitzenkandidat Rico Gebhardt in Dorfchemnitz und in Hartmannsdorf (beide Mittelsachsen) mit jeweils nur 2,8 Prozent Feedback an der Wahlurne sowie in Vierkirchen in der Oberlausitz mit 3,0 Prozent. In insgesamt 20 Gemeinden in Sachsen verfehlte die Linke den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.

Grüne 16-mal zweistellig

Die Grünen konnten sich angesichts vieler Umfragen Hoffnung auf ein zweistelliges Ergebnis machen – geklappt hat dies letztlich in 16 Großstadtwahlkreisen und Gemeinden. Allen voran: Das Leipziger Stadtzentrum mit 26,7 Prozent Grün-Wählern, der Leipziger Westen (24 Prozent) und Süden (21,5 Prozent). In den ersten beiden konnte die Umweltschutzpartei auch jeweils Direktmandate für das Parlament erringen, dazu noch eins im Dresdner Zentrum.

Eher nur im Bereich von „Sonstige“ verlief der grüne Wahlabend dagegen im sorbischen Laußnitz (1,4 Prozent), im mittelsächsischen Großhartmannsdorf und im erzgebirgischen Johanngeorgenstadt (1,9 Prozent). Insgesamt verfehlten Sachsens Grüne in mehr als 300 sächsischen Gemeinden und Städten die Fünf-Prozent-Hürde.

SPD punktet im Leipziger Umland

Von Werten um die 20 Prozent kann der bisherige Regierungspartner SPD inzwischen nur noch träumen, dafür ist die Partei im Gegensatz zu den Grünen in der Breite noch etwas konstanter aufgestellt. Die besten Ergebnisse konnten die Sozialdemokraten am Stadtrand von Leipzig in Markkleeberg (12,6 Prozent), in Böhlen (11,9 Prozent) und im mittelsächsischen Mühlau (11,8 Prozent) erzielen. Am weitesten runter ging es dagegen an der tschechischen Grenze in Rechenberg-Bienenmühle und im Landkreis Görlitz in Hainewalde mit jeweils nur 2,8 Prozent sowie in der schon genannten CDU-Hochburg Ralbitz-Rosenthal (2,9 Prozent).

Für die FDP hat es am Sonntag wieder nicht gereicht (4,5 Prozent landesweit), auch die Freien Wähler schafften mit 3,4 Prozent den erhofften Sprungs ins Parlament nicht. Beim Wundenlecken von Holger Zastrow und Mitstreitern mögen vielleicht 13,6 Prozent liberale Stimmen im nordsächsischen Elsnig und 11,2 Prozent in Ottendorf-Okrilla am Stadtrand von Dresden helfen. Allgemein lief es für die FDP in der Landeshauptstadt noch besser als anderswo. Die Unterstützung für die Freien Wähler war in Zwenkau (9,3 Prozent) und im mittelsächsischen Bobritzsch-Hilbersdorf (9,1 Prozent) am größten.

NPD verliert auch in der Hochburg

Der Niedergang der rechtsradikalen NPD lässt sich auch in ihrer Hochburg Reinhardtsdorf-Schöna (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) erkennen. Aus den einstmals 23,1 Prozent Zustimmung bei den Landtagswahlen dort vor 15 Jahren sind inzwischen noch 4,6 Prozent geblieben. In mehr als 350 Gemeinden lagen die Rechtsextremen am Sonntag unter einem Prozent, landesweit waren es 0,6 Prozent. Frauke Petry erreichte mit ihrer AfD-Abspaltung „Blaue“ nur 0,4 Prozent – am besten lief es noch im mittelsächsischen Königshain-Wiederau mit 1,9 Prozent. André Poggenburgs Ex-Partei ADPM erreichte 0,2 Prozent, mit einer „Hochburg“ im erzgebirgischen Weißenborn (1,1 Prozent)

Die zuletzt bei den Europawahlen noch auftrumpfte Satire-Bewegung „Die Partei“ kam am Sonntagabend landesweit auf 1,5 Prozent der Wählergunst, vor allem Dank mehrerer Ergebnisse um die drei Prozent in Leipziger und Dresdner Wahlkreisen.

Von Matthias Puppe

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