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Mitteldeutschland Mitteldeutsche Kohlekraftwerke werden zuletzt abgeschaltet
Region Mitteldeutschland Mitteldeutsche Kohlekraftwerke werden zuletzt abgeschaltet
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21:20 03.03.2019
Das Braunkohlekraftwerk Schkopau. Quelle: imago/Rainer Weisflog
Leipzig

Die mitteldeutschen Braunkohlekraftwerke in Lippendorf und Schkopau gehören nach Schätzungen zu den letzten in Deutschland, die im Zuge des Kohle-Ausstiegs vom Netz gehen werden. „Die jüngsten Kraftwerke müssen zuletzt stillgelegt werden“, sagt der Leiter der Regionalen Planungsstelle im Planungsverband Leipzig-Westsachsen, Andreas Berknerim LVZ-Interview. „Lippendorf und Schkopau sind keine Kandidaten vor 2030.“

Berkner, der als Sachverständiger die Braunkohle-Kommission beraten hat, verweist dabei auf die Anpassungen nach der Wende, die im Mitteldeutschen Revier größer waren als im Lausitzer oder im Rheinischen Revier. So sei beispielsweise die Braunkohleförderung von 106 Millionen Tonnen im Jahre 1989 auf 18,8 Millionen Tonnen im Jahre 2017 gedrosselt worden. „Von allen deutschen Revieren ist das Mitteldeutsche das fitteste und am besten aufgestellte in Bezug auf den Strukturwandel“, so Berkner.

Dagegen seien die meisten Blöcke der rheinischen Braunkohlekraftwerke wie beispielsweise in Niederaußem, Weisweiler oder auch Neurath schon über 40 Jahre in Betrieb. Die in einem ersten Schritt vorgesehene Reduzierung der Gesamtleistung auf Braunkohlenbasis um 3000 Megawatt werde demzufolge maßgeblich zu Lasten dieser Kraftwerke gehen. Ein zweiter Schritt, mit dem eine weitere Reduzierung um 9000 Megawatt verbunden ist, treffe dann sowohl die im Rheinischen Revier verbliebenen Blöcke als auch nach 1990 ertüchtigte Anlagen in Boxberg und Jänschwalde im Lausitzer Revier.

Insbesondere das Kraftwerk in Lippendorf könnte dann „zu den letzten stillzulegenden Kapazitäten in Deutschland mit einer Laufzeit bis Ende 2038 zählen“, so Berkner. Von den 25 Kraftwerken in Deutschland seien 20 älter.

Heute wollen in Böhlen (Kreis Leipzig) auf dem „Forum Mitteldeutschland“ Kommunalpolitiker und Experten gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten, nachdem die von der Bundesregierung eingesetzte Braunkohle-Kommission 40 Milliarden Euro Strukturhilfe in Aussicht gestellt hat. Dabei geht es um Investitionen in die Infrastruktur, Investitionsanreize für Unternehmen und die Ansiedlung von Bundesbehörden in den Kohleregionen. Rund 8 Milliarden Euro davon sollen ins Mitteldeutsche Revier fließen. Für die Lausitz wurden bereits Vorschläge erarbeitet.

Die sächsischen Grünen bezweifeln diese Rechnung allerdings. Der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Gerd Lippold, sagte gegenüber LVZ, das Lippendorfer Kraftwerk sei letztendlich modernisiert worden, um über 2018 hinaus betrieben werden zu können. Grund sei das Quecksilberproblem in der mitteldeutschen Braunkohle, was dazu führe, dass die Emissionen dort wesentlich höher seien als in den anderen Revieren. Die Modernisierung bedeute aber nicht, dass auch die schärferen EU-Grenzwerte voraussichtlich ab 2022 eingehalten werden könnten.

Dazu komme, dass die Kraftwerke nur dann betrieben würden, wenn es sich rechne. „Die Frage ist: Was bietet die Bundesregierung für eine Entschädigungssumme für ein 30 bis 35 Jahre altes Kraftwerk und wie sieht die Situation auf dem Strommarkt aus?“ Das und eine mögliche Deckelung der Bergbaufolgekosten werde die tatsächliche Abschaltreihenfolge bestimmen. „Die Betreiber werden versuchen, ganze Standorte stillzulegen, weil es unökonomisch ist, nur einzelne Blöcke zu betreiben.“ So gehöre ein Block im Kraftwerk Lippendorf der Energie Baden-Württemberg (EnBW), die keinen Hehl daraus mache, raus aus der Braunkohle zu wollen. Werde dieser eine Block abgeschaltet, könne auch der andere nicht mehr betrieben werden, so Lippold.

Der Bund will bis Mai in Abstimmung mit den Ländern ein Maßnahmengesetz beschließen. Vorgesehen ist auch ein Staatsvertrag.

Von Roland Herold

Regionalplaner Andreas Berkner (60) sieht im bevorstehenden und neuerlichen Strukturwandel in den sächsischen Braunkohlegebieten große Herausforderungen – aber auch Chancen, wenn die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden.

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