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Mitteldeutschland Mitteldeutsche Schlösser-Stiftung bisher ohne sächsische Beteiligung
Region Mitteldeutschland Mitteldeutsche Schlösser-Stiftung bisher ohne sächsische Beteiligung
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12:17 29.06.2019
Sanierungsarbeiten im Schloss Wörlitz (Sachsen-Anhalt, Archibvfoto) Quelle: dpa
Dresden

Mit der Gründung der „Stiftung Mitteldeutsche Schlösser und Gärten“ wollen die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsam marode Kulturgüter sanieren. Jeweils 100 Millionen Euro steuern die Landesregierungen bei, heißt es aus Erfurt und Magdeburg. Der Bund begrüßt die Idee und unterstützt das Vorhaben mit weiteren 200 Millionen Euro aus dem Kulturetat. Sachsen hat zwar auch jede Menge kulturelle Güter mit Sanierungsbedarf zu bieten – beteiligt sich bisher aber nicht am Vorhaben. Torsten Herbst, FDP-Bundestagsabgeordneter aus Dresden, kritisiert diese Zurückhaltung als vertane Chance auf finanzkräftige Unterstützung

„Der Erhalt der sächsischen Kulturdenkmäler scheint für die schwarz-rote Landesregierung keine große Priorität zu besitzen“, sagte Herbst gegenüber der LVZ. Anders lasse sich kaum erklären, warum Fördermittel des Bundes in Millionenhöhe einfach auf der Straße liegen gelassen werden. „Insbesondere vor dem Hintergrund der großen Bedeutung der sächsischen Burgen und Schlösser für den ländlichen Raum und zur Identitätsstiftung ist dies mehr als bedauerlich“, so der Liberale weiter.

Sachsens Finanzministerium unentschlossen

Sandra Jäschke, Sprecherin im zuständigen sächsischen Finanzministerium von Matthias Haß (CDU), spricht auf Nachfrage von einer bisher unentschiedenen Sachlage. „Die Meinungsbildung ist bei uns nicht abgeschlossen. Dafür müssten zunächst die Bedingungen klar sein. Das betrifft die Ausgestaltung der Rechtsform der in Rede stehenden Stiftung ebenso wie die Art und Weise der Mittelzuführung und die damit verbundenen dauerhaften Verpflichtungen“, so Jäschke. Denn bisher stehe die genaue rechtliche Ausgestaltung der Stiftung und der Beteiligung des Bundes noch überhaupt nicht fest.

Diese Befürchtungen kennt auch die Thüringer CDU, die jüngst im Erfurter Landtag eine Sondersitzung zur geplanten Stiftungsgründung beantragt hatte. Jörg Kellner, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion, warnt: „Bei den Schlössern und Sammlungen geht es um das kulturhistorische Tafelsilber Thüringens. Solange die begründete Sorge vor einem Ausverkauf unseres Kulturguts im Raum steht, dürfen keine Entscheidungen fallen – und schon gar nicht am Parlament vorbei.“ Laut CDU-Fraktionschef Mike Mohring könne es nicht sein, dass der Bund mit 200 Millionen Euro die Zuständigkeit für das kulturelle Erbe in Thüringen und Sachsen-Anhalt bestimmt.

Passanten gehen vor dem Dresdner Residenzschloss entlang. Das Gebäude wurde in den vergangenen sechs Jahren für 29 Millionen Euro saniert. (Archivfoto) Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Thüringen: Gemeinsame Stiftung ist alternativlos

Für die rot-rot-grünen Landesregierung in Erfurt ist ein gemeinsames Vorgehen der Länder mit dem Bund jedoch alternativlos. Kulturstaatssekretär Malte Krückels (Linke) spricht von einer der „größten Chancen zur Sanierung und Entwicklung unserer Burgen, Klöster, Schlösser und Gärten“ seit der Wiedervereinigung. Thüringen habe in den vergangenen 25 Jahren allein „nur“ 230 Millionen Euro investieren können.

Sachsen ist bei Investitionen in Kulturgüter selbstbewusster. Wie Sandra Jäschke erklärte, investiere der Bund auch ohne die Stiftung jedes Jahr bereits Beträge in Millionenhöhe in seine Schlösser, Burgen und Gärten, „um diese Kleinode zu erhalten, ihre Attraktivität zu steigern und den Besuchern immer wieder neue Perspektiven darauf zu bieten." Unter anderem konnten so seit 2013 schon 29 Millionen Euro für den Ausbau und die historische Wiederherstellung des Residenzschlosses Dresden bereit gestellt werden.

Stiftungen sind Rechtsformen, mit denen in der Regel gemeinnützige Projekte unterstützt werden. Deutschlandweit gibt es etwa 22.000 solcher Stiftungen – rund zwei Drittel von Privatpersonen ins Leben gerufen. In mehreren Bundesländern sorgen landeseigene Stiftungen für den schrittweisen Erhalt der Kulturgüter, unter anderem in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Berlin und Brandenburg hatten 1995 als noch eigenständige Bundesländer die erste gemeinsame Stiftung mit dem Titel Preußische Schlösser und Gärten gegründet, um die kulturhistorisch bedeutenden Gebäude der Hohenzollern-Monarchie zu bewahren.

Von Matthias Puppe

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