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Mitteldeutschland Mord an Sophia Lösche: Grausame Details zum Prozessauftakt
Region Mitteldeutschland Mord an Sophia Lösche: Grausame Details zum Prozessauftakt
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13:26 23.07.2019
Der angeklagte Lkw-Fahrer aus Marokko berät sich im Landgericht Bayreuth mit seinem Anwalt. Dem Mann wird vorgeworfen, Sophia Lösche im Juni 2018 ermordet zu haben. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Bayreuth/Leipzig

Sie wollte von Leipzig nach Franken trampen, doch dort kam die 28-jährige Sophia Lösche nie an. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Leipziger Studentin sind am Dienstag in Bayreuth erstmals viele grausige Details zur Tat bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Lkw-Fahrer Boujemaa L. vor, sich im Juni 2018 an der Tramperin zunächst sexuell vergangen und sie anschließend gefesselt und auf brutale Art ermordet zu haben.

Laut Anklageschrift soll der aus Marokko stammende Beschuldigte die junge Frau in der Fahrerkabine seines Lastwagens mit einer Eisenstange oder einem Eisenschlüssel getötet haben, um die zuvor begangene Straftat zu verdecken. Die beiden Schläge gegen den Kopf seien so heftig gewesen, dass Sophia ein offenes Schädel-Hirn-Trauma mit einer Vielzahl komplexer Brüche der Schädeldecke erlitt. Sie starb laut Obduktion innerhalb kurzer Zeit durch ein Versagen des zentralen Nervensystems.

Fesseln hinderten Sophia an der Flucht

Die 28-Jährige soll sich zuvor gegen die Übergriffe des Truckers gewehrt und dabei unter anderem Quetschungen und Blutungen erlitten haben. Die sexuellen Übergriffe ereigneten sich laut Anklage am Abend des 14. Juni am Rastplatz Sperbes an der A9 in Oberfranken. Nach einer Auseinandersetzung fesselte L. die Tramperin an Handgelenken und Knöcheln, um sie am Aussteigen zu hindern – eigenen Angaben zufolge mit einer Wäscheleine. Von Leipzig über Lauf (Oberfranken) wollte Sophia in ihren Heimatort Amberg reisen, kam dort aber nie an und wurde schließlich von ihrer Familie als vermisst gemeldet.

Wegen des Mordes an Sophia Lösche aus Leipzig steht ein Lkw-Fahrer aus Marokko vor dem Landgericht in Bayreuth. Ein Rückblick auf den Fall.

Boujemaa L. fürchtete laut Anklage, dass Sophia ihn anzeigen würde und tötete sie schließlich „an einem nicht mehr genau feststellbaren Ort“, wahrscheinlich auf dem Gelände einer Firma in Sperbes. Bevor er die Germanistik-Studentin bei Schkeuditz zu sich in den Lkw nahm, soll er sich am Parkplatz Birkenwald an der A14 in seinem Führerhaus selbst befriedigt und durch Voyeurismus erregt haben.

Boujemaa L. schildert letzte Stunden vor der Tat

Zum Prozessauftakt am Dienstag gestand der 42-Jährige, Sophia getötet zu haben und sagte, er bereue die Tat. Der verheiratete Marokkaner bestritt aber, die Studentin sexuell bedrängt oder sie missbraucht zu haben. Auslöser für die Auseinandersetzung sei ein Streit gewesen, behauptete Boujemaa L. Er sei am Parkplatz in Sperbes nach dem Toilettengang in seinen Lkw gekommen und Sophia habe seine Sachen durchsucht. Sie soll zuvor einen Joint geraucht haben und warf ihm angeblich vor, ihr Haschisch gestohlen zu haben. „Sie war wütend, sie war auf einmal eine ganz andere Person“, berichtete der Angeklagte.

Der Streit sei schließlich eskaliert. Nachdem sein Laptop von einer Ablage gefallen sei, attackierte Boujemaa L. die Tramperin eigenen Angaben zufolge mit einer Ratsche, die zum Festziehen von Radmuttern verwendet wird. Obwohl Sophia sich wehrte, schlug er weiter auf ihren Kopf ein. „Ich habe sie viermal, fünfmal, vielleicht siebenmal geschlagen, ich weiß es nicht mehr“, so der Angeklagte. Auch als Sophia auf den Boden fiel, habe er nicht von ihr abgelassen.

Im Juni 2018 war Sophias Leiche nahe einer Autobahn bei Asparrena in Spanien gefunden worden. Quelle: Jesus Andrade/El Correo/dpa

Leiche in Spanien verbrannt

Erst bei seiner Fahrt Richtung Marokko sei ihm, klar geworden, dass Sophia tot ist, so Boujemaa L. An einer Tankstelle in Spanien versteckte er laut eigener Aussage die Leiche und zündete sie mit Benzin an. Aufgrund eines Motorschadens habe er in Südspanien schließlich auch seinen Lkw zurückgelassen.

In dem Prozess am Landgericht Bayreuth sind zwölf Verhandlungstage mit 17 Zeugen und drei Sachverständigen geplant. Die Eltern der Studentin und ihr Bruder treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. „Wir erwarten, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Als Angehöriger will man sie wissen, auch wenn sie noch so grausam ist“, hatte Bruder Andreas Lösche im Vorfeld gesagt. Er verfolgte den Prozessauftakt im Gerichtssaal zusammen mit den Eltern und saß dem mutmaßlichen Mörder dabei direkt gegenüber.

Von Matthias Puppe und Robert Nößler

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