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Mitteldeutschland Mordprozess Sophia: Freunde kritisieren Untätigkeit der Leipziger Polizei
Region Mitteldeutschland Mordprozess Sophia: Freunde kritisieren Untätigkeit der Leipziger Polizei
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09:16 31.07.2019
Blick in den Gerichtssaal beim Mordprozess gegen den Lkw-Fahrer, der Sophia getötet haben soll. (Archivfoto) Quelle: Matthias Puppe
Bayreuth/Leipzig

Am vierten Verhandlungstag im Mordprozess Sophia am Dienstag am Bayreuther Landgericht haben Zeugenaussagen aus dem Freundeskreis der Getöteten die Ermittlungsarbeit der Leipziger Polizei scharf kritisiert. Die Beamten seien tagelang untätig geblieben, hätten sich erst geweigert, Vermisstenanzeigen aufzunehmen und stattdessen die Beteiligten immer wieder vertröstet, die 28-Jährige werde schon von alleine wieder auftauchen. Später setzt man angeblich darauf, dass Interpol den Gesuchten an einer Grenze festnehme.

Wie Sophias Cousine Klara im Zeugenstand erklärte, hätten die Freunde der 28-Jährigen bereits am 15. Juni 2018, einen Tag nach ihrem Verschwinden am Rasthof Schkeuditz, Kontakt mit den Beamten in der Messestadt aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Sophia auf ihrer Reise zum Geburtstag des Vaters in Amberg (Oberpfalz) nicht angekommen war. Wie die Cousine am Dienstag erklärte, sei sie nach drei erfolglosen Versuchen, über die Notrufnummer eine Vermisstenanzeige aufzugeben, noch an diesem Freitagabend direkt zur Hauptwache in der Leipziger Dimitroffstraße gefahren.

Dort hätten ihr Wachbeamte allerdings erklärt, es gebe niemanden, der eine Aussage aufnehmen könne. Auch am folgenden Samstag, dem 16. Juni, seien die Freunde mehrfach in der Polizeidirektion abgewiesen worden. Die Begründung diesmal: Die Kollegen in Bayern seien dafür zuständig. „Es kamen immer wieder Aussagen, Sophia mache sich vielleicht nur einen schönen Urlaub“, sagte die 34-Jährige.

Freundin: Polizei hat uns abgewimmelt

Diese Untätigkeit sei letztlich der Grund gewesen, warum sich ihr Freundeskreis selbst auf die Suche nach der 28-Jährigen gemacht habe. „Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass die Polizei bestimmt alle Raststätten absuchen wird“, sagte Sophias Freundin Eva am Dienstag im Zeugenstand. „Als die uns aber immer so abgewimmelt haben, wurde mir klar, dass wir suchen müssen.“ Ähnliches erzählte später auch Sophias Bruder Andreas im Zeugenstand – allerdings über die Kollegen in Franken. „Die Amberger Polizei hat alles getan, was in ihrer Macht steht. Wir tun nichts mehr“, zitierte er eine Aussage gegenüber dem Gericht. Das sei Motivation gewesen, selbst tätig zu werden.

Dutzende Rasthöfe und Parkplätze entlang der Autobahn wurden in der Folge in Gruppen abgefahren, angrenzende Waldstücke durchsucht. Zwischenzeitlich seien bis zu 100 Personen an der privaten Suche nach Sophia beteiligt gewesen, sagte Sophias Cousine.

Wegen des Mordes an Sophia Lösche aus Leipzig steht ein Lkw-Fahrer aus Marokko vor dem Landgericht in Bayreuth. Ein Rückblick auf den Fall.

Immerhin: Das vehemente Drängen hatte auch Erfolg. Mit Hilfe von einer an die Raststätte Schkeuditzer Kreuz gesandten Streife, wo Sophia am 14. Juni 2018 in den Lkw eingestiegen war, konnte der Tankstellenbetreiber überredet werden, die Videoaufnahmen zu zeigen. Klara konnte ihre Cousine sofort identifizieren, auch die Spedition des Lkws konnte ausfindig gemacht und letztlich sogar Kontakt zum Fahrer aufgenommen werden. Der nun vor Gericht des Mordes angeklagte Boujeema L. habe am Telefon sogar bereitwillig Auskunft gegeben, erklärt, Sophia in Bayern wohlbehalten abgesetzt zu haben. Um seine Aussagen zu stützen und Hilfsbereitschaft zu signalisieren, schickte er Sophias Freunden sogar 21 Fotos von sich über WhatsApp – inklusive des aktuellen Aufenthaltsortes in Spanien, seinem Pass und Fotos seiner Familie. Letztlich wollte er an diesem Standort auf die Polizei warten, um seine Angaben überprüfen zu lassen.

Zeugin: Polizei konnte iPhone nicht auslesen

Diese gewonnenen Erkenntnisse hätten die Freunde gerne sofort der Leipziger Polizei übergeben wollen. „Als wir dann in der Dimitroffstraße ankamen, wurden wir in drei unterschiedliche Räume geführt und erst einmal zwei bis drei Stunden vernommen“, sagte Sophias Cousine. Erneut verging so Zeit, ehe gehandelt werden konnte.

In der Folge hätten die Beamten versucht, die Daten und Fotos von den Handys der Freunde auszulesen. „Sie hatten allerdings zu diesem Zeitpunkt keine Technik, um iPhones auslesen zu können“, sagte die Zeugin. Auch mit Messenger-Diensten wie Telegram hätten die Beamten angeblich nichts anfangen können. „Wir haben ihnen erklärt, was der Status ’gelesen’ und der ’nicht gelesen’ bedeutet.“

Polizei will sich nicht zu Vorwürfen äußern

Die Leipziger Polizei wollte sich am Dienstag vorerst zu diesen Vorwürfen noch nicht äußern. „Obwohl die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen sind, steht der Abschluss der gerichtlichen Hauptverhandlung noch aus. Aus diesem Grund können zum jetzigen Zeitpunkt keine Statements/Bewertungen, auch in Bezug auf interne Prüfungen, geleistet werden“, teilte Behördensprecher Andreas Loepki auf Nachfrage der LVZ schriftlich mit.

Bereits zum Prozessauftakt hatte der Anwalt des Lkw-Fahrers ein umfangreiches Geständnis seines Klienten verlesen. Darin gab der 42-Jährige zu, die Tramperin Sophia am 14. Juni 2018 am Rastplatz bei Schkeuditz mitgenommen und sie später – angeblich im Streit - mit einem schweren Eisenwerkzeug erschlagen, die Leiche bis nach Nordspanien mitgenommen und dort neben einer Tankstelle an der Autobahn verbrannt zu haben.

Zitierte Aussagen der spanischen Rechtsmedizin am zweiten Verhandlungstag widersprachen seinen Angaben, dass Sophia bereits auf einem Rastplatz in Deutschland getötet wurde. Stattdessen hatte die Obduktion der Leiche ergeben, dass die Leipziger Studentin erst schwer verletzt, dann gefesselt und erst Tage später in Frankreich getötet worden war. Die Bayreuther Staatsanwaltschaft wirft dem Marokkaner vor, den Mord nach sexueller Zurückweisung begangen zu haben. Boujeema L. bestreitet eine versuchte Vergewaltigung.

Am Mittwoch sollen die beiden spanischen Rechtsmedizinerinnen per Video in den Gerichtssaal geschaltet werden. Ein Urteil im Mordprozess wird im September erwartet.

Von Matthias Puppe

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