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Mitteldeutschland Chemnitzer Neonazi und Hooligan unter großer Anteilnahme beigesetzt
Region Mitteldeutschland Chemnitzer Neonazi und Hooligan unter großer Anteilnahme beigesetzt
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18:53 18.03.2019
Trauermarsch zum Friedhof: Hunderte Sympathisanten nahmen am Montag in Chemnitz vom Neonazi Thomas Haller Abschied. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Hunderte Menschen haben am Montag in Chemnitz von dem verstorbenen Neonazi Thomas Haller Abschied genommen. Der Gründer des rechtsextremen Netzwerks HooNaRa – Hooligans Nazis Rassisten – wurde am frühen Nachmittag auf dem Friedhof der St.-Michaelis-Kirche im Stadtteil Altchemnitz beigesetzt. Haller, neben seiner einflussreichen Tätigkeit in der rechtsradikalen Fanszene des Chemnitzer FC auch jahrelang Chef der Stadionsecurity des Vereins, war Anfang März an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. 

Bereits am Vormittag hatte sich auf dem Parkplatz eines nahen Einkaufszentrums ein Trauerzug gebildet, der nach Schätzungen der Polizei allmählich auf 800 bis 1000 Menschen anwuchs. Man trug Sonnenbrillen, grimmige Mienen und Szene-Kleidung von Thor Steinar und Yakuza. „Unter den Teilnehmern waren neben zahlreichen Personen aus dem gewaltbereiten Fußballumfeld auch Zugereiste aus dem Bundesgebiet, den osteuropäischen Nachbarländern und der Schweiz“, sagte Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Eine Mobilisierung Tausender Hooligans, so wie es die Behörden befürchtet hatten, blieb allerdings aus. 

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Großaufgebot der Polizei bleibt im Hintergrund

Es wurden Kränze und Blumen präsentiert – darunter mit Symbolen verschiedener Fanszenen aus Mitteldeutschland. Auf einer Schleife prangte ein Reichsadler mit Eisernem Kreuz in der Mitte. „Möge die Heimaterde dir leicht sein“, stand darunter geschrieben.

Gegen Mittag setzte sich die Gruppe stillschweigend in Richtung des Friedhofs in Bewegung. Viele Passanten bleiben stehen, schauten mit Interesse hinüber. Ein älterer Herr kommentierte: „Thomas Haller hat viel für Chemnitz getan. Er hat für Sicherheit und Ordnung gesorgt. Und nun verunglimpft ihn die Stadt als Nazi."

Auch wenn die Szenerie so anmuten konnte: Eine Anmeldung als Demonstration lag den Behörden nicht vor. Die Chemnitzer Polizei begleitete den Trauerzug dennoch mit einem Großaufgebot, erhielt Unterstützung von Bundespolizei und Beamten aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin. Straßen wurden abgesperrt, der Verkehr am Friedhof vorübergehend aufgehalten.

Verbale Attacken auf Journalisten

In den Marsch selbst griff die Polizei nicht ein. „Da die Trauer hier im Vordergrund stand, gab es für uns keinen Anlass“, sagte Ulbricht. Auch als etwa 20 vermummte Personen hinzustießen, blieb die Polizei defensiv – da kein Demonstrationsrecht vorlag.

Als der Sarg des verstorbenen Neonazis dann den Friedhof erreichte, mussten die Beamten dennoch kurz einschreiten. Einige Trauernde nutzten die Situation, um verbal auf Journalisten loszugehen und diese mit Drohgebärden zu nötigen. „Bis auf diese kurze Auseinandersetzung blieb es insgesamt allerdings störungsfrei“, so die Behördensprecherin weiter.

In Chemnitz findet am Montag die Beisetzung des kürzlich verstorbenen Thomas Haller statt. Hunderte Besucher nehmen teil, darunter viele Menschen aus der Hooligan-Szene. Haller galt als Gründer des rechten Bündnisses HooNaRa.

Die Beisetzung des Neonazis fand am frühen Nachmittag geschützt von der Öffentlichkeit im hinteren Teil des Friedhofs statt. Anschließend verließen die Teilnehmer das Szenario in kleinen Gruppen – so wie sie gekommen waren. 

Bereits Anfang März hatte eine öffentliche Trauerfeier für den Neonazi im Stadion des Chemnitzer FC bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Fanszene zeigte beim Spiel gegen die VSG Altglienicke eine Choreografie in Gedenken an Haller, zudem wurde dem Rechtsextremen auch mit einer Trauerbotschaft auf der Anzeigentafel und mit einer Stadiondurchsage gedacht. Nicht zuletzt präsentierte CFC-Stürmer Daniel Frahn beim Torjubel ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support Your Local Hools“. Das Textil wird der Gruppe HooNaRa zugeordnet.

CFC stellt Anzeige gegen Unbekannt

Unterdessen hat der Fußball-Regionalligist CFC Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Missbrauchs seines Vereinslogos bei der Beerdigung erstattet. Wie der Club auf seiner Homepage erklärte, seien bei der Bestattung von Thomas Haller „unter Verwendung des offiziellen Vereinslogos des Chemnitzer FC Trauerbekundungen aufgetaucht“.

Dazu stellte der Verein klar, dass es keinen Beschluss des Chemnitzer FC e.V., der Chemnitzer FC Fußball GmbH oder deren Gesellschafter zu diesem Vorgehen gebe. „Das Vereinslogo des Chemnitzer FC wurde widerrechtlich gebraucht“, hieß es.

Der Liveticker zu den Ereignissen in Chemnitz zum Nachlesen

Matthias Puppe und Jan Sternberg (mit dpa)