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Mitteldeutschland Neue Asylbewerberheime: Rötha und Schneeberg wehren sich gegen braunen Protest
Region Mitteldeutschland Neue Asylbewerberheime: Rötha und Schneeberg wehren sich gegen braunen Protest
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23:19 14.11.2013
Einige Migranten nahmen auch am Protest gegen die ausländerfeindliche Kundgebung teil. Quelle: Thomas Kube
Leipzig/Rötha

Gestern in Rötha, morgen in Schneeberg.

Nur wenige Menschen stehen am Abend auf dem Marktplatz in Rötha. „Ich habe Angst um die Zukunft meiner Enkel", sagt eine Frau (54) aus Böhlen. Sie sollen in Ruhe und Frieden aufwachsen können. Sie harrt dort mit einem Freund (61) aus, der nicht mit der Asylpolitik Deutschland einverstanden ist. Die Kultur der Moslems passe hier nicht hin, sagt er.

Gegen 19 Uhr beginnt die so genannte Bürgerinitiative „Rötha wehrt sich" ihre Demonstration – von einem freien Nationalisten aus Lobstädt angemeldet. Sie seien nicht ausländerfeindlich, betont ein Redner. Aber Asoziale und Kriminelle, die es sich auf der sozialen Hängematte bequem machen, seien hier nicht gewollt. Circa 100 Leute haben sich formiert – tragen Transparente wie „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt" oder „Wir wollen kein Asylbewerberheim in Rötha".

Gegenprotest mit Kirchenchor

Ein Krichenchor sang für Fremdenfreundlichkeit. Quelle: Thomas Kube

Ein paar hundert Meter weiter formiert sich der Gegenprotest vom Verein Bon Courage. Viele Bürger aus Rötha sind darunter, Stadträte aller Fraktionen, Politiker wie die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Köpping. Sie habe die Bilder von Lampedusa vor Augen. „Wir haben die verdammte Verpflichtung, diesen Menschen eine neue Heimat zu geben", sagt sie und bekommt viel Beifall.

Vor dem Hotel, in dem seit Mittwoch voriger Woche 30 Asylbewerber untergebracht wurden, kommt es zu schönen Szenen. Die neuen Bewohner winken von drinnen, die Demonstranten erwidern die Grüße. Der Kirchenchor singt – ein paar der Ausländer hört entspannt zu. Die Polizei sorgt dafür, dass sich die beiden Züge nicht begegnen. „Es gab keine Probleme", resümiert Einsatzleiter Andreas Müller am späten Abend. Bereitschaftspolizisten aus Leipzig hatten die Veranstaltungen abgesichert. Auch in Schneeberg werden sie wieder im Einsatz sein.

Konfrontation in Schneeberg

Morgen so gegen sechs Uhr abends wird die Spannung in Schneeberg (Erzgebirgskreis) zum Greifen sein. Von zwei Seiten ziehen Demonstrationszüge gen Markt. Dort wettern, angestachelt von der NPD, Menschen gegen die Unterbringung von rund 250 Asylbewerbern in der ehemaligen Bundeswehrkaserne drei Kilometer außerhalb der Stadt.

Leipzig/Rötha. In mehreren Orten Sachsens gehen Bürger wegen Asylbewerberheimen auf die Straße. Aber nicht, um gegen Flüchtlinge zu protestieren, wie die NPD versucht anzustacheln, sondern um Ausländerfreundlichkeit zu zeigen und der NPD nicht die Marktplätze zu überlassen. Gestern in Rötha, morgen in Schneeberg.

Gegen diese Stimmungsmache wehrt sich das Bündnis „Schneeberg für Menschlichkeit". Es will zeigen, dass Schneeberg nicht fremdenfeindlich ist. Diesem Demonstrationszug werden sich nicht nur Bürger, Abgeordnete von drei Stadtratsfraktionen, etliche Parlamentarier aus Bundestag- und Landtag, sondern auch Innenminister Markus Ulbig (CDU) anschließen. „Die Schneeberger wollen ein deutliches Signal senden und ich unterstütze das", begründete er gestern.

Zeitgleich unterwegs sind linke und antifaschistische Demonstranten, die gegen die Ausländerfeindlichkeit protestieren wollen. Die drei Demos werden sich in der Innenstadt bis auf Hörweite annähern. Ein Polizeiaufgebot will sichern, dass sie sich nicht noch näher kommen.

Aggressive Stimmung im NPD-Fackelzug

Die Asylbewerber aus der Erstaufnahmeeinrichtung selbst werden sich nicht beteiligen. Viele von ihnen waren in den jüngsten Wochen in der Stadt. 80 Kinder nahmen mit Eltern am Martinstag am Laternenumzug teil. Dabei wurden keine Anfeindungen bekannt. Im Gegenteil. Es gibt viel Unterstützung und auch Spenden aus der Schneeberger Bevölkerung für die aus ihren Heimatländern Geflüchteten.

In Schneeberg werde geklaut, die Kriminalitätsrate steige, man müsse Angst um seine Kinder haben, heißt es bei einigen, die vor zwei Wochen im Fackelzug der NPD mitgingen. Beobachter stellten in diesem Block eine aggressive Stimmung fest.

Andreas Friedrich und Saskia Grätz

In mehreren Orten Sachsens gehen Bürger wegen Asylbewerberheimen auf die Straße. Aber nicht, um gegen Flüchtlinge zu protestieren, wie die NPD versucht anzustacheln, sondern um Ausländerfreundlichkeit zu zeigen und der NPD nicht die Marktplätze zu überlassen - am Freitag in in Schneeberg.

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