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Mitteldeutschland Neue Projekte gegen Ärztemangel
Region Mitteldeutschland Neue Projekte gegen Ärztemangel
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20:11 25.04.2019
Landarztmangel ist in Sachsen ein Problem. (Symbolbild) Quelle: Marijan Murat/dpa
Leipzig

Die Universität Leipzig will mit zwei Projekten auf den Mangel an Allgemeinmedizinern und Landärzten in Sachsen reagieren. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Christoph Josten (64), weiß, dass es dafür eines langen Atems bedarf.

Warum ist der Ärztemangel auf dem Land ein so ein brisantes Thema?

Man muss zunächst unterscheiden: Der Mangel an Landärzten und der Mangel an Allgemeinmedizinern wird oft vermischt. Beides kann zusammenkommen ist aber auch getrennt voneinander zu betrachten. Das Thema ist politisch in beiden Fällen hoch akut. Denn die Bevölkerung hat Angst vor mangelnder medizinischer Versorgung, und Angst ist in vielen Bereichen nun einmal der größte Motivator. Dabei ist die Überalterung im ärztlichen niedergelassenen Bereich ein universelles Problem. Wir werden das gleiche Problem – oder sogar noch größere Probleme – auch in anderen Disziplinen bekommen, so etwa in operativen Disziplinen, wo es durchaus erhebliche Nachwuchsprobleme gibt.

Warum?

70 Prozent der Studienanfänger sind mittlerweile weiblich und nicht ausreichend viele von ihnen ergreifen die Weiterbildung in einem operativen Fach nach Beendigung ihres Studiums.

Warum wurde das Thema so lang ausgeblendet?

Die Leipziger Universität – sowohl Klinikum als auch Fakultät – hat sich schon frühzeitig dem Thema gewidmet und verschiedene Initiativen aufgelegt. Beispielsweise das Projekt LeiKa (Leipziger Kompetenzpfad Allgemeinmedizin). Das läuft seit drei Jahren und wird vom Sächsischen Wissenschaftsministerium gefördert, mit dem Ziel Allgemeinmediziner zu gewinnen.

Wer kommt dafür infrage?

Das sind Studierende, die sich am Beginn ihres Studiums besonders für Allgemeinmedizin interessiert haben. Die werden dann in Klassen zusammengefasst. Derzeit nehmen 90 Studierende teil, pro Jahr also 30. Sie erhalten zusätzlich zum festgeschriebenen Curriculum spezielle Inhalte zur Allgemeinmedizin. Gleichzeitig sind 60 Hausarztpraxen an dem Projekt beteiligt.

Christoph Josten Quelle: Christian Hüller

Kann man am Beginn des Studiums denn so genau wissen, wohin die Fahrt einmal geht?

Wir wissen, dass das sehr schwankend ist. Nach dem Praktischen Jahr, dem letzten Jahr der medizinischen Ausbildung, hat manch einer seine Meinung wieder geändert. Kurz: Wir interessieren Studenten dahingehend, um nach ihrem Examen die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner anzustreben. Das verbessert aber noch nicht die Situation auf dem Land.

Was wäre da ein Lösungsansatz?

Die Universitäten und die weiterbildenden Krankenhäuser können das Problem nicht alleine lösen. Es wird oft gesagt: Wir bilden nicht genügend Allgemeinmediziner aus. Als Mitglied der Weiterbildungskommission der Sächsischen Landesärztekammer kann ich feststellen, dass von 2013 bis 2018 die Zahl derer, die ihre Weiterbildung als Allgemeinmediziner abschließen, sich um mehr als 100 Prozent gesteigert hat. Daraus werden aber nicht unbedingt Landärzte.

Die Fakultät plant aber auch ein Landärzteprojekt.

Ja, da geht es um MiLaMed (Mitteldeutsches Konzept zur longitudinalen Integration landärztlicher Ausbildungsinhalte und Erfahrungen in das Medizinstudium). MiLaMed soll die Landlust der Studenten erhöhen, ohne dass sie alle Allgemeinmediziner werden. Das können später auch Kinderärzte, Gynäkologen, Psychiater, Chirurgen oder Orthopäden werden.

In welchem Stadium ist das Projekt?

Das Projekt ist jetzt in der Konzeptphase und soll im April 2020 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit starten. Im Prinzip geht es darum, den Studierenden zu sagen: Schaut euch das doch einfach mal an. Auf dem Land zu arbeiten, kann eine sehr erfüllende Tätigkeit sein. Da werden dann natürlich auch Themen wie Telemedizin angeboten, die die Arbeit erleichtern sollen.

Wie sieht das konkret aus?

Wir stellen uns vor, dass in dem zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekt parallel zu Vorlesungen und Seminaren auf Studenten bestimmter Fachgebiete zugegangen wird.  Ihnen werden Prognosen und Therapien erklärt, die speziell auf den niedergelassenen Bereich abgestimmt sind. Das Projekt ist an der Selbstständigen Abteilung für Allgemeinmedizin angesiedelt, die von Professor Steffi Riedel-Heller kommissarisch geführt wird. Sie leitet darüber hinaus das Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health an unserer Medizinischen Fakultät.

Das alles hat aber nichts mit einer Landarztquote zu tun, die jetzt immer wieder gefordert wird und bei der die Einstiegshürden niedriger sind?

Nein, das ist nicht das Gleiche. Auch sehe ich hier letztendlich noch nicht alle juristischen Probleme gelöst. Dies bezieht sich insbesondere auf die langjährige Festlegung nach dem Studium. Man entzieht Studierenden damit ja auch die Freiheit, sich während des Studiums umzuentscheiden. Diese Freiheit aber ist für die Freude und Erfüllung am Beruf von entscheidender Bedeutung. Und für die Empathie, die ein Arzt braucht.

Wie aber sollen dann am Ende mehr Ärzte aufs Land kommen?

Es sind gesellschaftliche und soziale Umstände, die einer Entscheidung, auf das Land zu gehen, entgegenstehen. Warum soll eine junge Ärztin mit ihren beiden Kindern aufs Land gehen – und die Medizin-Absolventinnen sind meist weiblich – wenn der Partner eine hochqualifizierte Position in Dresden, Leipzig oder Chemnitz innehat und es für ihn auf dem Land keine berufliche Alternative gibt? Überall herrscht Landflucht. Warum sollen dann junge Familien in dieser Konstellation aufs Land gehen? Das ist das Problem. Erziehung und medizinische Weiterbildung basierend auf Interesse und Freiwilligkeit haben eine wesentlich höhere Nachhaltigkeit als jemanden mit 19 oder 20 Jahren zu etwas zu verpflichten, was er in 10 oder 12 Jahren tun soll.

Welche Lösung schlagen Sie vor?

Wir versuchen Nachhaltigkeit dagegenzusetzen und Interesse zu wecken. Dazu gehört, dass die Studierenden in Landarztpraxen gehen und sich selbst ein Bild machen können. Dort gibt es dann auch Mentoren als Ansprechpartner, um Ängste und Vorurteile abzubauen. Das Wunderbare am Arztdasein auf dem Lande ist doch der direkte Patientenkontakt, der noch etwas anders ist als in der Stadt. Weil man viel mehr Empathie braucht und sich möglicherweise sogar in Familien hineindenken muss. Das kann unheimlich spannend sein.

Wo wird das Projekt starten?

Die Modellregionen sind Nordsachsen und das Vogtland. Darüber hinaus ist in Sachsen-Anhalt die Universität Halle-Wittenberg ebenfalls mit zwei Regionen beteiligt.

Wie viel Geld fließt vom Bund?

225 000 Euro um das Projekt vorzubereiten und dann noch einmal mehr als eine halbe Million Euro für die zweijährige Pilotphase.

Mit wie viel neuen Landärzten rechnen Sie am Ende?

Nach dem Projekt sollte eine Evaluation stattfinden, um herauszufinden, wer die Weiterbildung Allgemeinmediziner beginnt oder wer aufs Land geht. Das wird schwer zu messen sein. Aber prinzipiell führt kein Weg dran vorbei.

Von Roland Herold

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