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Mitteldeutschland Neue Sachsen-Prognose: CDU und AfD in den Wahlkreisen gleichauf
Region Mitteldeutschland Neue Sachsen-Prognose: CDU und AfD in den Wahlkreisen gleichauf
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10:08 12.01.2019
Wahllokal in der Stadthalle in Markranstädt. (Archivfoto) Quelle: André Kempner
Leipzig

Bei der sächsischen Landtagswahl wird es so eng wie noch nie werden: Eine neue Analyse der Meinungsforscher von Wahlkreisprognose.de, die der LVZ exklusiv vorliegt, sieht aktuell ein Patt zwischen CDU und AfD. Demnach können beide Parteien mit jeweils 28 Direktmandaten rechnen – das sind für die Union zwei Sitze weniger als bei der Prognose vor einem halben Jahr und für die AfD zwei Sitze mehr. Und das bedeutet außerdem: Die CDU muss sich auf noch stärkere Verluste einstellen. Bei der Landtagswahl am 1. September 2019 wird es – wie bereits 2014 – insgesamt 60 Wahlkreise geben. Davon hatte die CDU vor fünf Jahren 59 Direktmandate gewonnen.

Grüne hoffen auf Direktmandate

Ein weiteres Ergebnis der neuen Erhebung ist: Die Grünen befinden sich auch im Freistaat weiter im Aufwind. In Leipzig und Dresden kommen sie bereits auf insgesamt drei siegreiche Wahlkreise. Auf die Linke entfällt im Süden von Leipzig ein Direktmandat, während es im August 2018 sachsenweit noch vier gewesen sind. „Es wird immer knapper“, stellt Meinungsforscher Valentin Blumert fest – war im vergangenen Jahr in 36 Wahlkreisen ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt worden, trifft dies jetzt schon auf 44 der 60 Wahlkreise zu.

Prognose für die sächsischen Wahlkreise. (Grafik: Patrick Moye)

Die vorliegenden Werte wurden für die Erststimmen erhoben – also für alle potenziellen Direktkandidaten. Dabei wird nicht nur Platz 1 eingerechnet, sondern auch jeweils der Abstand zwischen den Platzierten. Die Unterschiede zu den Zweitstimmen, mit denen in Sachsen die einzelnen Parteien gewählt werden, sind erfahrungsgemäß nur marginal und bewegen sich bei ein bis zwei Prozentpunkten. Deshalb kommt dem Erststimmen-Trend eine besondere Bedeutung zu: Auf Prozentpunkte hochgerechnet liegt die CDU mit 28 Prozent hauchdünn vor der AfD (27), danach folgen Linke (15,5), SPD (11,5), Grüne (9,5) und FDP (4,5).

Dabei ist auffällig, dass die AfD vor allem im Großraum Dresden sowie in Ostsachsen stark ist. „Hier gab es schon immer eine Tendenz zu rechten Parteien, die in der Summe etwa 15 Prozent erreichen konnten. Diese Leute sammelt die AfD ein und bindet auch viele Bürgerliche an sich, die von anderen Parteien wechseln“, erklärt Blumert. Dagegen sind vor allem Nordsachsen, der Zwickauer Raum und weite Teile des Vogtlandes und von Mittelsachsen in CDU-Hand. Die AfD habe „auf jeden Fall“ das Potenzial, in ganz Sachsen noch stärker als bei der Bundestagswahl 2017 zu werden – momentan sei der Vorsprung in vielen Wahlkreisen aber gering, so dass sich das Blatt zu Gunsten der Union drehen könnte. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Michael Kretschmer bis zum Wahltag noch einen Effekt gegen die AfD erreichen kann“, blickt der Meinungsforscher voraus.

Merbitz liegt vorn

Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) hinkt in Meißen-Süd noch hinterher. Leipzigs scheidender Polizeipräsident Bernd Merbitz, der bei der Landtagswahl in Torgau-Oschatz antritt, scheint dagegen schon eine Hausmacht zu haben. Insgesamt sieht es für die CDU in Nordsachsen, Leipzig-Nord und weiten Teilen von Mittelsachsen sowie des Vogtlands viel besser als im Dresdner Raum und in Ostsachsen aus.

Allerdings gibt es noch drei unbekannte Variabeln: Da in die jüngsten Berechnungen sowohl die Freien Wähler als auch die Blaue Partei von Ex-AfD-Chefin Frauke Petry und die rechte Neugründung „Aufbruch deutscher Patrioten“ des ebenfalls AfD-abtrünnigen André Poggenburg noch nicht eingeflossen sind, könnte es in den nächsten Monaten zu leichten Veränderungen kommen – mit möglicherweise großen Auswirkungen, die insbesondere die AfD treffen würden.

Das dreiköpfige Team von Wahlkreisprognose.de hat ein eigenes Berechnungsverfahren entwickelt, das 2017 gestartet ist. Neben demoskopischen Trends, sozialen Daten und historischen Wahlergebnissen werden auch Extra-Ergebnisse von Meinungsforschungsinstituten berücksichtigt. Bei den jüngsten Landtagswahlen in Bayern und Hessen lag die Treffsicherheit bei fast 97 Prozent, zuvor waren die Statistiker bereits zur Bundestagswahl in Berlin nahe am Endergebnis.

Weitere Prognosen: Wahlkreisprognose.de

Von Andreas Debski

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