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Mitteldeutschland Neuer Polizeichef Schultze: Leipzig ist Hochburg der Jugendkriminalität
Region Mitteldeutschland Neuer Polizeichef Schultze: Leipzig ist Hochburg der Jugendkriminalität
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08:35 01.04.2019
Leipzigs Polizeipräsident Torsten Schultze (55) beim Redaktionsbesuch in der LVZ. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Junge Täter, junge Opfer: Eine Analyse der Leipziger Polizei zeigt, dass jeder zweite Verdächtige unter 30 Jahre ist – zugleich sind ältere Menschen vergleichsweise selten von Straftaten betroffen. Laut dieser Studie, die der Leipziger Volkszeitung vorliegt, waren im Jahr 2017 insgesamt 510 über 60-Jährige das Opfer von Kriminellen. Das entspricht einem Anteil von sechs Prozent.

Ältere sind Zielgruppe für Trickdiebe

„Ältere fürchten sich damit mehrheitlich vor Straftaten, denen sie in sehr geringem Ausmaß ausgesetzt sind“, sagt Leipzigs Polizeipräsident Torsten Schultze im LVZ-Interview, „aber sie sind eine bevorzugte Zielgruppe für Trickdiebe und Betrüger, die ausgerechnet dort handeln, wo sich Ältere ganz besonders sicher fühlen – daheim an der Haustür und über Telefon.“ Die meisten Täter wie auch Opfer von Gewalttaten seien jung, „und die meisten Taten finden dort statt, wo sich Ältere aufgrund ihrer Lebensgestaltung nicht aufhalten“. Laut der Polizei-Statistik gab es im Jahr 2017 insgesamt 84 Fälle, in denen über 60-Jährige Raubopfer geworden sind, sowie 69 schwere Körperverletzungen bei Älteren. Genaue Zahlen für 2018 sollen demnächst vorgestellt werden, doch es deute sich bereits an, dass die Tendenz ähnlich sei, heißt es.

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Starker Zuzug eine Ursache für Jugendkriminalität

Demgegenüber begehen überproportional viele Jugendliche und junge Erwachsene Straftaten. Während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung rund 17 Prozent beträgt, machen bis 30-Jährige immerhin etwa 48 Prozent der Tatverdächtigen aus. Und: Fast jede dritte Straftat wird in Leipzig in der Altersgruppe zwischen 21 und 30 Jahren begangen. „Der hohe Anteil an Jugendkriminalität resultiert auch aus dem starken Zuzug nach Leipzig, was nicht nur die Anziehungskraft auf Flüchtlinge betrifft, sondern allgemein gilt“, erklärt Schultze.

Das verdeutlichen auch die Zahlen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik. So waren zuletzt 700 der 1200 Täter bei schweren Körperverletzungen unter 30 Jahre, wovon wiederum 180 unter 18 Jahre gewesen sind. Bei Raub war es ähnlich: 225 der 346 registrierten Fälle gingen auf junge Täter zurück, davon waren 60 noch keine 18 Jahre alt. Dagegen sind Verdächtige bei sexuellem Missbrauch häufig älter als 30 Jahre (191 von 328 Fälle).

2018 geringste Zahl an Straftaten seit fünf Jahren

Insgesamt bleibe Leipzig die Kriminalitätshochburg in Sachsen und auch in Ostdeutschland, räumt der seit dem 1. Februar 2019 amtierende Polizeipräsident im LVZ-Interview ein. „Aber wir haben in 2018 die geringste Zahl an Straftaten seit fünf Jahren – und das trotz stetig zunehmender Bevölkerung“, erklärt Schultze. Die größten Rückgänge habe es bei Eigentumsdelikten, insbesondere bei den schweren Fällen von Diebstahl, gegeben. Andererseits seien Gewalttaten leicht angestiegen: „Das macht mir Sorgen, weil das das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung entscheidend betrifft.“

336 Straftaten an Leipziger Schulen im letzten Jahr

Eine Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Rolf Weigand ergab jetzt, dass an Leipziger Schulen im vergangenen Jahr insgesamt 336 Straftaten registriert wurden. Am häufigsten ging es um Diebstahl und Sachbeschädigung, es gab allerdings auch Fälle von Körperverletzung und sexueller Belästigung. Mehr als jede dritte Tat ereignete sich nach Angaben des sächsischen Innenministeriums an Mittelschulen (131), es folgen Grundschulen (97), Berufsschulen (67) und Gymnasien (41). Laut den Ministeriumszahlen waren in den allermeisten Fällen Deutsche die Tatverdächtigen.

Von Andreas Debski

Weiterlesen: Das gesamte Interview mit Leipzigs neuem Polizeipräsidenten Torsten Schultze