Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Noch mal 20 Grad warm: Jetzt kommt die Sahara-Luft nach Leipzig!
Region Mitteldeutschland

Nochmal 20 Grad warm: jetzt kommt die Sahara-Luft nach Leipzig!

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 20.10.2020
Die warme Sahara-Luft bringt auch den Wüstenstaub zu uns: Wo es regnet, kann es unter anderem auf Autoscheiben einen rötlichen Sandfilm geben. Quelle: dpa/wetter.net
Anzeige
Leipzig

Totgesagte leben länger: Nachdem in der letzten Woche der Abgesang auf den Goldenen Oktober schon angestimmt wurde, besinnt sich das Wetter rechtzeitig zur ersten Herbstferienwoche doch noch einmal. Zumindest am Mittwoch und Donnerstag wird es recht sonnig und um die 20 Grad warm!

Also doch ein Hauch Goldener Oktober in diesem trüben Corona-Herbst. „Jetzt wird es tatsächlich nochmal richtig warm. Aber nicht überall kann sich mit der Wärme auch die Sonne durchsetzen. Besonders im Nordwesten kommen immer wieder die Wolken von Tief Imka an und die bringen etwas Regen“, sagt Meteorologe Dominik Jung von Portal wetter.net. Aber auch hier wird der Regen zumindest wärmer.

Anzeige

Rötlicher Sandfilm auf Autoscheiben

Grund für das unverhoffte Gute-Laune-Wetter ist sehr warme Luft, die direkt aus der Sahara bis nach Deutschland strömt. Kehrseite der Medaille: „Die Luft bringt den altbekannten rötlichen Saharastaub mit nach Deutschland. Wo es regnet, kann dieser Staub durch Regen aus der Atmosphäre ausgewaschen werden. Also nicht wundern, wenn hier und da etwas Sandiges auf dem Autolack und den Fensterscheiben landet“, so Jung

Im Süden dreht die Sahara-Düse sogar richtig auf. Mittwoch und Donnerstag sind hier stellenweise bis zu 25 Grad drin und damit nochmal ein Sommertag. „In rund 1500 m Höhe erreichen die Höchstwerte in Deutschland in den kommenden Tagen bis zu 16 oder 17 Grad. So eine Wetterlage hätte uns im Juli oder August unten am Erdboden über 30 Grad gebracht, wahrscheinlich sogar um 35 Grad. Doch nun im Oktober steht die Sonne deutlich tiefer und die Tage sind auch spürbar kürzer. Da sind diese Werte nicht mehr möglich“, erläutert der Wetterexperte. Anders dagegen in Spanien: Dort werden sogar bis zu 31 Grad erreicht, im Norden Marokkos steigen die Werte noch höher, bis 36 Grad werden hier bis Dienstag Nachmittag erwartet.

Warmluft gut im Kampf gegen Corona

Soweit klettern die Temperaturen bei uns natürlich nicht, doch ein Kälteeinbruch ist auch nicht in Sicht. „Die warmen Luftmassen bleiben uns wahrscheinlich bis Monatsende erhalten. Ein Frühwinter ist bis Ende Oktober nicht in Sicht“ erklärt Wetterexperte Jung.

Vielleicht ist das sogar ein kleiner Pluspunkt im Kampf gegen die Corona-Pandemie: „Wenn es draußen fast 20 Grad warm ist, dann lüftet man wahrscheinlich lieber als bei kühlen 5 Grad. Und wir bewegen uns auch wieder mehr an der frischen Luft. Vielleicht hilft es ja“, so Dominik Jung.

Update: Kommt der Jahrhundertwinter?

Dominik Jung hält in seinem Update zum Langfrist-Wettertrend überhaupt nichts von einem angeblichen Jahrhundertwinter, der uns bevorstehen soll. Mehrere Wetterportale beschäftigten sich zuletzt mit dieser Frage. In Österreich wagte ein Wetterexperte sogar die Prognose: Kälteeinbruch und viel Schnee. Jung kritisiert dagegen: „Es ist mal wieder ein Deja-vu. Exakt vor einem Jahr berichtete ich an dieser Stelle über den angeblichen Jahrhundertwinter aufgrund einer schwachen Sonnenaktivität. Schon damals widersprach diese in den Medien weit verbreitet These sämtlichen Landfristwettermodellen. Die sagen alle einen zu milden Winter und lagen am Ende richtig. Dieses Jahr, fast exakt ein Jahr danach, ist der Jahrhundertwinter schon wieder in den Medien. Diesmal ist La Nina schuld. Jedes Jahr die gleiche Schlagzeile und jedes Jahr eine andere Begründung und jedes Jahr passiert in Sachen Kalt- und Schneewinter rein gar nichts. Es ist wirklich ein Jammer mit dem unseriösen und unwissenschaftlichen Gerede.“

Weiße Weihnachten? Das ist lachhaft!

Natürlich könne La Nina Einfluss auf den Winter haben, aber es sei nur einer von ganz vielen Faktoren die eine Rolle spielen. „Selbst der Sache mit der schwachen Sonne kann man noch Bedeutung beimessen, aber es ist immer nur jeweils ein Faktor von ganz vielen der eine Rolle spielt.“ so Jung. Der größte Unsinn in diesem Jahr sei allerdings die Prognose: Weihnachten werde in diesem Jahr weiß und kalt. „Das ist lachhaft. Darüber kann man heute noch überhaupt keine Aussage treffen. Ende Oktober eine Wetterprognose für den 25. Dezember abzugeben ist wissenschaftlich nicht möglich.“

Die Langfristmodelle vom US-Wetterdienst NOAA und vom europäischen Wetterdienst deuten beide auf einen eher zu warmen Winter hin. Auch der Dezember soll rund 1 bis 2 Grad zu warm ausfallen. „Von einem schneereichen und kalten Monat ist in diesen Prognosen jedenfalls weit und breit nichts zu sehen“, so der Meteorologe.

Was ist das Wetterphänomen La Nina? Eine Erklärung gibt’s hier.

Von Olaf Majer