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Mitteldeutschland Ostritz: Rechtsextremes Stelldichein im Schatten von „Blood & Honour“
Region Mitteldeutschland Ostritz: Rechtsextremes Stelldichein im Schatten von „Blood & Honour“
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14:50 20.04.2018
Im sächsischen Ostritz trifft sich am Wochenende die rechtsextreme Szene zu einem der größten Festivals bundesweit. Quelle: dpa
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Ostritz

Konzerte und Festivals mit rechtsextremen Musikern gibt es nicht nur in Sachsen viele, in den vergangen beiden Jahren verdoppelte sich im Freistaat die Zahl der von den Behörden registrierten Veranstaltungen laut Recherchen der Linksfraktion im Landtag sogar. Das „Schild & Schwert“-Festival an diesem Wochenende am Ostritzer „Hotel Neißeblick“ ist dennoch etwas Besonderes. Denn ein Großteil der dort auftretenden Bands gehört zum Umfeld des weltweiten „Blood & Honour“-Netzwerks.

Verbindungen bis zum NSU

Die kurz „B&O“ genannte Initiative ist einer Art Veranstaltungsbruderschaft für extrem rechte Musiker und Ideologien, mit deren Einnahmen die rechtsextreme Szene finanziert werden soll. Unter anderem gehörten auch die NSU-Terroristen sowie deren Umfeld zum Unterstützerkreis. Seit 2000 ist der deutsche Ableger von „Blood & Honour“ sowie deren bewaffneter Ableger „Combat 18“ (die Zahl 18 steht hierbei für die Anfangsbuchstaben von Adolf Hitler) zwar verboten, die Musik der Bands im Umfeld aber nicht.

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Das Festival in Ostritz beginnt am Freitag mit einem „Balladenabend“ mit zwei Soloauftritten, unter anderem des kanadischen Neonazis David Allen Surrete, alias Griffin, und dem der Bremer „B&H“-Band „Nahkampf“. Deren Sänger Hannes Ostendorf gehört auch zur deutlich bekannteren Formation „Kategorie C“, die selbst erst am Samstag auftritt. Ansonsten sind zum Auftakt Redebeiträge von NPD- und Die-Rechte-Politikern angekündigt.

Am Samstag stechen neben der Gruppe „Kategorie C“, die nicht nur aufgrund ihres Namens eine Sogwirkung auf die rechtsextreme Hooliganszene hat, auch die „Lunikoff Verschwörung“ und „Oidoxie“ heraus. Letztere Band stammt aus Dortmund, tritt mitunter offen nationalsozialistisch auf und verherrlicht die Wehrmacht. Die „Ludikoff Verschwörung“ ist das Nachfolgeprojekt der wahrscheinlich bekanntesten offen rechtsextremen und als kriminelle Vereinigung eingestufte Band „Landser“ um den mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilten Sänger Michael Regner.

Kein Alkohol wegen „aggressiver Grundstimmung“

Alkohol darf bei den Konzerten nicht ausgeschenkt werden. Für das Festival in Ostritz gilt ein absolutes Alkoholverbot. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen wies eine Beschwerde des Veranstalters ab und bestätigte letztinstanzlich eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden.

In dem am Freitag veröffentlichten Beschluss vom Vortag begründete der 3. Senat die Entscheidung damit, dass „von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch beabsichtigten Alkoholkonsum bei der Veranstaltung auszugehen sei“. Nach Auffassung der OVG-Kammer liegt der Veranstaltung auch nach dem Inhalt der beabsichtigten Musikdarbietungen eine kämpferische Zielrichtung zugrunde. Es sei daher nicht fernliegend, dass bei den Teilnehmern von vornherein eine latent vorhandene aggressive Grundstimmung vorhanden sei, die durch die aufputschende Livemusik in Verbindung mit Alkoholkonsum deutlich gesteigert werde.

Polizei will Verbot strikt durchsetzen

Die Polizei erklärte, das Alkoholverbot strikt durchsetzen zu wollen. „Grundsätzlich unterliegen alle Versammlungen (auch Rockkonzert) in Ostritz diesem Verbot“, schrieb die Polizei auf Twitter.

Zu dem Festival werden bis zu 1000 Rechtsextreme aus Deutschland, Polen und Tschechien erwartet. Die Stadt Ostritz hält bis zum Sonntag mit einem Friedensfest dagegen. Es wird am Freitagabend im Beisein des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) eröffnet. Auch diverse Protestaktionen sind geplant.

Von LVZ