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Mitteldeutschland Paten- und Gastfamilien für junge Flüchtlinge in Sachsens Großstädten gesucht
Region Mitteldeutschland Paten- und Gastfamilien für junge Flüchtlinge in Sachsens Großstädten gesucht
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09:07 01.02.2017
Hunderte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben in Sachsen in Auffangheimen. Quelle: dpa
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Dresden/Leipzig/Chemnitz 

Sachsens Großstädte suchen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Paten- und Gastfamilien. „Wer Interesse hat, kann sich immer an den Pflegefamilien-Dienst des Jugendamtes wenden“, sagte ein Sprecher der Stadt Chemnitz auf Anfrage. Derzeit sind den Angaben zufolge zehn Jugendliche in sechs Pflegefamilien untergebracht - darunter vier mit den Flüchtlingen verwandte Familien. Viele Behördengänge und die oft schwierige ausländerrechtliche Situation des Pflegekindes machten die Situation nicht immer einfach, hieß es.

Meist werden die jungen Ausländer in Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht, etwa in Wohngruppen. Nur wenige kommen in einer Pflegefamilie unter. „Wegen der sinkenden Zahlen reichen die Plätze aus“, so ein Sprecher. Mitte Januar waren in Chemnitz insgesamt 212 junge Flüchtlinge in Obhut des Jugendamtes.

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Seit November 2015 werden die in Deutschland ankommenden minderjährigen Flüchtlinge auf alle Bundesländer verteilt, auch Sachsen muss seither mehr unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) aufnehmen. Nach Angaben des Sozialministeriums werden diese zunächst vom Jugendamt in Obhut genommen. Das Landesjugendamt weist vom 1. November bis Ende Dezember 2015 rund 1900 neu und ohne Familie angekommene Kinder und Jugendliche aus dem Ausland aus, 2016 waren es insgesamt 2340.

Zwar sei eine Unterstützung durch Gast- und Pflegefamilien wünschenswert, erklärte eine Sprecherin. Allerdings sei deren Anteil bei der Unterbringung äußerst gering. Nach Einschätzung des Sozialministeriums halten sich potenzielle Pflegeeltern eher zurück. Schließlich sei es keine einfache Aufgabe, die meist 14- bis 17-Jährigen mit einer durch Flucht und Trennung belasteten Lebenssituation, einem anderen kulturellen Hintergrund und geringen Deutschkenntnissen in eine Pflegefamilie zu integrieren. Sachsen will daher die Schaffung neuer Plätze in Häusern der Kinder- und Jugendhilfe für junge Flüchtlinge ohne Begleitung fördern.

Auch Dresden sucht Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge. Ende des Jahres lebten rund 350 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Dresden. Aktuell sind zehn in Familien, die anderen in verschiedenen Einrichtungen und Wohngruppen untergebracht. Nicht für jeden Jugendlichen sei ein Platz in einer Wohngruppe vorhanden, daher sollen in den nächsten Monaten mehr Plätze geschaffen werden, kündigte Bürgermeister Hartmut Vorjohann an.

Nach einer Plakataktion im vergangenen Herbst haben sieben Familien Interesse bekundet. Sie werden zu Themen wie kultureller Integration und zu rechtlichen Fragen geschult, auf mögliche psychische Probleme der Jugendlichen vorbereitet. „Viele Dinge sind neu und müssen geklärt und besprochen werden“, so Vorjohann. Bei mehreren Treffen können sich Flüchtling und Gasteltern beschnuppern. „Viele Familien übernehmen zunächst eine Patenschaft, werden dann Gastfamilie und nach etwa sechs Monaten Pflegefamilie. Dieser Weg hat sich bewährt.“

In Leipzig koordiniert der Flüchtlingsrat das Projekt „Ankommen in Leipzig. Paten für Flüchtlinge“. Ehrenamtliche begleiten die Flüchtlinge beim Einkaufen, Behördengängen oder helfen bei der Suche nach einer Wohnung. Seit Anfang Januar wurden 72 Patenschaften neu geschlossen, so Sprecherin Sonja Brogiato. Rund 400 waren es im vergangenen Jahr. Gesucht werden derzeit vor allem Bildungspaten, die Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben helfen. „Da ist der Bedarf enorm.“

In Leipziger Gastfamilien leben derzeit neun minderjährige Flüchtlinge. Es sei eine Herausforderung, Pflegefamilien gerade für ältere Kinder und Jugendliche zu finden, so eine Sprecherin der Stadt. Auf der anderen Seite lehnten auch zahlreiche Jugendliche das Leben in einer fremden Familie ab und wollten lieber selbstständiger in einer Einrichtung leben. Zum 17. Januar wurden in Leipzig 340 insgesamt unbegleitete minderjährige Ausländer betreut.

Von LVZ

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