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Mitteldeutschland Psychotherapie in Sachsen: So lange warten Patienten auf einen Termin
Region Mitteldeutschland Psychotherapie in Sachsen: So lange warten Patienten auf einen Termin
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09:11 02.04.2019
Wer psychische Probleme hat, braucht möglichst rasch einen Termin beim Therapeuten. Quelle: dpa
Leipzig

Wer in Sachsen auf eine psychotherapeutische Behandlung angewiesen ist, muss im Schnitt mindestens ein halbes Jahr warten. In Einzelfällen allerdings auch noch wesentlich länger. Das geht aus aktuellen Zahlen der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK) mit Sitz in Leipzig hervor.

Ländliche Räumen seien schuld

„Im Gegensatz zu Großstädten wie Leipzig und Dresden machen uns hier vor allem die ländlichen Räume Sorgen“, sagte der neue OPK-Präsident Gregor Peikert (54) im Interview mit der LVZ. Gerade in den ländlichen Gegenden gäbe es nicht genügend Psychotherapeuten. Innerhalb eines Jahres leide aber etwa jeder Dritte in Deutschland einmal unter seelischen Problemen.

Dafür habe sich zumindest die Wartezeit auf einen Erstkontakt seit 2017 und der Einführung der Psychotherapeutischen Sprechstunde wesentlich verkürzt: In Sachsen liegt sie nunmehr bei 5 Wochen, in Thüringen bei 7,5 Wochen.

21 Wochen bis zur Behandlung

„Der Zugang zum Versorgungssystem ist zum einen viel einfacher und zum anderen schneller geworden. Was er jedoch nicht leistet, ist die Verkürzung der Wartezeit auf einen Therapieplatz“, erinnerte Peikert. Bis zur eigentlichen Behandlung dauere es im Schnitt dann noch einmal rund 21 Wochen. „Im Vergleich zum Westen haben wir im Osten pro Kopf der Bevölkerung wesentlich weniger Psychotherapeuten“, so der OPK-Präsident.

Gleichzeitig kritisierte er die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), den freien Zugang zur Psychotherapie einzuschränken. „Wir wehren uns dagegen, dass Ärzte oder Krankenkassen prüfen sollen, ob ein Patient einer Psychotherapie bedarf“, sagte Peikert. „Da schießt die Politik über das Ziel hinaus.“

Direkte Bewerbung bei der Uni

Zum Herbstsemester 2020 können sich Abiturienten deutschlandweit erstmals für den Direktstudiengang Psychotherapie bewerben. Dieser Studiengang wird gegenwärtig an den Universitäten etabliert. An der Situation, dass es in vielen Regionen zu wenige Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gibt, ändere das aber nichts.

„Die Psychotherapeutensitze werden von der Gesetzgebung stark eingeschränkt, weil man nicht möchte, dass die Kosten für Psychotherapie aus dem Ruder laufen. Wie hoch der Bedarf an Psychotherapie in der Bevölkerung wirklich ist, weiß man bis heute nicht“, moniert der OPK-Präsident.

Es fehlt an Psychotherapeuten

In der Vergangenheit war immer wieder kritisiert worden, dass die Zahl der Kassensitze, also der Psychotherapeuten, die ihre Arbeit mit den Krankenkassen abrechnen können, nicht entsprechend dem Bedarf gestiegen ist. Die Bundespsychotherapeutenkammer geht deshalb von deutschlandweit 7000 fehlenden Sitzen aus.

Laut der AOK Plus bewegen sich die Zahlen ihrer Versicherten in Thüringen und Sachsen, die bei einem Facharzt für Nervenheilkunde oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Rat suchten, seit Jahren auf hohem Niveau. In Sachsen betraf es allein im ersten Halbjahr 2018 rund 107 000, in Thüringen rund 54 000 Patienten.

Die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer hat derzeit rund 5000 Mitglieder in den fünf neuen Bundesländern. Peikert ist seit März neuer Präsident der Organisation.

Von Roland Herold

Die Versammlung der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK) hat den Psychotherapeuten Gregor Peikert (54) für die nächsten fünf Jahre zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Im Interview mit der LVZ spricht der gebürtige Dresdner über die Aufgaben seines Verbandes, über den Zugang zur Psychotherapie, das Ausbildungsrecht und seine Tätigkeit am Universitätsklinikum Jena.

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