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Mitteldeutschland Prognose für Landtagswahl in Sachsen: Viele Direktmandate der CDU wackeln
Region Mitteldeutschland Prognose für Landtagswahl in Sachsen: Viele Direktmandate der CDU wackeln
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12:03 19.08.2018
Der Landtag in Dresden. Quelle: dpa
Leipzig

Wenn an diesem Sonntag in Sachsen eine Landtags- oder eine Bundestagswahl stattfinden würde, wäre die AfD der haushohe Sieger. Das hat eine Analyse der Meinungsforscher von Wahlkreisprognose.de ergeben. Die vorliegenden Werte wurden für die Erststimmen erhoben – also für alle potenziellen Direktkandidaten. Bei der Landtagswahl am 1. September 2019 wird es insgesamt 60 Wahlkreise geben, bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 waren es 16.

Prognose für die Landtagswahl

Die CDU müsste derzeit mit starken Verlusten bei ihren Direktmandaten rechnen: Hatte die Sachsen-Union bei der Landtagswahl noch 59 der 60 Wahlkreise – mit Ausnahme von Juliane Nagel (Linke) im Leipziger Süden – gewonnen, so würde sich diese Anzahl nahezu halbieren. Laut der Prognose käme die CDU nur noch in 30 Wahlkreisen auf den ersten Rang bei den Erststimmen. Dagegen würde die AfD 26 Direktmandate gewinnen. Auch die Linke könnte zulegen und sich in vier Wahlkreisen durchsetzen.

Quelle: Patrick Moye

Es sticht hervor, dass die AfD vor allem im Großraum Dresden sowie in Ostsachsen stark ist. „Hier gab es schon immer eine Tendenz zu rechten Parteien, die in der Summe etwa 15 Prozent erreichen konnten – diese Leute sammelt die AfD ein und bindet auch viele Bürgerliche an sich, die von anderen Parteien wechseln“, erklärt der Meinungsforscher Valentin Blumert von Wahlkreisprognose.de. Die Analysen zeigen auch eine Angleichung in Richtung West- und Südsachsen: „Das Erstarken in der Breite geht nicht ganz so schnell wie in Ostsachsen, aber es erfolgt sukzessive. Die AfD hat auf jeden Fall das Potenzial, noch stärker als bei der Bundestagswahl 2017 zu werden.“

Enges Rennen zwischen CDU und AfD

In 36 der 60 Wahlkreise zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: Hier haben die jeweils Führenden nur einen Maximalvorsprung von sechs Prozent. In zehn Wahlkreisen liegt die Differenz bei nicht einmal drei Prozent und liegt damit im klassischen statistischen Fehlerbereich, der bei allen repräsentativen Prognosen auftaucht. Davon betroffen wäre auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): Sollte er tatsächlich im Landtagswahlkreis „Görlitz 3“ als Direktkandidat antreten, wie es sich abzeichnet, würde der CDU-Landeschef aktuell hinter der AfD-Konkurrentin Silke Grimm einkommen. Demnach käme Grimm auf 38 Prozent (AfD-Erststimmenergebnis 2014: 15,2 Prozent), ein potenzieller Kandidat Kretschmer 32 Prozent (CDU 2014: 40,7).

„Wir wollen keine Umfragen und Prognosen gewinnen, sondern Wahlen“, kommentiert Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks die Werte. Mit der neuen Konstellation unter Kretschmer sei sehr viel auf den Weg gebracht worden. Außerdem startet die CDU heute ihre Haustür-Kampagne: „Wir wollen mit möglichst vielen Sachsen ins Gespräch kommen und von ihnen erfahren, was sie bewegt und wo sie der Schuh drückt.“ Und auch bei der neuen Herzblut-Aktion für Ehrenamtliche gebe es eine große Nachfrage, so Dierks. Seine Prognose lautet: „Die sächsische Union hat sich für die kommenden zwölf Monate noch viel vorgenommen. Abgerechnet wird dann am 1. September 2019.“

Linke in Leipzig und Dresden vorn

Juliane Nagel könnte ihr Mandat nach jetzigem Stand im Leipziger Süden deutlich verteidigen. Chancen auf Direktmandate haben die Linken auch in den beiden Leipziger Wahlkreisen, die zuletzt von Justizminister Sebastian Gemkow und Christine Clauß für die CDU entschieden wurden. Christine Clauß hat bereits angekündigt, sich aus dem Landtag zurückziehen zu wollen. Auch in Dresden hat die Linke gute Chancen: Sie liegt im Altstadt-Wahlkreis vorn, der seit 2009 von Patrick Schreiber (CDU) gewonnen wurde.

Prognose für die Bundestagswahl

Zeigt die Sachsen-Karte für die Landtagswahl noch viele schwarze oder graue Wahlkreise, die für die CDU stehen, stellt sich die Farbpalette für die größer gefassten Bundestags-Wahlkreise ganz anders dar: Bis auf den Leipziger Süden würden alle 15 AfD-Direktkandidaten gewinnen – die alles dominierende Farbe wäre also blau. Im Herbst 2017 hatte die AfD drei Direktmandate geholt, die CDU zwölf und die Linke eines. Laut Meinungsforscher Valentin Blumert wird es zwar auch im Leipziger Süden eng, doch Sören Pellmann liegt noch mit 24 Prozent an der Spitze, vor der CDU (22) und der AfD (20). Dagegen würde Jens Lehmann den Leipziger Norden verlieren: Hier rangiert die AfD mit 27 Prozent auf Platz eins, gefolgt von der CDU (25). Ähnlich ist die Lage in Dresden, wo die Union (21 bis 22 Prozent) – und damit auch Arnold Vaatz – ihre beiden Mandate an die AfD (29 bis 30 Prozent) abtreten müsste, sollte die Bundestagswahl am morgigen Sonntag sein. Den sachsenweit besten CDU-Wert erreicht Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière in seinem Meißner Wahlkreis mit 31,5 Prozent – doch auch er würde gegen einen AfD-Kandidaten deutlich den Kürzeren ziehen.

Neue Berechnungsmodelle

Das dreiköpfige Team von Wahlkreisprognose.de greift nicht auf eigene Erhebungen zurück, sondern hat ein eigenes Berechnungsverfahren entwickelt, das im vergangenen Jahr gestartet ist. Neben demoskopischen Trends, sozialen Daten und historischen Wahlergebnissen werden auch Extra-Ergebnisse von Meinungsforschungsinstituten berücksichtigt. „Die Vorhersagen zu Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und zur Bundestagswahl in Berlin waren bereits treffsicher“, sagt Valentin Blumert.

Von Andreas Debski

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