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Mitteldeutschland Prozess-Start nach Mord an Leipziger Tramperin
Region Mitteldeutschland Prozess-Start nach Mord an Leipziger Tramperin
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07:00 20.07.2019
Ein Kreuz steht auf dem frischen Grab von Sophia auf dem Katharinenfriedhof in Amberg. Quelle: Foto: Nicolaus Irmer/dpa
Bayreuth

Rund ein Jahr nach dem Tod der Tramperin Sophia L. beginnt am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth der Mord-Prozess gegen einen Lkw-Fahrer aus Marokko. „Wir erwarten einen großen Medien-Andrang und haben dafür alle Vorbereitungen getroffen“, versichert Landgerichtssprecher Clemens Haseloff. Der Fall hatte seinerzeit für großes Aufsehen und Entsetzen gesorgt.

Der 42-jährige angeklagte Marokkaner Boujemaa L. steht unter dem Verdacht, die damals 28-jährige Germanistikstudentin der Leipziger Universität getötet zu haben. Die junge Frau war am 14. Juni 2018 am frühen Abend an der Tankstelle in Schkeuditz (Landkreis Nordsachsen) an der A 9 in sein Fahrzeug gestiegen. Sie wollte zur Raststätte Lauf (Nürnberger Land), um von dort in ihre Heimat ins oberpfälzische Amberg zu gelangen.

Angriff auf dem Rastplatz

Die Anklage wirft dem für eine Spedition in Tanger fahrenden Lkw-Fahrer vor, Sophia L. während seiner Standzeit auf dem Rastplatz Sperbes (Landkreis Bayreuth) sexuell angegriffen und sich an ihr vergangen zu haben. Dabei erlitt die junge Frau Verletzungen und Blutergüsse. Er soll sie anschließend gefesselt und später mit einer Eisenstange erschlagen haben, um die Tat zu vertuschen. Wo das genau geschah, ist derzeit noch unklar. Die Studentin starb nach zahlreichen Brüchen der Schädeldecke am Versagen des zentralen Nervensystems.

In Nordspanien soll der Mann dann versucht haben, die Leiche zu verbrennen. Dort kamen ihm die Ermittler auf die Spur, nachdem er mit einer Kreditkarte bezahlt hatte. Der Marokkaner wurde schließlich von den Polizei-Behörden in Südspanien, 350 Kilometer vor Gibraltar und vor der Überfahrt nach Afrika – festgenommen. Sein Fahrzeug stand in Flammen, womöglich, um Spuren zu verwischen. Der Mann behauptete zunächst, die Studentin bei Nürnberg aus seinem Fahrzeug gelassen zu haben. Ein DNA-Abgleich mit Gen-Material der in Nordspanien gefundenen Toten erwies allerdings die Identität Sophias, womit diese Aussage widerlegt war.
Das Landgericht Bayreuth ist Schauplatz des Prozesses. Quelle: Foto: Roland Herold

Zwölf Verhandlungstermine anberaumt

Später räumte der Fahrer dann ein, die Studentin im Rahmen einer Auseinandersetzung getötet zu haben. Seit seiner Auslieferung nach Deutschland sitzt er in der Justizvollzugsanstalt St.Georgen-Bayreuth. Die Suche nach Sophia beschäftigte tagelang Medien in Deutschland und Spanien.

Wie das Landgericht mitteilte, sind für den Prozess zunächst zwölf Verhandlungstermine bis Mitte September anberaumt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Studentin wahrscheinlich bereits in Bayern ermordet wurde. Deshalb übernahm die Staatsanwaltschaft Bayreuth federführend die Ermittlungen.

Vorwürfe an die Polizei

Vorsitzender Richter ist Bernhard Heim, Vizepräsident des Landgerichts Bayreuth. Die Anklage wird von Oberstaatsanwältin Sandra Staade vertreten. Insgesamt 17 Zeugen wurden bisher zur Vernehmung geladen. Ferner wirken zwei Sachverständige der forensischen Psychiatrie und Rechtsmedizin sowie ein Brandsachverständiger des LKA München an der Hauptverhandlung mit. Spanische Ermittler sollen per Videokonferenz zugeschaltet werden.

Der Fall hatte seinerzeit auch deshalb Aufsehen erregt, weil Familie und Freunde von Sophia eine eigene Suche im Netz organisierten und den Polizeibehörden vorwarfen, nicht schnell genug und bundesländerübergreifend zu agieren. So nahm der Bruder Sophias nach eigenen Angaben selbst Kontakt mit der Lkw-Spedition und dem nun angeklagten Fahrer auf. Offenbar hatte die 28-Jährige während der Fahrt noch eine SMS mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs absetzen können. Ihre letzte Nachricht.

Familie Sophias tritt als Nebenkläger auf

Sophia L. war vormals Juso-Chefin in Bamberg. Eine Zeit lang half sie auf der griechischen Insel Lesbos, Flüchtlinge zu versorgen. Eltern und Bruder wollen in dem Prozess nun als Nebenkläger auftreten, um Einsicht in die Akten zu erhalten und um unter Umständen gegen ein aus ihrer Sicht unzureichendes Urteil in Revision gehen zu können. „Heute vor einem Jahr wurdest du auf brutalste Weise von uns genommen. Deine Liebe lebt weiter durch all die wunderbaren Menschen, die uns begleiten und tragen...“, schrieb Andreas L. auf Twitter am Jahrestag des Todes seiner Schwester.

Immer wieder hatte er sich zuvor in der Öffentlichkeit gegen die Instrumentalisierung des Todes seiner Schwester durch die AfD gewandt und darauf hingewiesen, dass es kein Flüchtling gewesen sei, der die Tat verübt habe. Er reagierte damit auf einen „Schweigemarsch für Gewaltopfer“ in Chemnitz nach den tödlichen Messerstichen gegen Daniel H., bei dem Teilnehmer auch ein Plakat mit dem Bild Sophias gezeigt hatten.

Ermittlungen gegen den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke, der eine Foto davon auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte, wurden später eingestellt. Er habe sich mit der Aufnahme des Trauermarschs nicht strafbar gemacht, lautete die Begründung.

Von Roland Herold

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