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Mitteldeutschland Wie in Dresden auf die Rauchmelderpflicht reagiert wird
Region Mitteldeutschland Wie in Dresden auf die Rauchmelderpflicht reagiert wird
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07:51 10.12.2019
Rauchmelder sollen in Sachsen in allen Wohnungen Pflicht werden. Quelle: dpa
Dresden

Die von der neuen Koalition in Sachsen geplante generelle Rauchmelderpflicht stößt bei der Dresdner Feuerwehr auf Zustimmung. „Rauchmelder können Leben retten“, erklärte Andreas Rümpel auf DNN-Anfrage. Er ist Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz und damit Chef der Dresdner Feuerwehr. „Gibt es keinen Rauchmelder in der Wohnung, wird vor ge­fährlichem Brandrauch nicht gewarnt, die Warnung der Bewohner ist aber Voraussetzung für eine schnelle Selbstrettung“, fügte Rümpel hinzu, der auch Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes ist.

Das Urteil der Feuerwehr ist eigentlich wenig überraschend. Trotzdem ging der Freistaat bislang einen Sonderweg. Nur in Sachsen gibt es bislang keine allgemeine Rauchmelderpflicht für Wohnungen. „Wir wollten sie schon vor fünf Jahren einführen“, erklärt Albrecht Pallas, Dresdner SPD-Landtagsabgeordneter. Die CDU habe dies damals jedoch abgelehnt. So sei es als Kompromiss lediglich zur Installationspflicht für Rauchmelder bei Neu- oder Umbauten gekommen, die seit 2016 gilt.

Nur geringer Teil der Wohnungen von Rauchmelderpflicht erfasst

Unter anderem Experten bei der Feuerwehr kritisierten das lange Zeit vergeblich. Aus ihrer Sicht sei bislang nur ein geringer Teil der Wohnungen von der Rauchmelderpflicht erfasst. Von den knapp 300.000 Wohnungen in Dresden sind nur einige Tausend in den letzten Jahren neu errichtet worden.

„Die seit 2016 für Neubauten geltende Rauchwarnmelderpflicht im Freistaat Sachsen werden wir auf Bestandsbauten ausweiten“, haben nun CDU, Grüne und SPD im Koalitionsvertrag für das künftige Regierungsbündnis („Kenia“) verankert. In den nächsten Tagen sollen die Parteien über das Papier abschließend entscheiden.

Auch Wohnungswirtschaft reagiert positiv

„Sehr viele Eigentümer haben bereits freiwillig Rauchmelder nachgerüstet“, stellt Feuerwehr-Chef Rümpel fest. Die Gefährlichkeit von im Brandfall entstehendem Rauch sei nicht abhängig vom Errichtungsdatum des Gebäudes. Experten raten mindestens zum Einbau in Kinder- und Schlafzimmern sowie in Fluren, die als Fluchtweg dienen könnten.

Positiv wird in der Wohnungswirtschaft reagiert. „Wir halten eine solche Pflicht für sinnvoll“, erklärte beispielsweise Alrik Mutze, Vorstand der Dresdner Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ). „Wir rüsten aktuell alle unsere Wohnungen im Bestand mit Rauchwarnmeldern auf freiwilliger Basis aus“, sagte Mutze gegenüber DNN. Bis zum Ende des 1. Quartals 2020 werde dies abgeschlossen sein.

Die WGJ habe Kauf- und Mietvarianten verglichen und sich für die Kaufvariante entschieden. Mutze: „Eine Umlage der Kosten für die Anschaffung auf die Miete wird nicht erfolgen.“ Die jährlichen Servicekosten würden mit den Betriebskosten abgerechnet werden.

Ab wann Pflicht zum Einbau gilt, ist noch offen

SPD-Politiker Pallas rechnet nicht mit starkem Widerstand bei den betroffenen Wohnungsbesitzern und Bewohnern. Beide Seiten dürfte der Nutzen klar sein. Ab wann die Pflicht zum Einbau gilt, ist allerdings noch offen. „Es wird eine Übergangsfrist geben“, versicherte Pallas. Für die Rauchmelderpflicht muss die sächsische Bauordnung geändert werden. Dabei wird es gleichzeitig auch neue Brandschutzregelungen für sogenannte Sonderbauten geben. Das sind beispielsweise Pflegeheime, in denen „ein umfassenderer Schutz der sich in ihnen aufhaltenden Menschen“ erreicht werden soll, wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Pallas rechnet damit, dass die Änderung der Bauordnung bis 2021 erfolgen könnte. Bei einer Übergangsfrist von „mindestens zwei Jahren“ könnte dann die Pflicht zum Einbau von Rauchmeldern in al­le Wohnungen im Jahr 2023 oder 2024 in Kraft treten.

Von Ingolf Pleil

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