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Mitteldeutschland Revolutionsfeier erst am 9. November? Bürgerrechtler fordern 9. Oktober
Region Mitteldeutschland Revolutionsfeier erst am 9. November? Bürgerrechtler fordern 9. Oktober
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17:45 03.06.2019
Am 9. Oktober 1989 demonstrierten über 70 000 Menschen auf dem Leipziger Ring. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Mehr als 50 Bürgerrechtler haben jetzt einen offenen Brief verfasst. Gerichtet ist er an die Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und deutsche Einheit“, die Anfang April vom Bundeskabinett berufen wurde. Grund des Briefes sind eben jene Feierlichkeiten, die die 22-köpfige Kommission am 9. November beginnen lassen will.

Man freue sich, dass die Bundesregierung den Begriff der Friedlichen Revolution aufgreift und weiter etabliert. Allerdings will man mit den Feierlichkeiten einen Monat zu spät beginnen, heißt es in den Brief, der die Unterschriften von Uwe Schwabe (Vorstandsvorsitzender Archiv der Bürgerbewegung Leipzig) und von Kathrin Mahler Walther (Berliner Bürgerrechtlerin) trägt. Ersucht wird die Kommission, damit schon am 9. Oktober zu starten. Dieses Datum gelte gemeinhin als Jahrestag der Friedlichen Revolution, heißt es. Am 9. Oktober 1989 seien 70 000 – 100 000 Menschen aus vielen Städten der DDR in Leipzig auf die Straße gegangen. „Es war der Tag der Entscheidung. Er steht symbolisch für die Kraft und Stärke der Frauen und Männer in Ostdeutschland. Sie haben an diesem Tag ihre Angst überwunden, sind zu Tausenden auf die Straßen gegangen und haben sich selbst befreit. Ohne den 9. Oktober 1989 hätte es den 9. November 1989 nicht gegeben und nicht den 3. Oktober 1990.“

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Die Unterzeichner des Briefes zeigen sich überzeugt, dass es von großer Bedeutung sei, „den mutigen und friedlichen Protest der Ostdeutschen sichtbar zu machen und den 9. Oktober als Jahrestag der Friedlichen Revolution im kollektiven gesamtdeutschen Geschichtsbewusstsein zu verankern“.

Die Unterzeichner des Briefes betonen, dass mit der Fokussierung auf den 9. Oktober nicht nur das Engagement dieser Menschen gewürdigt werde, sondern dass dies auch die Demokratie in den ostdeutschen Bundesländern fördere. Konkret könnte man im Jubiläumszeitraum bis zum 3. Oktober 2020 ostdeutsche Initiativen auszeichnen, die heute demokratische und wirtschaftliche Entwicklungen in Ostdeutschland aktiv voran bringen. „Damit werden die Ziele der Friedlichen Revolution nicht nur in Jubiläumsfeiern erinnert, sondern in Bezug zur gesellschaftlichen Entwicklung heute gesetzt. Damit stärkt das Erinnern an die Friedliche Revolution auch heute die Demokratie in unserem Land.“

Prominente Unterzeichner sind neben Schwabe und Walther unter anderem der Dresdner Bürgerrechtler Michael Arnold, der Leipziger Pfarrer und Polizeiseelsorger Stephan Bickhardt, die Leipziger Bürgerrechtlerinnen Gesine Oltmanns und Gisela Kallenbach, der Berliner Historiker Rainer Eckert sowie der Leipziger Pfarrer Christoph Wonneberger.

Von Andreas Dunte