Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Rund 150 Minderjährige werden in Sachsen vermisst – Felix ist seit 1984 weg
Region Mitteldeutschland Rund 150 Minderjährige werden in Sachsen vermisst – Felix ist seit 1984 weg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:00 22.05.2020
Einige Kinder und Jugendliche werden bereits seit mehreren Jahren vermisst. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp
Anzeige
Dresden

In Sachsen werden immer wieder Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet. „Die Zahlen sind zwar nur eine Momentaufnahme, weil viele Fälle sich binnen kurzer Zeit klären“, sagte der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), Tom Bernhardt, vor dem Tag der vermissten Kinder (25. Mai) in Dresden. Damit wird alljährlich in Deutschland und vielen anderen Ländern an die Verschwundenen erinnert. Im Freistaat ist - Stand 19. Mai - der Verbleib von 67 Kindern sowie 102 Teenagern zwischen 14 und 17 Jahren ungeklärt. 77 davon waren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Schulnoten und Streit sind Gründe

Nach Angaben der Initiative „Vermisste Kinder“ verschwinden jedes Jahr bundesweit rund 60.000 Minderjährige. „80 bis 90 Prozent der Fälle erledigen sich in den ersten Stunden oder Tagen, bei Jugendlichen kann es auch länger dauern“, sagte Vorstand Lars Bruhns. Die meisten tauchten nach ein paar Tagen, Wochen oder Monaten wieder auf, sie hätten ihr Zuhause selbstbestimmt verlassen - wegen schlechter Schulnoten oder Streit mit den Eltern.

Anzeige

Dann gebe es noch die Fälle von Kindesentzug, oft ins Ausland, vor dem Hintergrund familienrechtlicher Auseinandersetzungen, die eher nicht schnell geklärt werden können.

Felix aus Kinderwagen verschwunden

Nur in einem niedrigen zweistelligen Bereich ist unklar, was passiert ist. „Dahinter kann ein Verbrechen oder Unglück stecken“, sagte Bruhns. Wie in einem der spektakulärsten Fälle auf sächsischem Gebiet: Felix. Der fünf Monate alte Junge war im Dezember 1984 aus seinem vor einem Dresdner Kaufhaus abgestellten Kinderwagen verschwunden. Trotz einer der größten Polizeiaktionen der DDR-Geschichte fehlte jede Spur.

Am 6. Januar 1985 tauchte dann in einem Hausflur ein etwa einjähriger Junge auf. Beweise dafür, dass Angehörige der Sowjetarmee ihr krankes Kind gegen ihn ausgetauscht haben könnten, fanden die Ermittler nicht. Die Tschöks bekamen später zwei weitere Kinder, der Findeljunge wuchs bei Pflegeeltern auf. 2015 wurde die Strafakte geschlossen, „Felix“ läuft als Vermisstenfall weiter.

Bruhns erinnerte zudem daran, dass Anfang April um die 1700 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bundesweit vermisst waren, darunter über 700 Kinder. „Ihre Zahl ist stark zurückgegangen, das Thema aber weiter akut.“

Gedenktag seit 1983

Den Tag der vermissten Kinder am 25. Mai gibt es seit 1983. Ins Leben gerufen hatte ihn der damalige US-Präsident Ronald Reagan im Gedenken an einen Sechsjährigen, der am 25. Mai 1979 in New York auf dem Weg zur Schule verschwand. Später war er für tot erklärt, seine Leiche nie gefunden worden.

Von LVZ

Anzeige