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Mitteldeutschland S-Bahn Mitteldeutschland: Ab Montag gilt ein Ersatzfahrplan
Region Mitteldeutschland S-Bahn Mitteldeutschland: Ab Montag gilt ein Ersatzfahrplan
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20:29 14.08.2019
Ab kommenden Montag gibt es für das mitteldeutsche S-Bahn-Netz einen Notfahrplan. Quelle: André Kempner
Leipzig/Halle

Linienzusammenführung und Pendelverkehr: Ab Montag und bis Ende Oktober gilt im S-Bahn-Netz Mitteldeutschland ein Ersatzfahrplan. Wichtigste Änderung ist die bereits im Juni praktizierte Zusammenlegung der Linien S1 und S6. Die Bahn spricht von „kombinieren“. Dies bedeutet praktisch, dass zwischen Leipzig-Stötteritz und Hauptbahnhof sowie zwischen Hauptbahnhof und Neuer Messe nur noch vier statt sechs S-Bahnen pro Stunde verkehren.

Für drei Abschnitte des über 800 Kilometer langen Netzes wird es einen Pendelverkehr geben. So setzt die Bahn zwischen Halle-Hauptbahnhof und Halle-Trotha, Ruhland und Hoyerswerda sowie Altenburg und Zwickau pendelnde Züge ein.

Für 99 Prozent der Fahrgäste normaler Betrieb

Damit können laut Frank Bretzger (41), Leiter Produktmanagement Mitteldeutschland, acht Fahrzeuge freigelenkt werden, um den Mangel zu reduzieren und vor allem auf der Premiumstrecke zwischen Leipzig und Halle die geforderte Anzahl an Zügen fahren lassen zu können. Immerhin benutzen täglich weit über 25.000 der insgesamt 90.000 diese Verbindung. Bretzger schätzt ein, dass sich für „99 Prozent der Fahrgäste“ in den kommenden Wochen nichts ändern wird. „Ziel ist es, dass der überwiegende Teil der S-Bahn-Kunden auf den wichtigen Strecken gar nichts merkt“, so der Bahn-Manager.

Für zwei besondere Ereignisse in Leipzig im Herbst – das Lichtfest (9. Oktober) und die Messe Modell Hobby Spiel (3. bis 6. Oktober) – bereitet die Bahn im Rahmen ihres Notfahrplans zusätzliche Kapazitäten respektive einen Shuttleverkehr zur Neuen Messe vom oberirdischen Hauptbahnhof vor.

Karte Mitteldeutsche S-Bahn Ersatzkonzept August 2019 Quelle: Deutsche Bahn

Hintergrund des Ersatzfahrplans ist, dass derzeit zehn der insgesamt 80 Fahrzeuge turnusmäßig wie vorgeschrieben neue Radsätze und Fahrmotoren erhalten. Hinzu kommen zwei bis vier weitere Ausfälle und nicht eingeplante Störungen wie vorige Woche, als bei Gröbers (Saalekreis) ein Mähdrescher einen Steinschlag verursachte, der die Frontscheibe eines Zuges durchschlug. Zehn Fahrzeuge wurden laut Bretzger bereits voriges Jahr auf Vordermann gebracht, aktuell gebe es den „sportlichen Plan“, ein bis zwei Fahrzeuge pro Woche fertig zu bekommen. Dabei helfe die Nutzung von Kapazitäten im Werk Halle-Ammendorf und in Magdeburg-Buckau. Die Wartungsarbeiten pro Triebwagen dauerten ungefähr eine Woche.

Auftraggeber besteht auf Vertragserfüllung

Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) als Auftraggeber des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes besteht indes „auf der Vertragserfüllung“ und sieht „die DB Regio AG in der Pflicht, für eine ausreichende Anzahl verfügbarer Fahrzeuge zu sorgen“. Und: „Seit mehreren Wochen verschlechtert sich die Verfügbarkeit der eingesetzten Fahrzeuge. Verantwortlich dafür sind Probleme von DB Regio Südost als Betreiber des Netzes bei der Bereitstellung von Ersatzteilen und Instandhaltungskapazitäten für die Triebfahrzeuge vom Typ Talent 2, die seit Ende 2013 in Mitteldeutschland im Einsatz sind“, heißt es in der ZVNL-Stellungnahme. Zudem gebe es „anscheinend organisatorische Mängel in der Zuführungsplanung zur Werkstatt sowie generell im Flottenmanagement, was umso schwerer wiegt, als es sich um seit Jahren geplante Instandhaltungsmaßnahmen handelt“.

Mindestens zehn Züge mehr benötigt

Die Probleme sind aber umfassender als zunächst gedacht: So können die roten und grünen S-Bahnen nicht miteinander gekoppelt werden, was die Flexibilität einschränkt. Ebenso ist es unmöglich, neue Talent-2-Züge zu bestellen – die Produktion ist ausgelaufen. Die jetzt verfügbaren neuen Talent-3-Fahrzeuge sind wiederum nicht kompatibel mit den derzeitigen Zügen. „Um das aktuelle Netz richtig stabil fahren zu können, benötigen wir mindestens zehn weitere Züge“, erklärte Bretzger. Darüber sei man mit dem Auftraggeber ZVNL im Gespräch. Er hoffe, dass es diesbezüglich noch vor Auslaufen des ersten von zwei Verkehrsverträgen im Jahr 2025 zu Verbesserungen kommen wird.

Kritik vom Fahrgastverband

Kritik am Zustand kommt von Carsten Schulze-Griesbach, für den Fahrgastverband Pro Bahn für den Raum Halle/Leipzig zuständig: „Die Decke ist überall viel zu kurz, seit sechs Jahren wird nichts gemacht.“ Es sei bitter, dass nun schon wieder „Strecken innerhalb Leipzigs kastriert werden“. Der ZVNL ducke sich ab, im Sinne der Fahrgäste und der Entwicklung des ÖPNV gebe es keine Fortschritte. Es sei schwer, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, weil alle Entscheidungsprozesse viel zu lange dauerten. „Dass es überall knirscht, ist nichts Überraschendes“, so Schulze-Griesbach. So seien die ursprünglichen Fahrgastprognosen für das mitteldeutsche S-Bahn-Netz fünfmal nach unten gerechnet und letztlich auf ein Drittel eingedampft worden. Er vermisse aber auch ein Handeln auf politischer Seite mit Blick auf die Zukunft.

Probleme im Netz seit Jahren

Die Kapazitätsprobleme kulminieren immer wieder: Erst vorigen Freitag war eine S5x kurz vor Mittag – standardmäßig zu diesem Zeitpunkt mit einem Drei- und einem Vierteiler unterwegs – nur mit einem Dreiteiler zwischen Halle und Leipzig unterwegs. Folge: Deutlich weniger als die Hälfte der vorgeschriebenen Plätze standen zur Verfügung. Der Zug war letztlich so überfüllt, dass an der Station Flughafen Leipzig/Halle mehreren Fahrgäste der Zustieg nicht möglich war – sie mussten auf die nächste S-Bahn warten.

Seit der Eröffnung im Dezember 2013 hat es immer wieder Probleme mit dem mitteldeutschen S-Bahn-Netz gegeben. Vor gut einem Jahr wurden die Fahrradanzahl nach mehreren Vorfällen reduziert, Mitte Juni dieses Jahres Linien zusammengelegt und immer wieder zu wenige Züge eingesetzt. Zudem fallen seit Jahren Türen und Toiletten aus, und es gibt Probleme mit Graffiti. Ganz zu schweigen von der lange Zeit unmöglichen Reinigung der City-Tunnel-Station Markt, weil beim Bau die dafür notwendige technische Vorrichtung – eine sogenannte Befahrungsanlage – vergessen wurde. Die Prüfung einer automatischen Öffnung der S-Bahn-Türen dauert seit einem Jahr an.

25 Millionen Passagiere befördert

Die S-Bahn Mitteldeutschland befährt laut eigenen Angaben ein 802 Kilometer langes Streckennetz mit 145 Haltepunkten. Insgesamt zehn S-Bahn-Linien verknüpfen Leipzig und Halle mit dem Umland und der Metropolregion Mitteldeutschland. Sieben Linien (S1, S2, S3, S4, S5, S5X, S6) führen durch den Leipziger City-Tunnel, der mit einer Länge von etwa vier Kilometern und zwei unterirdischen Gleisen die vier Tunnelstationen unter der Innenstadt verbindet. Die S-Bahn-Linie 7 in Halle gewährleistet die Anbindung vom Hauptbahnhof nach Nietleben. Die Linien 8 und 9 verbinden von Halle aus die Mittelzentren Bitterfeld, Dessau, Lutherstadt Wittenberg, Delitzsch und Eilenburg.

Auf der Internetseite www.s-bahn-mitteldeutschland.de ist zudem zu lesen: „Die S-Bahn-Linien befahren das Tarifgebiet von vier Verkehrsverbünden – dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV), dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), dem Verkehrsverbund Berlin/Brandenburg (VBB) – sowie der Tarifgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg-Tarif (ABW).“

Laut Deutscher Bahn gibt es für das Gesamtnetz 80 Fahrzeuge vom Typ Talent 2 – davon 55 Dreiteiler (bis zu 150 Sitzplätze), 15 Vierteiler (200 Sitzplätze) und zehn Fünfteiler (224 Sitzplätze). Ihre maximale Geschwindigkeit beträgt 160 Kilometer pro Stunde. Zudem werden vereinzelt weitere Elektrotriebzüge oder Doppelstockwagen mit E-Lok eingesetzt. Im Jahr 2017 wurden knapp 25 Millionen Personen befördert. Jährlich finden über 235.000 Fahrten statt, das sind gut 660 pro Tag.

Weitere Einschränkungen kommen

Die aktuellen Einschränkungen sind übrigens nicht die letzten in diesem Jahr. Für das gesamte S-Bahn-Netz dürfte es erneut zu Hindernissen kommen, wenn vom 26. November bis 2. Dezember der hallesche Hauptbahnhof teilweise oder voll wegen der Netzeinbindung des dann fertigen Westteils gesperrt wird. In Leipzig soll es in diesem Jahr keine Knotensperrung mehr geben, allerdings steht im Südraum zwischen Connewitz und Neukieritzsch vom 26. bis 29. September das Signal auf Rot. Zudem ist vom 21. bis 25. Oktober eine Nachtsperrung des S-Bahn-Netzes vorgesehen.

Änderungen gibt es zudem ab dem Fahrplanwechsel im Dezember. Dann wird die S3 nach Wurzen durchgebunden. Außerdem soll die S4 dann in Markkleeberg enden.

Informationen gibt es an den Aushängen auf den Bahnhöfen, unter der Service-Nummer 0180 6996633 (20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk maximal 60 Cent pro Anruf), auf MDR-Texttafel 738 und im Internet unter www.bahn.de/bauarbeiten sowie www.s-bahn-mitteldeutschland.de.

Von Martin Pelzl

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