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Mitteldeutschland Sachsens Linke stürzt ab: „Müssen fragen, warum wir den Wähler nicht mehr erreichen“
Region Mitteldeutschland Sachsens Linke stürzt ab: „Müssen fragen, warum wir den Wähler nicht mehr erreichen“
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21:12 01.09.2019
Sachsens Linke hat eine schwere Niederlage bei Landtagswahlen erlebt. Bei den ersten Hochrechnungen herrschte Totenstille auf der Wahlparty im Dresdner Ostrapark. Quelle: Matthias Puppe
Dresden

Das Ergebnis der Landtagswahlen hat Sachsens Linke am Sonntag in eine schwere Krise gestürzt. Mit 10,3 Prozent der Stimmen hat die Partei nicht nur das schlechteste Wahlergebnis seit 1990 im Freistaat geholt. Im Vergleich zu den vergangenen Urnengängen bedeutetet der Absturz auch nahezu eine Halbierung der Wählergunst.

Als die ersten Hochrechnungen am Sonntagabend auf der Linken-Wahlparty im Dresdner Ostrapark einliefen, herrschte Totenstille unter den etwa 100 Wohlgesonnen. Auch Minuten später war die Fassungslosigkeit noch allgegenwärtig. Landesvorsitzende Antje Feiks mühte sich sichtlich durch ihre erste Stellungnahme. „Wir haben im Wahlkampf klare Kante gezeigt, aber wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass dies nicht aufgegangen ist“, sagte die 39-Jährige.

Die Linke habe ganz klar eine Veränderung im Freistaat angestrebt, „aber mit diesem Ergebnis wird dies nicht möglich sein“, so Feiks weiter. Warum die Wähler den Linken weniger das Vertrauen geschenkt haben, dazu wollte sie noch nicht spekulieren. „Das ist wie bei einem Fußballspiel direkt nach Abpfiff. Wir werden das erst in den kommenden Wochen analysieren“, so Sachsens Linken-Chefin.

Kritik an Wagenknechts Aufstehen-Kampagne

Deutlichere Worte fand dagegen bereits Marika Tändler-Walenta, Linken-Kandidatin in Mittelsachsen, und angesichts eines aussichtsreichen fünften Listenplatzes sicher im neuen Parlament. „Wir hatten eine gute Wahlkampagne, dennoch muss man sagen: Wir haben acht Prozent verloren. Das heißt nun, wir müssen Veränderungen vornehmen, wir müssen die Strukturen verändern und uns auch klar positionieren“, so Tändler-Walenta.

Diese Aufarbeitung dürfe dabei nicht nur die Linke in Sachsen betreffen. Sahra Wagenknechts inzwischen gescheiterte Bewegung ‚Aufstehen‘ habe eine klare Positionierung der Partei durchkreuzt. „Ich denke, wir müssen auf Bundesebene viele tiefgreifende Gespräche führen“, so die gebürtige Leisnigerin gegenüber der LVZ.

André Hahn: Ergebnis ist ein herber Rückschlag

Der langjährige Oppositionsführer im Sächsischen Landtag und jetzige Linken-Bundestagsabgeordnte André Hahn sagte: „Das Ergebnis ist ein ganz herber Rückschlag. Man kann darauf verweisen, dass die Regierungskoalition massiv verloren hat und es eine Schlappe für CDU und SPD ist. Nur, wir haben als Oppositionspartei davon überhaupt nicht profitiert. Wir müssen uns die Frage stellen, warum wir mit unseren politischen Botschaften sehr viele Menschen nicht mehr erreicht haben.“ Die neue Situation im künftigen Sächsischen Landtag sei ein großes Problem für seine Partei, so Hahn weiter. „Vor allem, weil wir so viele wichtige Abgeordnete nicht mehr im Parlament haben werden.“

Spitzenkandidat: Persönliche Niederlage für mich

Linken-Spitzenkandidat übernahm am Sonntagabend Verantwortung für die Wahlschlappe: "Wir haben eine dramatischen Verlust hingenommen. Das Wahlergebnis ist eine Katastrophe, es ist auch eine persönliche Niederlage für mich", sagte er gegenüber der LVZ.

Die Linke habe mit den Themen Wahlkampf gemacht, von denen sie dachten, sie seien für die Bevölkerung wichtig. „Das hat sich aber nicht bei den Wählern verfangen. Meine These heute Abend ist: Das Duell zwischen AfD und CDU hat inhaltliche Themen überdeckt", so Gebhardt weiter.

Bei den Landtagswahlen 2014 war die Linke noch auf 18,9 Prozent der Stimmen gekommen, beim Urnengang 2004 erreichte die Partei sogar 23,6 Prozent. Vor vier Jahren war die Leipzigerin Juliane Nagel als einzige Linke im Freistaat mit ihrem gewonnen Direktmandat in die Phalanx der CDU gebrochen. Am Sonntagabend galt es als wahrscheinlich, dass Nagel diesen Erfolg wiederholen konnte. In anderen Wahlkreisen mit aussichtsreichen linken Kandidaten war das Rennen noch nicht entschieden.

Von Matthias Puppe

Die AfD hat am Sonntagabend ihren Protest gegen das Wahlergebnis in Sachsen angekündigt. Die Partei darf nur mit 30 Listenkandidaten in den Landtag einziehen, obwohl ihr laut Hochrechnungen mehr Mandate zustehen.

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