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Mitteldeutschland Sachsen backt bei Neuansiedlungen jetzt kleinere Brötchen
Region Mitteldeutschland Sachsen backt bei Neuansiedlungen jetzt kleinere Brötchen
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19:41 12.06.2019
Dürfte wohl die letzte Großansiedlung in Sachsen sein: Grundsteinlegung für die neue Chip-Fabrik von Bosch in Dresden im Juni 2018. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Manche Sätze muss man zweimal sagen, bevor sie stimmen. Schon vor drei Jahren hatte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) verkündet: „Die Zeiten der Großansiedlungen sind vorbei.“ Damals wurde er noch eines besseren belehrt: Bosch kündigte wenig später an, in Dresden eine riesige Chip-Fabrik zu bauen. Geplante Fertigstellung: 2021.

Am Mittwoch verkündete Dulig nun erneut: „Die Zeiten der Großansiedlungen sind vorbei“ – und dieses Mal wohl wirklich, wie er hinzufügte. „So stolz wir darauf sind, dass mit Bosch eine große Ansiedlung gelungen ist – die Zeiten, in denen man hoffen konnte, dass große Unternehmen kommen, diese Zeiten sind nun wirklich vorbei.“

Mehr Neuansiedlungen, aber weniger Investitionen und Jobs

Die Zahlen, die Dulig am Mittwoch zusammen mit dem Chef der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS), Thomas Horn, in Dresden präsentierte, gaben dem Minister recht: Zwar gelangen 2018 sachsenweit 20 Neuansiedlungen und Firmenerweiterung – eine mehr als im Jahr zuvor. Doch die Projekte fielen im Schnitt deutlich kleiner aus als im Vorjahr. Statt der 1,45 Milliarden Euro von 2017 wurden nur 142 Millionen Euro investiert. Und dadurch entstanden 361 Jobs. Im Vorjahr waren es noch 1807 gewesen.

Grund für die Rekordwerte 2017 war vor allem die neue Chip-Fabrik von Bosch, die allein mit einer Milliarde Euro und 700 Arbeitsplätzen zu Buche schlug. „Das war schon ein großer Ausreißer“, sagte Horn, der erst seit November an der Spitze der WFS steht. „Das kann man nicht jedes Jahr haben.“

Airbus-Zulieferer Acosa baut Werk in Kodersdorf

Die größte Neuansiedlung des vergangenen Jahres war der Airbus-Zulieferer Acosa: Für 40 Millionen Euro hat die Tochter der Elbe-Flugzeugwerke in Kodersdorf bei Görlitz ein neues Werk hochgezogen. 150 Jobs entstanden dort neu. Und im vogtländischen Oelsnitz startete die Böllhoff-Gruppe mit dem Bau ihres europäischen Logistikzentrums mit 120 Mitarbeitern.

Mit dem Abschied von den Großansiedlungen änder sich auch der Fokus der Wirtschaftsförderung, sagte Dulig. „Jetzt geht es darum, Firmen nach Sachsen zu holen, die zu unsere Struktur passen.“ Und die sei nun einmal geprägt von vielen kleinen Unternehmen. Hier wollen man jetzt gezielt Lücken schließen. „Es geht um die Vervollständigung innovativer Wertschöpfungsketten.“

Und zwar in fünf Branchen: Neben den bereits starken Bereichen Automobil, Mikroelektronik, Maschinenbau und Energietechnik nimmt Horn dabei jetzt ein fünftes Segment in den Fokus: Den Bereich Life Sciences, unter dem die Wirtschaftsförderung Biotechnologie und Pharma zusammenfasst.

US-Biotech-Firma Genewiz zieht nach Leipzig

Einen ersten Erfolg konnte die Wirtschaftsförderung hier schon verbuchen: Der US-Genomik-Dienstleister Genewiz errichtet in Leipzig seine Europa-Zentrale – und zwar im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus in Leipzig-Wiederitzsch. Nur wenige Monate habe es von der Standortentscheidung bis zu Eröffnung im September gedauert. „Die Ansiedlung passt hervorragend zu den bereits bestehenden Clusterstrukturen“, lobte Horn. Zwar wurden zunächst nur fünf Millionen Euro investiert und 20 Jobs geschaffen, doch: „Wir sehen dort in den nächsten Jahren eine große Wachstumsperspektive.“

Genewiz war allerdings auch die einzige Neuansiedlung des Jahres in Leipzig. Je eine weiteres Projekt gab es in Brandis (Kreis Leipzig), Schkeuditz und Mügeln (beide Nordsachsen). Klarer Schwerpunkt war dagegen Ostsachsen: Allein acht der sachsenweit 20 Projekte entfielen auf Dresden, sechs weitere die ostsächsischen Landkreise Bautzen, Görlitz und Sächsische Schweiz-Ostererzgebirge. Chemnitz dagegen ging ganz leer aus, Zwickau und der Vogtlandkreis sind je einmal vertreten.

Von den insgesamt 20 Projekte, die die Wirtschaftsförderung unterstütze, waren neun Neuansiedlungen und elf Erweiterungen bestehender Standorte. Insgesamt wurden dabei sogar 291 Standorte angeboten. Denn nicht immer habe es am Ende auch geklappt, sagte Horn – und oft wurden den Firmen auch mehrere Standorte im Freistaat angeboten.

Investoren retten Waggonbau Niesky und Autozulieferer Küpper

In drei Fällen wurden Firmen, die vor dem Aus standen, gerettet. 538 Jobs blieben dadurch erhalten – zusätzlich zu den 361, die anderswo neu entstanden. Größter Erfolg war dabei die Rettung des Waggonbaus Niesky in der Oberlausitz im September 2018. Für das insolvente Unternehmen wurde Tatravagónka aus der Slowakei als Investor gefunden. „300 Jobs wurden damit gesichert“, sagte Horn. Fast 200 Jobs waren es beim ebenfalls insolventen Autozulieferer Küpper aus Cunnewalde bei Bautzen. Dort stieg Anfang 2018 PCS aus Thailand ein.

Auch für 2019 konnte Horn bereits erste Erfolge vermelden: In Görlitz baut das Schweizer Medizintechnik-Unternehmen Yellow Tec einen neuen Standort mit 60 Mitarbeitern, in Hoyerswerda der Industriedienstleister Leadec einen Standort mit 80 Mitarbeiter. Und der chinesische Gießereimaschinengersteller Minghzi verlegt seine Europazentrale von Leipzig-Großzschocher nach Markranstädt-Großlehna. Zehn Millionen Euro werden dort investiert, die Mitarbeiterzahl soll sich binnen drei Jahr von gut 20 auf rund 50 verdoppeln.

Wirtschaftsförderung will Netzwerke stärken und Exporte ankurbeln

Das Anlocken von Investoren sieht Horn dabei längst nicht mehr als seine Hauptaufgabe an. „Wirtschaftsförderung ist heute mehr als nur die Unterstützung von Neuansiedlungen. Es geht viel mehr um Branchen- und Netzwerkarbeit.“ Dabei gehe es etwa um eine bessere Zusammenarbeit der Betriebe, um die Unterstützung von Messeauftritten und Hilfen beim Erschließen neuer Auslandsmärkte.

Denn bisher sei nur jeder zwölfte sächsische Mittelständler im Ausland aktiv, sagte Dulig: „Gerade kleine Firmen nutzen ihr Potenzial im Export noch nicht voll aus.“ Das wolle man mit gezielter Unterstützung durch die landeseigene Wirtschaftsförderung nun ändern. „Wir sind noch nicht vergleichbar mit Baden-Württemberg. Aber Stück für Stück entwickelt es sich.“

Von Frank Johannsen

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