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Mitteldeutschland Sachsen lockt mit 1000 Euro Zulage aufs Land
Region Mitteldeutschland Sachsen lockt mit 1000 Euro Zulage aufs Land
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19:08 15.01.2019
Sachsen will junge Lehrer mit 1000 Euro Zulage aufs Land locken. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Dresden

Um mehr junge Lehrer aufs Land zu bekommen, führt der Freistaat Sachsen ab 1. August 2019 eine Sonderzulage ein: Wer sich verpflichtet, nach dem Referendariat für fünf Jahre an einer staatlichen oder freien Schule in einer sogenannten Bedarfsregion zu arbeiten, erhält während der letzten Ausbildungsphase monatlich gut 1000 Euro brutto zusätzlich – das sind insgesamt knapp 20 000 Euro extra. Eine weitere Voraussetzung ist, dass dieses Referendariat ebenfalls in einer ländlichen Region absolviert wird.

Bestbezahlte Anwärter

„Damit soll es uns besser als bisher gelingen, Lehrernachwuchs an Bedarfsregionen zu binden“, erklärt Kultusminister Christian Piwarz (CDU), „wer den Anwärterzuschlag bekommt, gehört zu den bestbezahlten Referendaren in ganz Deutschland.“ Daneben werden auch zwei neue Ausbildungsstätten für angehende Grundschullehrer in Annaberg-Buchholz und Löbau bis zum neuen Schuljahr eingerichtet.

Der Freistaat löst damit ein Versprechen aus dem Frühjahr 2018 ein: Im damals vorgestellten Handlungsprogramm war der Zuschlag bereits für 2019 angekündigt worden. Das Kultusministerium stand deshalb unter Zugzwang. Noch in der Vorwoche hatte das Ministerium gegenüber der „Freien Presse“ einräumen müssen, dass es bislang keine abschließende Entscheidung über die Ausgestaltung des neuen Programms gebe. Piwarz begründet die Verzögerung nun mit dem erst Mitte Dezember erfolgten Haushaltsbeschluss sowie der notwendigen Festlegung, was als Bedarfsregion angesehen werden kann.

Tatsächlich will der Freistaat weitaus tiefer in die Tasche greifen als bislang vorgesehen war. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgereizt – sowohl finanziell als auch territorial. Das ist das Maximum, wir gehen an die absolute Grenze“, macht der Kultusminister klar. Dazu gehört zum einen, dass die Zulage nicht – wie im Handlungsprogramm geplant – zwei Millionen Euro pro Jahr, sondern bis zu zehn Millionen Euro kosten kann. Zum anderen wurde nahezu der gesamte Freistaat als Bedarfsregion ausgewiesen. Eine Ausnahme bilden nur die Ballungsgebiete Leipzig und Dresden – die Regionen, die gemeinhin als „Speckgürtel“ zusammengefasst werden. Im Leipziger Fall betrifft dies unter anderem Schkeuditz, Taucha, Bennewitz, Markranstädt und Zwenkau. Für den Dresdener Raum wird die Zulage zum Beispiel auch in Meißen, Radeberg, Pirna, Kreischa, Tharandt und Coswig nicht gezahlt. Bislang hat jeder Referendar unabhängig vom Einsatzort einen Aufschlag von 390 Euro brutto erhalten, um die Nettolücke im Vergleich zu anderen Bundesländern zu schließen.

Starke Lenkungsfunktion

Piwarz erwartet, dass durch den Aufschlag, der zum Grundgehalt von 1500 Euro brutto überwiesen wird, deutlich mehr Lehrernachwuchs nach dem Studium in Sachsen arbeitet – und vor allem aufs Land geht und dort auch Wurzeln schlägt. „Natürlich hoffen wir auf eine starke Lenkungsfunktion und auf einen Klebeeffekt“, sagt der Kultusminister. Aktuell bleibt nur etwa jeder zweite in Sachsen ausgebildete Lehramtsstudent dem Freistaat treu. Hinzu kommt, dass die übergroße Mehrheit ausschließlich in Leipzig oder Dresden ein Referendariat absolvieren oder als Lehrer arbeiten will. In Sachsen gibt es maximal 2050 Anwärterstellen, von denen zu Jahresbeginn 1534 besetzt gewesen sind. Laut Kultusministerium sollen in diesem Jahr insgesamt noch etwa tausend Referendare eingestellt werden. „Ich bin gespannt auf die Nachfrage zu unserem neuen Angebot“, sagt Piwarz.

Für Referendare, die bereits zum laufenden Schuljahr – im August 2018 oder zum Februar 2019 – ihre Ausbildung an den Schulen begonnen haben und sich für einen Einsatz auf dem Land verpflichten wollen, sind Sonderregelungen vorgesehen. Laut Kultusministerium können auch sie den Zuschlag erhalten, wobei sich dann der Zeitraum einer festen Bindung verkürzt. Es müsse niemand befürchten, leer auszugehen, so der Kultusminister. Parallel zu der Land-Verpflichtung samt Zulage wird es auch das herkömmliche Referendariat weiter geben, stellt Piwarz klar: „Jeder ist willkommen, auch wenn man das neue Angebot nicht annimmt. Wir brauchen jeden.“

www.bildung.sachsen.de/blog

Von Andreas Debski

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