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Mitteldeutschland Sachsen will mehr zahlungskräftige Touristen aus China locken
Region Mitteldeutschland Sachsen will mehr zahlungskräftige Touristen aus China locken
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23:01 24.11.2017
Quelle: Ronald Bonss
Nanjing

Martin Dulig legt den großen Gang ein. Sachsens Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident tritt auf der Stadtmauer von Nanjing – mit 36 Kilometer eine der längsten der Welt – bei eiskaltem Gegenwind in die Pedale. Der sportliche Auftritt des SPD-Politikers ist mehr als eine Geste, die von den radbegeisterten Chinesen entsprechend honoriert wird: Sachsen wirbt in diesen Tagen im Reich der Mitte, um zahlungskräftige Touristen anzulocken. „Die Anzahl der Chinesen, die nicht nur Pauschalreisen buchen, sondern bereit sind, mehr Zeit und Geld zu investieren, nimmt deutlich zu. Wir wollen von diesem Kuchen ein größeres Stück als bislang abhaben“, erklärt Martin Dulig sein Engagement.

Tatsächlich kommen immer mehr Menschen aus dem Reich der Mitte in den Freistaat. Allein im vergangenen Jahr betrug der Zuwachs gut zwölf Prozent – auf 35 000 Besucher bei rund 60 000 Übernachtungen. Das Land war in den vergangenen Jahren der Markt mit den höchsten Zuwächsen aus sächsischer Sicht. Zum Vergleich: In Deutschland insgesamt gab es ein Minus von 2,2 Prozent bei den chinesischen Gästen.

Das heißt auch: Es geht längst nicht mehr nur um das City-Hopping – darum, möglichst viel in wenigen Tagen sehen zu können, sagt Victor Xu, der für die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) als Repräsentant in China arbeitet. „Man bleibt inzwischen auch für ein oder zwei Tage in Städten wie Dresden oder Leipzig. Für diejenigen, die zum ersten Mal nach Europa kommen, stehen zwar große Städte wie Paris oder London und in Deutschland München, Hamburg oder Berlin im Vordergrund. Die Chance für Sachsen liegt in Angeboten für kleinere Rundreisen, in einer Verbindung von Kultur und Natur.“ Dabei wird versucht, den Freistaat mit nahen Zielen wie Prag, Breslau und Berlin zu verbinden.

Deshalb wuchert Martin Dulig mit Pfunden, die den Chinesen einerseits eine Exklusivität versprechen, und zum anderen originär für Sachsen stehen. Die Stichworte lauten unter anderem Johann Sebastian Bach und Richard Wagner, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, Sächsische Schweiz und Erzgebirge, Meissener Porzellan und Glashütte-Uhren, BMW und Porsche. „Wir brauchen auch mehr individuelle, maßgeschneiderte Angebote. Beispielsweise ist Bach weltbekannt, natürlich auch in China. Das können und müssen wir besser für uns als Reiseland nutzen“, macht Martin Dulig klar. „Das Interesse ist groß, da viele wohlhabende Chinesen sehen wollen, wo ihre Luxusgüter entstehen.“

In Nanjing, seit 1988 die Partnerstadt von Leipzig, radelt der Minister nicht nur auf der Stadtmauer, sondern überreicht unter anderem eine CD mit Werken von Johann Sebastian Bach, die Ludwig Güttler in der Dresdner Frauenkirche eingespielt hat, und treibt eine Zusammenarbeit zwischen dem Stadtmauer-Museum und der Festung Königstein voran. Bis Anfang November war in der Sächsischen Schweiz eine große Schau über Nanjing zu sehen – in zwei Jahren soll das neue Museum in der chinesischen Elf-Millionen-Metropole mit einer Ausstellung über Königstein eröffnet werden. „Wir wollen noch stärker zusammenarbeiten“, kündigt Wenying Yan, die Vizedirektorin des Stadtmauer-Museums, an. Dabei soll es auch viel mehr um Tourismus gehen, sagt Wolfgang Gärtner, der bei der TMGS für das internationale Marketing zuständig ist.

Allen ist klar, dass der Wunsch das eine ist – die Realität aber die andere Seite. Deshalb müssen sich die Sachsen auch auf Besonderheiten einstellen, die Touristen aus China von Gastgebern erwarten. „Wir lieben Authentisches“, erklärt der sächsische Werbebotschafter Victor Xu, „dazu gehören Bauwerke genauso wie Möglichkeiten, ausgiebig einkaufen zu können, sowie das Essen. Jeder möchte wenigstens einmal Schnitzel, Haxe und Bier probieren.“ Allerdings, so schränkt Victor Xu, ein: Da es in China üblich ist, drei Mal am Tag in Gesellschaft warm zu essen, sollte dies auch in Sachsen möglich sein – und zwar im asiatischen Original. „Da gibt es noch Nachholebedarf“, meint Victor Xu.

Werbemäßig sind die Sachsen allerdings auf einem guten Weg, wie die Reise durch das Land des Lächelns zeigt. In Shanghai gibt es sogar erstmals ein Treffen mit dem größten staatlichen chinesischen Reiseanbieter CITS und mit weiteren gefragten privaten Veranstaltern. TMGS-Auslandschef Gärtner stellt unter anderem die „Saxony“-Kampagne vor. Bei Bildern von der Bastei und der Semperoper, von Bach und der Thomaskirche geht immer wieder eine Raunen durch die Zuschauer – es scheint, dass die Werbung ankommt.„Wenn wir es schaffen, dass die großen Anbieter Deutschland generell in ihre Programme aufnehmen und dann bei diesen Rundreisen ein oder zwei Stationen in Sachsen ansteuern, sind wir ein großes Stück weitergekommen“, hofft Martin Dulig.

Zielgruppe ist neben der Ober- auch die gehobene Mittelschicht, häufig Lehrer und Professoren, oder auch Parteikader, die sich den Trip nach Deutschland und insbesondere Sachsen leisten können. Denn die Reisen sind für chinesische Verhältnisse keineswegs Schnäppchen: Aktuell liegen die Preise für eine Woche in Europa bei gut 1000 Euro, was je nach Landesteil zwei bis drei Monatslöhnen eines Arbeiters entspricht.

Von Andreas Debski

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