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Mitteldeutschland Sachsen investiert Millionen in neue Forschungsinstitute
Region Mitteldeutschland Sachsen investiert Millionen in neue Forschungsinstitute
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13:59 10.12.2019
Das Kraftwerk Boxberg der Lausitzer Energie Kraftwerke AG ist einer der größten Arbeitgeber in der Lausitz. Im Zuge des Strukturwandels könnten Braunkohlekraftwerke zu riesigen Energiespeichern werden, sagen Lausitzer Forscher voraus. Quelle: Daniel Schäfer/dpa
Dresden

Sachsen fördert die Ansiedlung wissenschaftlicher Zentren zur Energieforschung in der Lausitz. Um den Strukturwandel voranzubringen, beteiligt sich der Freistaat allein in diesem und im nächsten Jahr mit rund elf Millionen Euro an der Förderung neuer Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Dresden und Zittau. Für den Aufbau des DLR-Instituts für kohlendioxidarme Industrieprozesse sind jährlich 1,2 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung. Etwa ebenso viele Mittel steuert das Land Brandenburg bei, da in Cottbus gleichzeitig ein Kompetenzzentrum für kohlendioxidarme Industrieprozesse entstehen soll. Mit 18 Millionen Euro übernimmt der Bund rund 90 Prozent der Finanzierungskosten.

Virtuelle Labore aus Dresdner Supercomputer

Um die deutsche Luftfahrt-Industrie konkurrenzfähiger zu machen, wird außerdem in ein Dresdner Forschungszentrum investiert. Das DLR-Institut für Softwaremethoden zur Produkt-Virtualisierungsoll auf Hochleistungs-Rechnern virtuelle Labore aufbauen, in denen Ingenieure Flugzeuge, Autos und andere Hightech-Produkte schneller, umweltfreundlicher und billiger entwickeln können. Das Wirtschaftsministerium fördert dieses DLR-Institut mit insgesamt 9,5 Millionen Euro.

Chance für sächsische Unternehmen

Das länderübergreifende Institut für dekarbonisierte Industrieprozesse richtet seinen Fokus auf den Umweltschutz. „Es ist eine riesengroße Chance für uns, internationale Forscherinnen und Forscher nach Sachsen zu holen“, betonte Dulig. Die Anwerbung qualifizierter Mitarbeiter liege zwar in der Verantwortung des DLR, werde aber von der sächsischen Regierung nach Kräften unterstützt. Dabei habe sein Ministerium auf dem Wissenschaftsstandort bestanden: „Wir haben die Lausitz promotet“, sagte der Minister mit Blick auf Zittau und Cottbus. Man könne zwar nicht Unternehmen künstlich ansiedeln, aber die erforderliche Infrastruktur schaffen. „Die neuen Forschungsabteilungen werden die Innovationsfähigkeit einheimischer Unternehmen unterstützen“, so Dulig. „Als Land der Offenheit, der Neugier und des Erfindergeistes ist Sachsen der beste Ort, um Zukunftsthemen zu erforschen und in die Praxis umzusetzen.“

Dampferzeuger als große Energiespeicher

„Der sächsische Standort Zittau wird sich vorrangig mit der CO2-Reduktion von energieintensiven Industrieprozessen befassen“, erklärte Institutsleiter Uwe Riedel auf LVZ-Anfrage. Als Beispiele aus der Praxis nannte der Lehrstuhlinhaber der Universität Stuttgart Schmelzprozesse wie in der Stahl- oder Zementindustrie. „Durch neue Höchstleistungswärmepumpen aus Sachsen könnte Öko-Strom effizient in Wärme umgewandelt, tagelang in Dampferzeugerkreisläufen gespeichert und wieder als Strom ans Netz abgegeben werden“, beschrieb er eine der wissenschaftlichen Thesen. Das DLR-Institut soll dazu die Umrüstung eines bestehenden Kohlekraftwerks in ein CO2-emissionsarmes Speicherkraftwerk erproben. So könnten große Teile der Kraftwerksinfrastruktur und der Arbeitsplätze erhalten werden. Um welchen Kraftwerksstandort der Lausitz Energie AG (LEAG) es dabei geht, sei bislang offen. „Mit den Forschungen stehen wir noch am Anfang“, warnte Riedel vor übertriebenen Erwartungen. Insgesamt rund 120 Wissenschaftler sollen daran mittelfristig mitwirken.

Förderung für strukturschwache Region

„Auf diesem Wege werden hoch qualifizierte Jobs und neue Kaufkraft in die Lausitz gebracht“, versprach Riedel, der das Institut seit einem halben Jahr kommissarisch leitet. Mit der Neuansiedlung werde die Lausitz zum Knotenpunkt für die Entwicklung CO2 -armer Technologien. Die Verzahnung von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft werde bewusst in der strukturschwachen Region befördert. Ein internationales Expertengremium hatte im vorigen Frühjahr bescheinigt, dass der Forschungsbereich Dekarbonisierung ein hoch aktuelles Thema bei der Transformation heutiger Energiesysteme in die Zukunft ist.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Sachsen besteht aus 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, in denen rund 7000 Mitarbeiter 1,4 Milliarden Euro erwirtschaften.

Der Bund will die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen zusammen mit den Ländern bis zum Jahr 2038 beim Strukturwandel unterstützen. Zu diesem Zweck wurde für die Jahre 2019 bis 2021 ein Sofortprogramm für die Braunkohleregionen aufgelegt. Dafür stehen im Rahmen bestehender Bundesprogramme kurzfristig insgesamt 240 Millionen Euro bereit. Für die längerfristige Unterstützung des Strukturwandels hat der Bund das „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ mit einem Finanzvolumen in Höhe von insgesamt 40 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.

Von Winfried Mahr

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