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Mitteldeutschland Sächsischer Rentner: nicht reich, aber familiär
Region Mitteldeutschland Sächsischer Rentner: nicht reich, aber familiär
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15:40 12.11.2018
Besser Altern im Westen? Senioren auf einer Bank am Ammersee in Bayern. Quelle: Volker Derlath/epd
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Leipzig

Sachsen und die anderen neuen Bundesländer bieten älteren Menschen im Vergleich zum Westen nur unterdurchschnittliche Lebensbedingungen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Good Aging Index“, ein Vergleichswert über die Qualität des Alterns, der im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft ermittelt wurde. Danach erreicht Sachsen lediglich Rang 13, Thüringen Rang 15 und Sachsen-Anhalt sogar nur Rang 16 im Ranking. An der Spitze der Skala stehen hingegen das Saarland, Bremen und Niedersachsen.

Die beiden Sozialwissenschaftler Jürgen Bauknecht und Uwe Remer-Bollow haben für den „Good Aging Index“ vorhandene Studien und Erhebungen aufbereitet und insgesamt 30 Indikatoren verglichen, wobei die finanzielle Lage eine wichtige Rolle spielt. Verglichen wurden aber auch das gesunde Altern und die soziale Teilhabe. So wird beispielsweise die Qualität der Pflegeheime in Sachsen im Bundesländervergleich als sehr hoch (Platz 3) eingeschätzt, während die Lebenszufriedenheit (Platz 13) eher hinterherhinkt. Weitere Indikatoren sind unter anderem der Gesundheitszustand, das gefühlte Alter und die Rest-Lebenserwartung.

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„Einige Indikatoren messen den materiellen Wohlstand oder hängen indirekt davon ab“, sagt Bauknecht. Die schlechte Platzierung der ostdeutschen Bundesländer sei daher keine Überraschung, da dort die Älteren über geringere Vermögen verfügten und auch die Länder weniger Mittel für den Ausbau der sozialen Infrastruktur besäßen. So hat nur jeder Zweite zwischen Leipzig und Görlitz genügend finanzielle Mittel, um sich seine Bedürfnisse im Rentenalter erfüllen zu können. Zum Vergleich: im Saarland sind es rund 88 Prozent. Zudem falle in Sachsen das unterdurchschnittliche gesellschaftliche Engagement ins Auge, monieren Bauknecht und Remer-Bollow. Ältere pflegten zwar guten Kontakt zu Familien und Freunden und liegen damit an der Spitze im Bundesländervergleich. In Seniorengruppen aktiv sind jedoch deutlich weniger als im bundesweiten Durchschnitt. Zudem fehle es an Optimismus und Lebenszufriedenheit. Mehr noch: die empfundene soziale Inklusion ist nirgendwo niedriger.

Immerhin – das Geld entscheide nicht allein über die Platzierung, relativieren die Autoren. Denn: „Im Westen greift das gewohnte Wohlstandsgefälle von Süd nach Nord beispielsweise nicht“, muss Remer-Bollow einräumen. Und tatsächlich nehmen gerade in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) Mitteldeutschland mehr Versicherte bewusst Abschläge in Kauf, um vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Das habe auch mit den höheren Rentenansprüchen der Frauen im Osten zu tun, sagt Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut Dresden. „Eine Rente mit Abschlägen kann man sich eher leisten, wenn zwei Rentenbezieher mit hohen Bezügen in einem Haushalt leben.“ Der Grund liege in den Erwerbsbiografien zu DDR-Zeiten; anders als im Westen waren Frauen stark in das Erwerbsleben eingebunden. Und: Im Osten lebe man ja billiger.

Die Renten in Ost und West sollen bis 1. Januar 2025 vollständig angeglichen werden.

Von Roland Herold