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Mitteldeutschland So lief die erste Klimakonferenz der sächsischen Schüler in Leipzig
Region Mitteldeutschland So lief die erste Klimakonferenz der sächsischen Schüler in Leipzig
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11:14 23.06.2019
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach mit den Schülern über ihre konkreten Forderungen. Quelle: Matthias Puppe
Leipzig

Mehr als 500 Kinder und Jugendliche aus ganz Sachsen haben am Samstag in Leipzig an der ersten Schüler-Klimakonferenz im Freistaat teilgenommen. In Gruppen wurden 54 Thesenpapiere mit Fragen und Forderungen ausgearbeitet, die im Anschluss an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) übergeben wurden. Zuvor hatte sich der Unionspolitiker während einer zum Teil hitzigen Debatte einigen der Fragen auch direkt gestellt.

Wer hat diese Klimakonferenz organisiert?

Die Veranstaltung fand auf dem Campus Jahnallee der Universität Leipzig statt und war, wie es hieß, „eine gemeinsame Idee von Sächsischem Staatsministerium und Landesschülerrat (LSR)“. Die Klimabewegung „Fridays for Future“ (F4F) und andere Umweltinitiativen waren an dieser Konferenz nicht beteiligt. In einer Stellungnahme forderte die Klimagruppe Sachsens Ministerpräsidenten Kretschmer auf, „Handeln statt zu Reden“ und sich ihren sechs Kernforderungen anzunehmen.

Sächsische Schüler diskutieren am Sonnabend in Leipzig, welche Strategien dabei helfen, dem Klimawandel entgegen zu treten.

Wer hat neben den Schülern an der Konferenz teilgenommen?

Die Klimakonferenz der sächsischen Schüler wurde von Bildungsminister Christian Piwarz (CDU), Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut Mangold (SPD) sowie der Uni-Rektorin Beate Schücking eröffnet. Am frühen Nachmittag stieß auch noch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hinzu. Politiker anderer Parteien waren nur als Beobachter dabei. Bei ihren Beratungen in den Diskussionsgruppen erhielten die Schüler Unterstützung von zahlreichen Wissenschaftlern, darunter Georg Teutsch Geschäftsführer am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Johannes Vogel, Leiter des Berliner Naturkundemuseums und Ricarda Winkelmann vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam.

Die Besatzung des deutschen Forschungsschiffs Polarstern wurde per Skype hinzugeschaltet und beantwortete ebenfalls Fragen der Schüler. Parallel zur Diskussion hatte die Landesregierung mehrere Initiativen eingeladen, sich an Info-Ständen vorzustellen. Darunter waren Michael Hardt vom Landesverband der Imker, der mit einem echten Bienenvolk gekommen war, Ludwig Hentschel vom Projekt „Wertvoll“, der sich für den Schutz des Trinkwasser in Leipzig engagiert und Luise Böttcher vom Verein Arche Nova, die Klima-Spiele für Schulklassen organisiert.

Mit welchen Vorstellungen waren die Schüler gekommen?

Der Landesschülerrat hatte fünf Themenfelder vorgegeben: Mobilität der Zukunft, Energiewende, klimabewusstes Konsumieren, klimafreundliche Schule und wie man selbst etwas ändern kann. Lina (15 Jahre) aus Leipzig forderte die Einführung einer CO2-Steuer und wollte darüber sprechen, wie das eingenommene Geld sinnvoll für den Klimaschutz ausgegeben werden kann. Malte (18 Jahre) war aus Dresden angereist, um über die Reduzierung des LKW-Verkehrs auf Sachsens Straßen und Autobahnen zu sprechen. „Wir müssen die Möglichkeiten auf der Schiene ausbauen“, sagte er. Kolya (13), ebenfalls aus Dresden und Richard (13 Jahre) aus Leipzig setzen sich gemeinsam für die Artenvielfalt ein und sehen diese vor allem durch die wachsenden Verkehrsströme gefährdet.

Welche Forderungen wurden aufgestellt?

In der Diskussion entwarfen die Schüler 54 Thesenpapiere mit konkreten Anliegen – dazu gehören Forderungen nach einem kostenlosen Öffentlichen Nahverkehr in Sachsen, einem verstärkten Ausbau von Bahnstrecken, die Einführung der CO2-Steuer, der Ausbau von Windkraftanlagen in Sachsen, die Aufnahme von Klimaschutz in den sächsischen Lehrplan, die Einführung von Mülltrennung auch im öffentlichen Raum und in Behörden. Und nicht zuletzt: Die Bewegung Fridays for Future mit ihren sechs Kernforderungen möge endlich auch von Politikern ernst genommen werden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war auf der Klimakonferenz der sächsischen Schüler zu Gast. Quelle: Matthias Puppe

Wie lief die Diskussion mit dem Ministerpräsidenten ab?

Jeweils drei bis fünf Schüler konnten bezüglich der vorgegebenen Themenfelder Fragen an Michael Kretschmer stellen, der diese dann gestaffelt beantwortete. Nachfragen der Schüler waren eigentlich nicht erlaubt – kamen deshalb nur in Einzelfällen, dann aber vehement. Der Unionspolitiker plädierte statt für kostenlosen Nahverkehr eher für einen Ausbau elektrifizierter Strecken, sprach sich gegen eine CO2-Steuer aus, weil „Klimaschutz auch nur funktionieren kann, wenn niemand dabei ruiniert wird“.

Dass Klimaschutz im Unterricht Thema wird, sei laut Kretschmer wichtig, ein eigens Fach „Klimaschutz“ würde allerdings zu Lasten anderer Fächer gehen. Allgemein hält der Ministerpräsident Verbote in den meisten Fällen nicht für das geeignete Mittel, um Umweltschutz zu garantieren. „Ich bin ein Mensch der Freiheit“, sagte Kretschmer. Stattdessen setze er darauf, dass die „junge Generation mit ethischen Standards heranwächst“ und deshalb künftig mehr für den Umweltschutz tut, als es die Älteren bisher gemacht haben.

Eindrücke von der Klimakonferenz von Landesschülerrat und Staatsregierung am 22. Juni 2019 in Leipzig. Quelle: Matthias Puppe

Gab es Proteste von Fridays for Future auf der Konferenz?

Einige Vertreter der Umweltbewegung waren unter den 500 teilnehmenden Schülern, stellten kritische Fragen und bestanden auf konkrete Antworten. So wurde der Ministerpräsident mehrfach gefragt, was er seit Beginn der Bewegung tatsächlich umgesetzt habe. Kretschmer nannte den Kompromiss zum Kohleausstieg und verteidigte diesen vehement – mit Verweis auf die Verantwortung gegenüber den Menschen in den Regionen. „Ich habe vor Leuten gestanden, die zitternd vor mir standen, die eine Scheißangst hatten, um ihre Zukunft, um ihre Arbeitsplätze, um ihre Kinder. Und ich haben ihnen gesagt: Ich werde Euch nicht alleine lassen“, sagte der Unionspolitiker.

Später unterstrich Kretschmer, dass er sich mit den Klimaschützern trotzdem auf einer Seite sehe. „Der Konflikt ist nicht zwischen uns hier, sondern zwischen den Klimaleugnern und denen, die das Thema ernst nehmen.“

Wie geht es nach der Klimakonferenz weiter?

Noah Wehn, Sprecher des Landesschülerrates, übergab Ministerpräsident Kretschmer nach der Debatte einen Ordner mit allen 54 Thesenpapieren. „Ich erwarte, dass sie sich mit allen Plakaten ernsthaft auseinandersetzen und davon auch etwas umsetzen werden“, so Wehn an den Unionspolitker gewandt. Wie Kretschmer anschließend sagte, soll die Leipziger Klimakonferenz in der Zukunft an anderer Stelle fortgesetzt werden.

Von Matthias Puppe

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